

MÜHLACKER/ILLINGEN. Etwa sieben Sekunden hat ein Passant in Mühlacker zur Verfügung, um an einer Fußgängerampel die Straße zu überqueren. Für Senioren und für Kindergruppen wird dieser Zeitraum als zu kurz empfunden.
„Die Grünphase sollte von Ampel zu Ampel unterschiedlich sein“, sagte gestern Paul Kessler, der Vorsitzende des Rad- und Kraftfahrvereins in Lomersheim und frühere Leiter der Verkehrsbehörde im Rathaus Mühlacker, zur PZ. An Fußgänger-Überwegen in der Nähe von Seniorenheimen wie in Mühlacker könnten die Grünzeiten für die Passanten durchaus zwei bis drei Sekunden länger sein. Die Breite einer Straße müsse ebenso bei der Bemessung der Grünphase auf dem Übergang berücksichtigt werden. „Dem älteren Fußgänger sagen wir: Weitergehen, auch wenn die Ampel wieder auf Rot springt“, meinte der Vereinschef.
Viele Senioren würden auf der Fahrbahn in Panik geraten, umdrehen und wieder zum Ausgangspunkt am Bürgersteig zurückkehren. Laut Enzkreis ist eine weitere Schutzzeit von sechs Sekunden vorhanden, bis für die wartenden Autofahrer die Ampel wieder auf Grün springt.
Eine heftige Kontroverse um die Fußgängerampel an der Friedensstraße in Lienzingen hatte diese Diskussion ausgelöst. Stadtrat Günter Bächle griff die Klagen von Müttern aus dem Teilort auf, die die Grünphase an dieser Ampel als zu kurz dargestellt hatten. Nach Darstellung der Straßenverkehrsbehörde muss jeder Autofahrer so lange warten, bis der letzte Fußgänger der Grünphase die andere Straßenseite erreicht hat. Bei der Untersuchung stellten die Fachleute aus den Behörden ebenso fest, viele Fußgänger würden nicht einmal warten, bis für sie die Ampel auf Grün springe. Innerhalb einer halben Stunde hätten von 14 Personen nur sechs die Ampelanlage korrekt in Anspruch genommen. Allein fünf Kinder mit Rollerscates sowie eine Frau mit Hund hätten nicht auf Grün gewartet, sondern wären einfach losgelaufen. Zahlreiche Fußgänger seien quer über diese Durchgangsstraße (L 1134) an der Ring- und Neuwiesenstraße gelaufen, ohne die Ampelanlage dabei in Anspruch zu nehmen. Bächle sprach sich gestern für eine zusätzliche Fußgängerampel auf der mittleren Bahnhofstraße in Höhe der Volksbank in Mühlacker aus, um nach der Fertigstellung der Wohnetagen für betreutes Wohnen am benachbarten Igelsbach mehr Verkehrssicherheit für die Senioren zu schaffen. Ebenso müsse die Situation auf der Goethestraße in der Nähe der beiden Altenpflegezentren am Erlenbach überprüft werden. Fraktionschef Rolf Leo von den Freien Wählern hielt weitere verkehrsberuhigte Bereiche auf der Bahnhofstraße wie an der Drehscheibe für möglich. „Das ist ein Thema, mit dem sich die Altenklubs befassen sollten“, meinte er zur PZ. SPD-Fraktionschef Roland Peter erklärte, Neuerungen in der Verkehrstechnik wie eine Fußgängerampel mit Videosteuerung müssten in Mühlacker eingesetzt werden. Gruppen von Senioren und Kindern an Schulen und Kindergärten benötigten längere Grünphasen.
Die Verkehrstechniker im Landratsamt denken hingegen schon weiter. Sie haben vor der Schule in Gräfenhausen und am Mini-Kreisel in der Ortsmitte von Illingen bereits eine Ampel der nächsten technischen Generation entwickelt. Sie ist mit einer Kamera ausgestattet, die den Andrang von Passanten an der Fußgänger-Signalanlage registriert und anschließend elektronisch die Grünphase für den Übergang neu berechnet. Dabei soll verhindert werden, dass eine Gruppe wie von Schülern auseinandergerissen werden. Diese Aufrüstung einer Signalanlage soll 2000 Euro je Standort kosten.
„Bundesweit werden in den Richtlinien nur fünf Sekunden Grün als Querungszeit für Fußgänger gefordert“, sagte Karl Weißenmayer, der Ampel-Experte im Landratsamt. Zudem springe eine Ampel drei bis vier Sekunden nach der Anforderung der Grünphase am Druckknopf durch einen Passanten für den Straßenverkehr auf Rot. Weißenmayer stellte sich für die nächsten Wochen auf einige Anfragen von Kindergarten- und Elternbeiräten an den Schulen zu Grünphasen an den 25 Fußgängerampeln im Enzkreis ein.
Autor: HORST PIEPER



