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Mit Gewehr und Fußballtrikot:  In der libyschen Wüste, nahe dem Wau en Namus, trafen die Weltreisenden  auf einer ihrer Reisen einen Einheimischen, der sofort vom VfB-Trikot Langohrs angetan war.
Mit Gewehr und Fußballtrikot: In der libyschen Wüste, nahe dem Wau en Namus, trafen die Weltreisenden auf einer ihrer Reisen einen Einheimischen, der sofort vom VfB-Trikot Langohrs angetan war.
© Langohr
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Verwurzelt aber immer auf dem Sprung

Radprofi Alexander Winokurow und die Filmfigur Borat haben eines gemeinsam – sie kommen aus Kasachstan. Das Land grenzt im Norden an Russland, im Osten an China, im Süden an Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan und im Westen ans Kaspische Meer und ist aus touristischer Sicht bisher nicht überlaufen. Die Maulbronner Weltreisenden Rolf Langohr und Uwe Schoppel wollen mit ihren Geländewagen nach Zentralasien touren. Was sie dorthin zieht haben sie PZ-Redakteurin Nadine Schmid erzählt.

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PZ: Im Oktober seid Ihr von Eurer Fahrradtour von Kalifornien bis Alaska zurückgekommen. Jetzt geht es nach Kasachstan. Hört sich nach Kulturschock an.
Rolf Langohr: Für uns ist Zentralasien Neuland. Aber langweilig wird uns bestimmt nicht. Es gibt dort eines der höchsten Gebirge der Welt und das Kaspische Meer, der größter See der Welt, der unter Meeresniveau liegt. Unter kulturellen Aspekten hat Zentralasien einiges zu bieten. Ein Höhepunkt wird sicher die Seidenstraße. Die alte Handelsroute mit China, läuft teilweise durch Usbekistan und an ihr liegen die Weltkulturerbe-Städte Samarkand und Buchera.

PZ: Nach einigen Tagen in Polen steht gleich zu Beginn Eurer dreieinhalbmonatigen Reise die kilometermäßig härteste Etappe an. Innerhalb von zehn Tagen wollt ihr die 5000 Kilometer in die kasachische Hauptstadt Astana bewältigen. Was ist das Tagespensum?
Uwe Schoppel: Theoretisch 500 Kilometer.
Langohr: Auf deutschen Autobahnen ist das innerhalb von vier bis fünf Stunden zu bewältigen. Durch Grenzkontrollen und wahrscheinlich schlechtere Straßen rechnen wir auf dem Weg nach Osten mit der doppelten Zeit.
Schoppel: Wegen der Straßen mache ich mir keine Sorgen. Wir sind mit unseren Mercedes G-Modellen, das sind Geländewagen mit beinahe 100-Liter-Dieseltanks, unterwegs. Die haben sich schon in Afrika bewährt.

PZ: Zwei Autos für zwei Leute? Habt Ihr Mitreisende?
Langohr: Wir beide reisen als einzige die ganze Strecke. Abschnittsweise fahren insgesamt zehn Leute mit. In Astana, der Hauptstadt Kasachstans steigen meine Freundin, Onkel und Tante zu. Die hatten vor Jahren eine Gasttochter, die mittlerweile in Alma Ata lebt. Auf Reisen sind die Kontakte, die man knüpft nicht nur wichtig, um sich über mögliche Gefahren für Reisende in den Regionen zu informieren, sie helfen auch über sprachliche Barrieren hinweg. Wir haben zwar angefangen russisch zu lernen, aber da hapert es noch gewaltig. Kyrillische Buchstaben auf Schildern zu entziffern müsste, bis wir dort sind, aber klappen.

