

erhebt Vorwürfe gegen die Verbandsschule Platte in Wiernsheim. Die Bildungsanstalt habe ihre Aufsichtspflicht verletzt, als ihr Sohn von einem Mitschüler geschlagen wurde.
Der Fall:
Angefangen hat alles am Montagmorgen mit einer Fopperei unter Achtklässlern der Werkrealschule in der dritten Stunde. Die Sache schaukelte sich hoch. Ein Schüler aus Wurmberg wurde von seinem Klassenkameraden verhauen. Die Diagnose im Krankenhaus: Kapselriss in einem Finger.
Das sagt die Mutter:
Die Schule habe die Aufsichtspflicht verletzt, weil sich im Klassenzimmer während des entsprechenden Zeitraums kein Lehrer befunden habe. „Es kann nicht sein, dass die Schüler im Unterricht allein gelassen werden“, sagt die Mutter. Ihre Söhne (12 und 15), der jüngere besucht die sechste Klasse, seien in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Mobbing geworden. „Vor Monaten“ hat die Frau nach eigenen Angaben Anzeige gegen einen anderen Schüler erstattet, der ihrem älteren Kind eine Rippenverletzung zugefügt habe.
Das sagt die Schule:
Da kein Vertretungslehrer zur Verfügung gestanden hätte, habe eine Pädagogin, die im benachbarten Klassenzimmer unterrichtet, die Aufsicht mitübernommen, teilt die stellvertretende Schulleiterin Annette Mannhardt mit. Die Achtklässler wurden mit Stillarbeit beauftragt. Die Lehrerin, berichtet Mannhardt, habe von der Rauferei nebenan nichts mitbekommen. Es sei auch kein Schüler auf die Pädagogin zugekommen. Allgemein gesprochen gehöre die Verbandsschule Platte zu den ruhigeren Schulen in der Region. Rektorin Carola Tröster war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Das sagt die Schulbehörde:
Generell sei die Aufsichtspflicht schwer zu definieren, erklärt Renate Süß, Direktorin des Staatlichen Schulamts Pforzheim. „Klare Regeln gibt es nicht.“ Die Schüler müssten sich jedenfalls „beaufsichtigt fühlen.“ Zudem mache es einen Unterschied, ob es um Achtklässler oder etwa um Grundschüler geht. Süß rät der Mutter aus Wurmberg, eine Mitteilung an das Schulamt zu schreiben – sollte sie weiterhin der Meinung sein, die Verbandsschule habe die Aufsichtspflicht verletzt. „Dann müssen wir den Fall im Detail gründlich unter die Lupe nehmen“, betont sie.
Unterrichtsversorgung:
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert schon seit Jahren mehr Vertretungslehrer an den Schulen und kritisiert den Ausfall von Schulstunden im Land. An der Wiernsheimer Verbandsschule ist das nicht anders. Dort konnte am Montagmorgen bei den Achtklässlern wegen Krankheitsausfällen kein Vertretungslehrer einspringen. „Im kommenden Jahr wird sich das Problem verschärfen“, berichtet Annette Mannhardt. Dann würden durch die Kooperation von fünf Gemeinden zur „Werkrealschule Heckengäu“ noch mehr Kinder und Jugendliche die Verbandsschule Platte in Wiernsheim besuchen. Einerseits. Andererseits sagt Renate Süß: „Egal, wie viele Lehrer eingestellt werden, man wird nie auf die Sekunde genau auf einen Ausfall reagieren können.“
Autor: PZ-redakteur alexander albrecht



