

MÜHLACKER. Deutschlandweit sorgen die Thesen von Thilo Sarrazin für Aufregung. Hasan Özer, Sprecher der türkischen Vereine in Mühlacker, hält manche Aussage für gefährlich, plädiert aber dafür, sie nicht überzubewerten.
Bereits wenige Stunden, nachdem Thilo Sarrazins umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ in den Buchhandlungen lag, war die erste Auflage bereits vergriffen. Sarrazins Thesen, die sich unter anderem mit dem nach seiner Meinung unbeschränkten Zuzug unqualifizierter Migranten mit muslimischem Hintergrund beschäftigen, erzielen eine enorme Aufmerksamkeit, obwohl ihnen vielerorts heftig widersprochen wird.
Dass sich die Wirklichkeit in den meisten deutschen Städten anders darstellt und Migranten mit türkischen oder albanischen Wurzeln keinesfalls nur die kinderreichen Sozialleistungsverschlinger sind, die, wie im Buch ausführlich beschrieben, für den Untergang des Abendlandes verantwortlich sein sollen, zeigt sich am Beispiel Mühlackers.
Obwohl die Kernstadt zu fast einem Viertel von ausländischen Staatsangehörigen – zumeist türkischer Herkunft – bewohnt wird, und damit genau jene angebliche Realität aufzeigen müsste, welche Sarrazin in seinem Werk beschreibt, sieht Oberbürgermeister Frank Schneider die Stadt Mühlacker beim Thema Integration sehr gut aufgestellt: „Wenn man bedenkt, wie viele Einwohner mit Migrationshintergrund wir haben, dann können wir durchaus stolz sein auf das bisher Erreichte.“
Zwar gebe es auch in Mühlacker noch immer Bürger, die mehr schlecht als recht integriert seien. Die Bildung von parallelgesellschaftlichen Strukturen ließe sich jedoch nicht effektiv verhindern. „Wenn sich gewisse Migranten für diesen Weg entscheiden, ist dies zwar bedauerlich, etwas dagegen machen kann man als Stadt in solchen Fällen aber nicht.“
Sarrazins These, ein noch höherer Anteil von Einwohnern mit Migrationshintergrund würde zwangsläufig zu einer „Verdummung des deutschen Volkes“ führen, erzeugt bei Hasan Ali Özer, dem Sprecher der türkischen Vereine Mühlacker, nichts als Kopfschütteln: „Gerade wir als Deutsche sollten mit solchen Aussagen vorsichtig sein“, meint Özer im Gespräch mit der PZ. „Hier irgendwelche biologischen oder genetischen Schlussfolgerungen zu ziehen, die sich auf die Intelligenz eines bestimmten Volkes beziehen sollen, halte ich für sehr gefährlich.“ Trotzdem betont Özer, dass in Deutschland jeder seine Meinung äußern dürfe und dass es deshalb aus seiner Sicht der falsche Weg sei, Sarrazins Buch zu verbieten.
Auch der von Sarrazin geschürten Angst, die Deutschen könnten in wenigen hundert Jahren zur Minderheit im eigenen Land werden und die muslimischen Migranten seien nicht richtig integriert, begegnet Özer mit Unverständnis: „Wir sollten vielmehr darauf achten, unsere Rechte, aber auch unsere Pflichten als Staatsbürger zu kennen und einzuhalten. Abgrenzung innerhalb einer Gesellschaft ist immer schlecht, daran müssen wir arbeiten.“
Dieser Meinung ist auch Oberbürgermeister Schneider. Als Vorsitzender des Integrationsbeirats Mühlackers hat er mit Özer ein Projekt auf den Weg gebracht hat, welches mit Hilfe sogenannter Bildungspatenschaften dafür sorgen soll, den Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund die elementare Bedeutung von Bildung und den Erwerb der deutschen Sprache näherzubringen.
Autor: maximilian lutz




Leserkommentare (106)
Mehr Kommentarewär ja auch was faul, wenn er anders denken würde... mehr...
Gibt's noch ein anderes Mühlacker im Enzkreis als jenes welches ich kenne :confused:... mehr...
Klipp und klar muß hier gesagt werden, das dieser noch SPD-Mann [B]Sarrazin größtenteils [/B]nur das Ausspricht, was nicht nur an den Stammtischen dieser Republik, debattiert wird. Auf jeden Fall hat dieser Mann den Ar.... dazu in der Hose (was die meisten Politiker nicht haben) seine Meinung Öffentlich wie auch den Medien gegenüber darzulegen, auch wenn er das eine wie andere Mal, übers Ziel hinausschiesst, und in so manches "[B]Fettnäpfchen" [/B]tritt. mehr...