

OBERDERDINGEN. Mariä Lichtmess ist für einen echten Derdinger wie ein „Nationalfeiertag“. Am Donnerstag wurde kräftig gefeiert: Mit Kuchenreiten, Markt und Tanz.
Mit Lichtmess hält die Gemeinde einen in Süddeutschland wohl einmaligen alten Brauch am Leben. Um Lichtmess ranken sich verschiedene Geschichten. Wahrscheinlich waren die Müllerkuchen – 15 Pfund schwere Weißbrotlaibe – Teil des Mühlzinses, den die beiden Mühlen an ihren Lehnsherrn zu entrichten hatten. Beliebter jedoch ist jene Legende, nach der junge Burschen die Derdinger Mühlen in schweren Kriegszeiten vor Plünderung und Brandschatzung bewahrt haben sollen.
Seither erhalten sie zum Dank Mühlkuchen, was wurde sogar im Grundbuch festgehalten. Welche Version denn nun die richtige ist, ist den Derdingern egal – gefallen tun beide. Liefern muss die Kuchen jedenfalls der Eigentümer der beiden Mühlen, also die Firma E.G.O.
Morgens um Punkt neun Uhr nahmen die ledigen Burschen beider Flecken – in diesem Jahr waren es nur drei – an der Oberen Mühle die großen Lichtmesslaibe im Empfang, die an Kreuzstangen befestigt und mit Buchs und bunten Bändern geschmückt waren. Viele Zuschauer waren trotz klirrender Kälte mit dabei, als der Musikverein Oberderdingen dem Müller ein Ständchen spielte.
Durch den schneidenden Ostwind waren es aber auch in diesem Jahr gefühlte Temperaturen weit im zweistelligen Bereich, die rund 200 Grundschüler der Oberderdinger Strombergschule, die am Lindenplatz dazu gestoßen waren, zeigten trotzdem tapfer unter den aufmerksamen Augen von Eltern und Großeltern Tänze mit ihren Lichtmesspferdchen. Diese hatten sie aus Weidenruten, Buchs und bunten Bändern gebastelt und mit einem kleinen Lichtmesslaibchen geschmückt. Mit Musik und den großen Reitern zogen die Kinder weiter zu den Firmen Blanco und E.G.O., zeigten auch dort ihre Tänze und wurden dafür mit Mohrenköpfen und kleinen Spielsachen belohnt. Und weil Lichtmess eben ein besonderer Tag in Oberderdingen ist, gab’s für den Rest des Vormittags schulfrei.
Autor: Michaela Kallenbach



