

STERNENFELS/MÜHLACKER. Vom Weißherbst bis zu Maultaschen reicht derzeit das Angebot in den Besen-Wirtschaften im Stromberg. Mehr als 1000 Senioren bilden eine „Besen-Gemeinde“, die von einem Ort zum nächsten zieht.
Mehr als ein Dutzend Einkehrmöglichkeiten von Schützingen bis Knittlingen wird in den Verzeichnissen des Weinbau-Verbandes aufgeführt. Die Zeit der Straußwirtschaften hat begonnen. Gäste im Alter über 60 Jahre strömen in die Weinkeller und in die mit Holzbänken bestückten Scheunen. „Mehr als die Hälfte unserer Gäste sind Rentner. Immer mehr junge Familien kommen vor allem sonntags mit ihren Kindern“, sagte gestern Inhaberin Andrea Golderer zur PZ. Ihr „Roßstall-Besen“ am Dorfanger in Ölbronn wird Ende März 25 Jahre alt. Sie hatte den ehemaligen Stall für Kühe und Pferde zur Einkehrstätte umgebaut. Der Andrang zu den Einkehrmöglichkeiten, bei denen die Wengerter laut gesetzlicher Vorgabe nur eigenen Wein anbieten dürfen, steigt immer stärker an. Bis zu 50 Prozent seien die Preise in einer Besen-Wirtschaft günstiger als in der Gastronomie, meinte gestern Ernst Fasching, der für seinen zehntägigen „Besen“ in der „Eckenweiher Schänke“ Mitte Februar sogar Urlaub genommen hatte.
Um acht Uhr morgens hätten täglich die Vorbereitungen begonnen, nachts um zwei Uhr sei er erst zur Ruhe gekommen. Das Echo beim Publikum sei „sehr gut“ gewesen. Im „Alten Rathaus“ von Kleinvillars sprach Juniorchef Werner Vincon von einer „regelrechten Besen-Gemeinde“ von älteren Besuchern, die je nach Termin von einer Straußwirtschaft zur nächsten ziehe. „Vormittags sitzen oft nur Senioren im Besen, die als Wandergruppe bei uns vorbeikommen“, sagte er. Die jüngeren Semester kämen im Waldenserdorf erst abends in den „Besen“.
Der Trend gehe zu einem kräftigen Rotwein wie dem Lemberger und zum Käseschnitzel. Bis zum Sonntag sei der „Rathaus-Besen“ in Kleinvillars noch geöffnet. Auf dem Elfinger Hof von Maulbronn war während der ersten Besen-Tage des Jahres ein roter Burgunder der am meisten nachgefragte Wein. „Aber die Gäste halten sich inzwischen spürbar zurück. Aus Angst vor der Polizei wird nicht mehr so viel wie früher getrunken“, erklärte Wirtin Maria Oßwald.
Hochbetrieb herrschte gestern in der Besen-Wirtschaft „Zur Schmiede“ bei Gerda Conradt in Zaisersweiher. „Wir haben bisher unser Niveau an Gästen gehalten. Aber ich bin gespannt, was uns die nächsten Monate bringen, wenn die Kurzarbeit steigt“, war sie eher skeptisch. Für 3,80 Euro steht bei ihr ein Kinderteller auf der Speisekarte, zu dem sogar ein Lutscher gehört.
Einen großen Andrang schon zum Mittagessen erwartet von heute an der „Ritterbesen“ am Gewerbepark in Sternenfels. „Die Gemütlichkeit im Besen, wo auf der Bank die Gäste zusammenrücken, ist der Trumpf“, meinte Gastgeber Egon Simmel. Weit mehr als die Hälfte seiner Gäste seien Rentner. Etwa 60 Tage will Simmel in diesem Jahr öffnen.
Autor: HORST PIEPER



