



Gut 40 PZ-Leser sind am Mittwochnachmittag vom Weingut Häußermann aus durch die Diefenbacher Weinberge gewandert. Als sie nach etwa zweieinhalb Stunden an den Ausgangspunkt zurückkehrten, konnten sie sich noch durch den Betrieb führen lassen – und zum Ausklang natürlich gemütlich Weine probieren.
Die Teilnehmer der Weinberg-Tour hatten offenbar auf angenehmere Temperaturen als an den Tagen zuvor spekuliert und lagenrichtig. Viele spazierten ganz ohne jeden Ballast durch die Natur, andere hatten zumindest ein Täschchen mit einem kleinen Getränke-Vorrat dabei. Auch machte keine Tube mit Sonnencreme die Runde, was aber auch nicht nötig war, da die Gruppe nur für kurze Zeit heftiger Sonnenstrahlung ausgesetzt war. Länger machte sich ein leichter Wind bemerkbar, was den Wanderern entgegenkam, da sie nach und nach doch ins Schwitzen kamen, auch wenn die zurückgelegte Strecke nicht viel mehr als 3,5 Kilometer betrug, wie Inge Häußermann sagte, die die Gruppe herumführte. An einigen Punkten lud sie zum Verweilen ein und erzählte über den Weinbau im Allgemeinen, die geografische Lage im westlichen Stromberg und auch aus der Geschichte.
„Die Diefenbacher waren ein bisschen Aufmüpfige“, sagte Inge Häußermann beispielsweise. Da sich die Menschen im Ort widersetzten, hätte ihnen der König einst den Bau einer Kirchenmauer auferlegt. Nach dem Machtwort hätte sich nur noch der Ochsenwirt widersetzt, deshalb sei er festgenommen worden. Doch seine schöne Frau habe sich beim König für ihn eingesetzt und auch etwas bewirkt. Der König habe versprochen, ihren Gatten freizulassen, wenn der ein Brot backen würde, durch das drei Mal die Sonne scheine. So sei Diefenbach zum Ursprungsort der Brezel geworden. Zumindest der Sage nach sei das so, schloss Inge Häußermann mit einem Augenzwinkern.
Zustimmung ihrer durchweg etwas älteren Gäste erntete die Senior-Chefin des Weinguts beispielsweise, als sie sagte, der Fortschritt bei der Arbeit in den Weinbergen sei eine feine Sache, dass sie aber eigentlich froh sei, die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte erlebt zu haben. Wenn man sich an die Zeiten erinnern könne, in denen es zu Fuß oder mit einem Kuh-Fuhrwerk in die Weinberge ging, dann wisse man umso mehr zu schätzen, dass man es heutzutage vergleichsweise einfach habe. Die Generation der Enkel und sogar die der Kinder könne den beschwerlichen Alltag früherer Zeiten nicht mehr nachvollziehen.
„Wenn mir vor 30, 40 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal auch mit einem Computer schaffe ...“, sagte Inge Häußermann und beendete den Satz ohne Worte, aber mit einer eindeutigen Geste. Sie tippte sich gegen die Stirn, um auszudrücken, dass sie so jemandem bedeutet hätte, dass er „einen Vogel“ habe. So vergnüglich die Weinberg-Tour auch war, gegen Ende zeigten sich die unterschiedlichen Charaktere in der großen Gruppe. Während die einen so richtig Lust auf Detailfragen und Fachsimpeleien bekamen, plädierten ein paar andere dafür, nicht mehr allzu lange zu verharren, sondern lieber schneller zum Weingut zurückzukehren, um es sich dort gut gehen zu lassen.
Autor: Ralf Kohler Sternenfels-Diefenbach