PZ: Wie geht es weiterß?
Langohr: Von Astana aus sind wir noch etwa zwei Wochen in Kasachstan, erreichen nach etwa drei Tagen Alma Ata, die frühere Hauptstadt. Heute heißt sie Almaty. Danach fahren wir aus der Ebene in die Bergregion hinter Almaty. Unter anderem bereisen wir das Pamir-Gebirge in Tadschikistan, es gehört zum Dach der Welt. Teilweise sind die Straßen dort nur Pisten. Vom auswärtigen Amt war zu hören, dass wir damit rechnen müssen, dass die teilweise weggeschwemmt sein können.
Schoppel: Spektakulär wird sicher die Fahrt auf dem Pamir-Highway in bis zu 4600 Metern Höhe. Das wird nicht nur anstrengend für uns zum Atmen, sondern auch schwierig für die Fahrzeuge.
Langohr: Man muss sich klar machen, dass in den Alpen der Montblanc 4800 hoch ist. In Zentralasien fahren wir dann mit dem Auto über einen Pass von 4600 Metern.
Schoppel: Man braucht eine Genehmigung um dort zu fahren, weil der Highway nahe der afghanischen Grenze verläuft und als einzig geteerte Nord-Süd-Verbindung genutzt wird, um Drogen aus dem Süden in den Norden zu bringen.

PZ: Ist das die gefährlichste Ecke Eurer Reise?
Langohr: Schwer zu sagen. Durch die Nähe zu Pakistan und Afghanistan müssen wir die aktuellen Reisewarnungen dort zeitnah genau prüfen. Schoppel: Wenn wir beunruhigt sind, ändern wir die Reiseroute.
Langohr: Wir sind bestimmt nicht lebensmüde. Wenn man seit geraumer Zeit reist, kann man Meldungen besser einordnen. Derzeit verfolgen wir die Ereignisse im Iran natürlich genau. Als wir in Kolumbien waren, hieß es zum Beispiel, man darf bestimmte Strecken nicht bei Nacht fahren. Dann machen wir das natürlich auch nicht, sondern fahren tagsüber, dann passiert auch nichts. Aussagen zur Gefährlichkeit einer Region aus der Ferne zu treffen, ist ohnehin schwierig. Hier lebe ich von einem Reiseführer. Hat ihn jemand Ängstliches geschrieben, oder jemand, der alles sehr locker nimmt – wer weiß das? Man muss sich vor Ort ein Bild machen und ist oft überrascht, wie sicher die Länder sind, von denen man vorher dachte, an jeder Ecke lauere ein Bandit.

PZ: Schon auf Kurzstrecken kommen sich Fahrer und Beifahrer häufig in die Haare: Der eine fährt zu schnell, der andere hat noch nie vom Blinker gehört. Vertragt Ihr Euch?
Schoppel: Wir verbringen auf unseren Reisen viel Zeit miteinander, auch wenn wir nicht in einem Auto sitzen. Wir müssen uns eben miteinander auseinandersetzen. Egal ob es die genaue Planung der Route angeht, was wir einkaufen oder wer an der Grenze die Initiative ergreift.
Langohr: Es ist nicht die erste gemeinsame Reise, jeder hat sein Aufgabenfeld. Ohne Uwe, den Techniker, würde ich nicht mal bis nach Polen kommen. Bei einem Plattfuß sehe ich alt aus.

PZ: Ich bin der Navigator, Logistiker, führe das Internet-Reisetagebuch. Wir ergänzen uns gut, das ist wahrscheinlich unser Erfolgsrezept. Apropos Grenzkontrollen: Lasst ihr etwas bewusst zu Hause?
Schoppel: Wir hatten gerade in afrikanischen Ländern schon das Problem, dass Walkie-Talkies nicht erlaubt waren. Die hat dort nur das Militär. Darauf zu verzichten ist aber schwer, weil wir uns – anders als mit dem Handy – überall über fünf Kilometer Distanz damit verständigen können.
Langohr: Kommunikation ist wichtig. Denn verlieren kann man sich überall, während eines Sandsturms in der Wüste oder im chaotischen Verkehr in Teheran.

