

WIERNSHEIM-PINACHE/BERLIN. Genau ein Jahr ist es her, dass Michael Baral in der ARD-Serie „Lindenstraße“ als Timo Zenker in den Knast gewandert ist. Seitdem hat sich bei dem aus Pinache stammenden Schauspieler viel getan.
Michael Baral spielte in sieben Folgen der „Lindenstraße“ den zurückgekehrten Timo Zenker (die PZ berichtete). Ein ganz anderes Projekt nahm der mittlerweile in Berlin lebende Schauspieler und Synchron-Sprecher Anfang des Jahres in Angriff. Nachdem er Ende 2009 ein Casting für einen Hollywood-Film, der in Berlin gedreht werden sollte, mitgemacht hatte, überraschte ihn seine Agentur Fischer&Fink im Januar mit der Zusage.
Baral spielt in „Unknown white male“ einen Hotelmanager. Der „Unbekannte weiße Mann“ wird von Liam Neeson verkörpert und soll Anfang kommenden Jahres in die Kinos kommen. „Das Hotel wird zum Schluss in die Luft gejagt, wie sich das für einen Hollywoodfilm gehört“, meint Baral und lacht.
Mit der US-Schauspielerin January Jones hat er darin ein Streitgespräch. Gedreht wurde komplett auf englisch. „Dabei kommt mir meine Erfahrung zugute, weil ich mehrmals in Amerika war und dort auch schon gedreht habe“, erklärt Baral. Mit Neeson, bekannt aus dem Holocaust-Drama „Schindlers Liste“, drehte Baral eine Szene. Der junge Darsteller beschreibt Neeson als zurückhaltenden, introvertierten Typ. Auch für die Fortsetzung des Kinofilms „Männerherzen“ steht Baral vor der Kamera. Der Weg dorthin war, wie so oft im Filmgeschäft, verschlungen. Ursprünglich war Baral beim Casting im Sommer Ansprechpartner für die weiblichen Vorsprecherinnen. Das heißt, er fungierte beim Casting als Vertretung der Männerherzen-Schauspieler Florian David Fitz und Wotan Wilke Möhring. „Nachdem ich den ganzen Tag beim Casting dabei war, kam der Anruf: Sie haben auch noch eine kleine Rolle für mich.“
Baral spielt einen durchgeknallten Fotografen, der die Leute in „Männerherzen und die ganz, ganz große Liebe“ vor der Kamera zu Höchstleistungen animiert. „Da es in erster Linie gar nicht um mich ging, habe ich mich sehr gefreut, dass ich überzeugen konnte.“
Die Filmbranche lebt von Schnelligkeit, meint Baral. Gestern der zurückhaltende Timo Zenker, heute der verrückte Fotograf, und morgen als routinierter Synchronsprecher ein Obdachloser in CSI New York. Von der Komödie übers ernste Fach bis zum Krimi – Baral ist offen für alle Genres. „Man muss als Schauspieler in den Köpfen sein“, sagt Baral.
Gegenpol sind die regelmäßigen Besuche im beschaulichen Pinache. Nachdem es seinem erkrankten Vater etwas besser ging und ein Engagement bei den Rosenheim Cops geplatzt war, buchte Baral Urlaub. „Kaum gebucht, kam der Anruf von den Rosenheim Cops, wir wollen sie doch haben“, sagt Baral. Eine typische Aktion im schnelllebigen Filmgeschäft. Was die Planung zwar erschwert, was der junge Mann aber auch schätzt an seinem Beruf.
Spannende Aufträge, schnelle Reaktionen – das Unvorhersehbare macht dem Pinacher Spaß. Krimi, Action, Hochschul-Film oder Telenovela – Baral will sich inhaltlich nicht auf eine Rolle festlegen lassen. „Was manchmal auch nicht einfach ist“, wie er weiß. Weil die Leute nicht auf den ersten Blick erkennen, wo sie ihn hinstecken sollen, für welche Rollen er geeignet ist. Und obwohl es so mancher Kollege, der nur in Telenovelas auftritt möglicherweise einfacher habe, von einem Job zum nächsten zu kommen, schätzt Baral an seinem Beruf die Vielseitigkeit.
Es gibt aber auch Rollen, an denen Michael Baral hängt. Die des Timo Zenker gehört dazu. Vielleicht war es im vergangenen September nicht der letzte Auftritt Barals in der „Lindenstraße“. „Das ist noch offen, es kann aber gut sein, dass ich zurückkomme“, verrät Baral.
Autor: nadine schmid



