





MAULBRONN. Riechen, schmecken, greifen und genießen – all das war auf dem ersten Kräuter- und Erntemarkt im Kloster Maulbronn möglich. Und mehrere Tausend Besucher schickten ihre Sinne auf Entdeckungstour.
Im sonnendurchfluteten Klosterhof hatten 21 Marktbeschicker aus Maulbronn und der unmittelbaren Umgebung der Klosterstadt ihre Stände im Schatten des mächtigen Fruchtkastens aufgebaut.
Dort wo die Mönche schon im Mittelalter viele, viele Ernten eingefahren haben, gab es gestern Kürbisse, Rüben, Obst, Honig, frisch gepresstes Öl, edle Brände, Konfitüren, Naturbekleidung und Schuhe, Wollprodukte, Schmuck aus Naturmaterialien, Seifen, Besen, herbstliche Floristik, Sirup und Weine zu entdecken und kaufen.
Und zahlreiche Marktbesucher nahmen eine paar der Schätze der Felder, Wiesen und Weinberge mit nach Hause für die heimische Vorratskammer mit.
Einige der Marktbeschicker ließen sich bei der Herstellung ihrer Produkte über die Schulter schauen – oder auch mitmachen. Bunt trieben es da gerne die kleinen Besucher bei der Woll- und Tuchfärberin Hannah Deuß aus Ölbronn. An ihrem Stand weihte sie in die Geheimnisse des Färbens mit Pflanzenfarben ein. Weiße Seidentücher oder -bänder verwandelten sich nach einem Bad im Wurzel-Sud der Krapp-Pflanze in weinrote Tücher. Nebenan dampfte es aus dem Kessel der Seifensieder aus Bretten. Das blubbernde Gemisch verlockte immer wieder zur Topfguckerei. Bei der Zauberwolke konnten sich Bastelfans zeigen lassen, was man im Handumdrehen so alles aus Wolle filzen kann.
Bereits zur Mittagszeit herrschte buntes Treiben auf dem Pflaster des Klosterhofes. Und die Helfer der gastronomischen Marktstände hatten alle Hände voll zu tun, um die Maultaschen, Klosterkräuterwürste, Kräuterbrote, Säfte, Wein und Sekt auszugeben. Kaum einen Sitzplatz gefunden, entdeckten die Besucher immer wieder ein bekanntes Gesicht und es wurden Neuigkeiten ausgetauscht.
„Der Versuch die Tradition früherer Erntezeiten und -märkte mit ihrem geselligen Charakter aufzugreifen, ist gelungen“, bestätigte eine ältere Dame aus Heidelberg das Konzept von Marktorganisatorin Gabriele Bickel. Eigentlich Besucherin der Klosterkonzerte, zeigte sich die Heidelbergerin vom Ambiente des Kräuter- und Erntemarktes beeindruckt.
Hier und da wurde ein Kinderkarussell vermisst, doch das übrige Angebot – gerade für Kinder fand großen Anklang. Geradezu märchenhaft ging es im Keller des Frühmesserhauses zu, wo Nana Avingarde gestern Klein und Groß mit verschiedenen Märchenerzählungen begeisterte.
Autor: PZ-REDAKTEURIN VIOLA KRAUSS