PZ: Ihr schlaft im Dachzelt auf den Autos. Ist es vorgekommen, dass jemand seinen Kopf reinstreckt und fragt, was Ihr hier macht?
Schoppel: Nein, das ist noch nie passiert. In der Regel zelten wir wild, stellen die Autos an einigermaßen geschützten Stellen ab. In Afrika war es so, dass sich fast immer Einheimische eingefunden und uns zugeschaut haben. Ob wir gegessen, das Zelt aufgeklappt oder noch einen Ölwechsel gemacht haben, immer ist jemand dagesessen und hat zugeguckt.
Langohr: Manchmal haben wir in Afrika schon schlecht geschlafen. Normalerweise gehen die Leute dort mit Anbruch der Dunkelheit nach Hause, weil es in der Wüste nirgends Licht gibt. Bleibt einer da, was einige Male vorkam, hat er kein Zuhause und es schläft sich schlechter, wenn du weißt, da draußen liegt einer mit einer Machete.

PZ: Macheten dürften in Zentralasien weniger verbreitet sein.
Schoppel: Als ich kürzlich auf einer Outdoor-Messe mit jemandem geredet habe, der durch Sibirien und die Mongolei gefahren ist, erzählte er, dass in den großen Städten viele angetrunken Geld und Zigaretten verlangt hätten.
Langohr: Das ist weltweit die gleiche Geschichte. Im ländlichen Raum erwarten einen kaum Gefahren. Da sind die Leute neugierig, Attacken aber äußert selten.

PZ: Mitte Oktober wollt Ihr zurück sein. Steht die Route von der Türkei aus schon?
Langohr: Das Ende ist noch offen. Vielleicht fahren wir durch das Kosovo und über den Balkan oder über Bulgarien und Rumänien, wo Uwe geboren wurde.
Schoppel: Der Start war eher klar.

PZ: Es sollte nach dem Klosterfest losgehen. Weil wir viel mit Maulbronn verbinden und beim Klosterfest bei unseren Vereinen mithelfen.
Langohr: Direkt nach der Reise bereiten wir Dia-Vorträge für November in der Maulbronner Feuerwache vor.

PZ: Für Euch ist Zentralasien Neuland. Seid Ihr Pioniere?
Schoppel: In manchem abgelegenen Dorf vielleicht. Das weiß man nicht. Nicht jeder hinterlässt überall seine Initialen. Aber die Region ist für Abenteuer-Touristen im Kommen.
Langohr: Wenn ich unsere heutigen Reisen mit den Anfängen vergleiche, hat sich viel verändert. 1989 war ich auf meiner ersten Abenteuer-Reise in Ägypten. 2005 reisten wir wieder rund ums Mittelmeer. Und besuchten Plätze, an denen ich knapp 20 Jahre zuvor schon mal war – es war ein Riesenunterschied. Der Karnak-Tempel ist heute so überlaufen wie Arenen bei einem Fußballspiel, ’89 waren wir praktisch die einzigen Touristen. Mit dem Bus sind wir damals durch die Sinai. Haben uns an irgendeinem Wadi absetzen lassen um Wüste pur zu erleben. Da waren wir mit Schlafsäcken unterwegs, die wir mit Müllsäcken gegen die Kälte isoliert haben. Wir haben den einzigen Busch weit und breit abgefackelt, um die Asche um unsere Schlafsäcke zu verstreuen. Wir hatten gehört, das halte die Skorpione ab. Wir haben gefroren wie die Schneider aber auch keinen einzigen Skorpion gesehen. Heute bereiten wir uns besser vor, haben eine bessere Ausrüstung. Wir fahren nicht mehr so blauäugig in ein Land, sondern informieren uns vorab über Sprache und Kultur.
Schoppel: Ohne Kohletabletten fahre ich nicht los. Die helfen gegen Durchfall und der erwischt einen in Drittweltländern schnell.

19.06.2009
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