
ENZKREIS/MÜHLACKER. Eine ideologische Zweiteilung des Enzkreises kritisiert Günter Bächle. Die Teilung sei mitverantwortlich für sein Scheitern bei der CDU-Nominierungsveranstaltung zur Nachfolge von Winfried Scheuermann.
Wie berichtet hatte sich Viktoria Schmid (Niefern-Öschelbronn) auf dem CDU-Parteitag in Göbrichen im Rennen um die Nachfolge von Winfried Scheuermann (Illingen) durchgesetzt. Ihr Zweitkandidat ist Martin Gegenheimer (Remchingen). Die Stimmung bei den Siegern war naturgemäß blendend. Gegenheimer twitterte kurz nach dem Wahlsieg „Ich wünsche Viktoria Schmid alles Gute für den anstehenden Wahlkampf. Als ihr Ersatzkandidat werden wir ihn gemeinsam meistern.“
Katerstimmung dagegen beim Wahlverlierer Günter Bächle (Mühlacker), der im Weblog auf seiner Homepage die ideologische Zweiteilung der Kreis-CDU geißelte und offen von einem Ost-West-Konflikt spricht. Im gestrigen PZ-Gespräch legte Bächle nach: Es sei von Gegenheimer mit Unterstützung der Jungen Union ganz offen eine „Westfront“ gegen ihn errichtet worden. Bächle, Vorsitzender der Gemeinderats-, Kreis- und Regionalfraktion seiner Partei denkt nach seinem vorzeitigen Aus als Polit-Profi im Stuttgarter Landtag kritisch über die CDU nach. Bächle ist verbittert: Kommunale Erfahrung zähle offenbar nicht mehr. Mit 59 passe man wohl nicht mehr in eine Partei, die auf jung und weiblich ausgerichtet werde. Das sei nicht mehr die Partei, in die er vor 42 Jahren eingetreten sei. Die Kreis-CDU sei für ihn gestorben. Seinen Aufgaben in den CDU-Fraktionen werde er sich weiter stellen. Bei der Sitzung der Kreistagsfraktion am 11. März müsse offen über den Ost-West-Konflikt der CDU im Enzkreis gesprochen werden (siehe auch „zweigeteilter Kreisverband“).
Mühlackers CDU-Stadtverbandsvorsitzender Wolfgang Schreiber sprach gestern von einer „gut erkennbaren Lagerbildung“ und einer „Zäsur“ im politischen Leben des Parteifreunds Günter Bächle. Die Konkurrenz habe einen gezielten Vorwahlkampf organisiert und Gegenheimer habe eine regionale Polarisierung betrieben. Gleichwohl gehe es nun auch aus Sicht der Senderstädter CDU darum, den Wahlkampf für Viktoria Schmid erfolgreich zu organisieren. Ähnlich sieht es der Maulbronner Bürgermeister Andreas Felchle. Der Kommunalpolitiker ist aktuell noch Scheuermanns Ersatzkandidat. Vor wenigen Jahren war er als Nachfolger Scheuermanns gehandelt worden. Dann hatte Felchle die Nachfolge zu den Akten gelegt. Nicht zuletzt, weil auch damals schon in der Kreis-CDU ein starkes Drängen aus dem westlichen Enzkreis hochkochte. Unterstützen will er Viktoria Schmid aber auf jeden Fall. Für Bächle tue es ihm „verdammt leid“. Er habe ihn unterstützt, aber es habe nicht gereicht.
Mit Bächles „pointierter und provozierender Art“ wäre er laut Felchle auf Landesebene ein guter Repräsentant für die Union gewesen.
Der Mühlacker Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Rolf Leo, sagte, Bächle hätte sich rechtzeitig einen Zweitkandidaten aus dem westlichen Enzkreis ausgucken müssen. So sehr er den Noch-Abgeordneten Winfried Scheuermann auch schätze, aber die CDU habe mehrheitlich ein deutliches Zeichen beim Thema Nachfolge setzen wollen. Gesichter zählten heute mehr als Erfahrung und Inhalte.
Keine Probleme mit einem Ost-West-Konflikt sahen gestern im Zuge der PZ-Umfrage der Senderstädter SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Knapp und der Mühlacker SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Peter, was die Situation im SPD-Kreisverband anbelangt. Knapp: „Ich spüre das in der SPD nicht.“ Und das werde auch kein Thema bei der SPD-Nominierungsveranstaltung am 25. Juni. Peter bedauerte das Scheitern von Bächle nicht aus regionalen Gesichtspunkten, sondern von der menschlichen Seite. Mühlackers LMU-Sprecherin Ulrike Fuchs charakterisierte das „Ost-West-Verhältnis als Angelegenheit der CDU“. Allerdings habe sie persönlich das Abschneiden von Günter Bächle „so nicht erwartet“.
Und auch der Mühlacker FDP-Fraktionsvorsitzende Jens Hanf meinte, dass das in seinem Bekanntenkreis kein Thema sei. Die innere Lage der CDU könne er nicht deuten. Ganz wichtig sei es aber, von möglichen parteipolitischen Konstellationen nicht auf das Befinden der Bevölkerung zu schließen.
Mühlackers Bürgermeister Winfried Abicht zeigte sich gestern von der staatsmännischen Seite: Für die Große Kreisstadt sei es nun wichtig, einen guten Kontakt zu Viktoria Schmid aufzubauen: „Wir wollen eine enge Zusammenarbeit mit ihr.“
Autor: PZ-REDAKTEUR PETER MARX



