

MAULBRONN. Eine Neuauflage von Balthasar Sprengers „Anleitung zur Verbesserung der Weine in Deutschland“ ist gestern in der Maulbronner Stadthalle präsentiert worden. Stadt und Kreis unterstützen die Herausgabe.
Isolde Döbele-Carlesso, Historikerin und Stadtarchivarin in Brackenheim, hat das über 230 Jahre alte Werk wieder entdeckt und neu herausgegeben. Ihr Fazit: „Mit seinen Weinverbesserungsvorschlägen, die ebenso spannend wie vergnüglich zu lesen sind, war Sprenger seiner Zeit weit voraus.“
Die Stadt Maulbronn kann nicht nur auf eine jahrhundertelange Weinbaugeschichte verweisen, hier wurde auch Weinbaugeschichte geschrieben. Dies unterstrich Buch-Herausgeberin Isolde Döbele-Carlesso.
In den Jahren 1757 bis 1781 wirkte Balthasar Sprenger an der Maulbronner Klosterschule – und er war eben nicht nur Professor, sondern galt als der bedeutendste deutsche Weinbaufachmann seiner Zeit. In seiner Maulbronner Zeit befasste sich Sprenger intensiv mit Themen des Weinbaus, hier entstand auch seine 1775 erschienene und jetzt neu aufgelegte „Anleitung zur Verbesserung der Weine in Deutschland“.
Dass dieses Buch eng mit der Region verwoben ist, machte Isolde Döbele-Carlesso in ihrem Vortrag deutlich: „Die Praxis war ihm wichtig. Sein eigener Weinberg im Eichelberg auf Gemarkung Lienzingen und die Klosterweinberge wurden ihm zu Versuchsfeldern in seinem Bemühen um die Hebung der Weinqualität.“
Denn schon Sprenger war klar: die Grundlage für die Weinqualität wird vom Wengerter im Weinberg gelegt, durch Auswahl der Rebsorte und deren Pflege. Weg von den Massenträgern mit minderer Qualität, lautete daher sein Appell an die großen „Weinherren“ und nicht zuletzt auch an die Konsumenten, die bereit sein sollten, dieses Mehr an Qualität auch zu bezahlen. „Güte und Menge sind nicht zur gleichen Zeit zu erlangen“, formulierte Sprenger. Seine Weinberge hatte er mit Unterstützung des Klosterverwalters Nast „mit neuen Rebsorten bepflanzt, die der gemeine Mann „Schleckwerk“ nennt und die nicht viel, aber guten Wein geben“, zitierte Isolde Döbele-Carlesso eine alte Quelle.
Ebenfalls in Sprengers Buch enthalten: Hinweise, wie man gepanschten Wein erkennen kann, Anleitungen für eine fachgerechte Weinverkostung und –Beurteilung, sowie Verbesserungsratschläge für den Weinausbau. „Was Sprenger damals beschrieb, wird heute verwirklicht“, sagte Isolde Döbele-Carlesso. Mit der Neuherausgabe wolle sie „in einer globalisierten Welt mit scheinbar austauschbaren Weinen das Augenmerk wieder auf die eigene, reiche Weinbaugeschichte lenken“.
Das Buch „Balthasar Sprenger, – Anleitung zur Verbesserung der Weine in Deutschland“ neu herausgegeben und mit einem Nachwort von Isolde Döbele-Carlesso versehen, ist mit Unterstützung der Stadt Maulbronn, des Enzkreises, der Volksbank Bruchsal-Bretten und der Schützinger Weinbauernfamilie Häge im Carlesso-Verlag erschienen und kostet 15 Euro.
Autor: Andrea Garhöfer



