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20. Juli 2012

Heimat kurios

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Heimat kurios
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Kreisarchivar Konstantin Huber erklärt Miriam Fuchs die Entstehung der Necknamen. Fotos: Dose/Lutz
Kreisarchivar Konstantin Huber erklärt Miriam Fuchs die Entstehung der Necknamen. Fotos: Dose/Lutz
Kreisarchivar Konstantin Huber erklärt Miriam Fuchs die Entstehung der Necknamen. Fotos: Dose/Lutz
Kreisarchivar Konstantin Huber erklärt Miriam Fuchs die Entstehung der Necknamen. Fotos: Dose/Lutz
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Von Seckeln und Krautscheißern

Enzkreis: Jeder Ort hat sie, aber kaum einer kennt sie mehr: Necknamen, die den Menschen einst von den Bewohnernder Nachbargemeinden verliehen wurden. Die Volontäre der PZ haben sich auf Spurensuche begeben, um zu ergründen, wie es zu den teilweise kuriosen Namen gekommen ist – und stießen dabei auf allerhand interessante Geschichten.

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Ein „Seckel“ und ein „Dieldabb“ gehen gemeinsam auf Tour, um sich auf die Suche nach „Krautscheißern“, „Mondrahäglern“ und „Lubbeln“ zu begeben. Sie verstehen nur Bahnhof? Kein Problem, so ging es uns am Anfang auch, als wir uns mit den Spitznamen beschäftigten, die den Einwohnern der Enzkreis-Städte und Gemeinden anhaften. Doch nach und nach haben wir erkannt, was hinter den teils äußerst kurios anmutenden Necknamen steckt, die in vielen Orten leider nur noch die Älteren kennen und somit drohen, nach und nach in Vergessenheit zu geraten.

Sprachhistorische Perlen

Verschwinden würden in diesem Fall sprachhistorische Perlen wie die bereits oben genannten „Mondrahägler“ und „Dieldabbe“ – „Mondrahägler“ bezeichnet man die Einwohner Iptingens, „Dieldabbe“ werden die Bürger Dürrns genannt. Ihren Ursprung haben die Spitznamen dabei in den allermeisten Fällen von Gegebenheiten, die tatsächlich vorgekommen sind oder zumindest der Legende nach einmal passiert sein sollen. So habe es in Iptingen einmal einen Mann gegeben, der von seinem Haus aus den Mond beobachtete. Nach einiger Zeit hätten Äste eines Baums den Blick auf den Mond teilweise verdeckt und der Mann habe gedacht, der Mond hätte sich in den Ästen verfangen. Daraufhin sei der Iptinger auf den Dorfplatz gerannt und habe seine Mitbürger aufgefordert, den Mond „herunterzuhäkeln“.

Einer, der sich von Berufs wegen mit den Spitznamen und ihrer Entstehung auskennt, ist Kreisarchivar Konstantin Huber. „In Dürrn ist es beispielsweise so, dass es gleich zwei Spitznamen gibt, die auf unterschiedliche Begebenheiten zurückgehen“, erklärt Huber. „Dieldabb“ gehe auf die einst in Dürrn angewandte Technik zurück, den Kleesamen mit Hilfe von Dielenbrettern in den Boden gesät zu haben. „Dodebritscher“ nenne man die Einwohner Dürrns, da die Toten einst ins benachbarte Kieselbronn gebracht werden mussten, weil Dürrn keinen Friedhof hatte. Auf der unebenen Strecke seien die Leichen teilweise gegen den Sarg gestoßen, was dem Fuhrmann Angst eingeflößt hätte. Dieser habe dann mit der Peitsche (Pritsche) nach hinten geschlagen und gerufen „Dod isch dod“.

Die Chroniken schweigen

Sein Wissen bezieht Huber teilweise aus eigenen Gesprächen mit älteren Einwohnern der Ortschaften, aber auch aus einem 1976 erschienenen Aufsatz der inzwischen verstorbenen Heimatforscherin Esther Schmalacker. „In den Ortschroniken findet man zu diesen Themen nichts, schließlich sind die Leute nicht unbedingt stolz auf die Schimpfnamen, die sie von ihren Nachbarn verliehen bekamen“, erklärt Huber.

Entstanden sind die meisten Spitznamen wohl im 19. Jahrhundert, einige jedoch auch wesentlich früher. „Damals war die Ortsgemeinschaft noch wesentlich stärker ausgeprägt als heutzutage“, sagt der 48-jährige Diplomarchivar. „Und daher wurden die Menschen aus den umliegenden Orten auch gerne einmal auf den Arm genommen.“

Die nebenstehende Tabelle versucht, alle bekannten Necknamen für die Bewohner der Orte in der Region aufzuführen. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wir aufgrund der undurchsichtigen Faktenlage allerdings nicht. Sollten Sie weitere Spitznamen kennen, dann schreiben Sie uns anlebenswelten@pz-news.de.

Die Orte der Region und die Necknamen der Einwohner:

Arnbach: d’ Holzwürm, d’ Kirscheschneller, d’ Schdorchedschtupfler

Bauschlott: d’ Grofe

Bieselsberg: d’ Zompfeler

Bilfingen: d’ Mäddich

Birkenfeld: d’ Hogebiere oder

d’ Hochschuler oder d’ Ladeiner

Brötzingen: d’ Kaubasche oder

d’ Schdiefelschbaugser oder d’ Schdocknägel oder d’ Nägelesschdöck

Büchenbronn: d’ Kohlrawe

Conweiler: d’ Gelbfüeßler oder

d’ Langkittel

Dennach: d’ Dannezapfe

Dennjächt: d’ Kuahhändler

Diefenbach: d’ Milchsäule

Dietenhausen: d’ Kirbsehuwer

Dietlingen: d’ Bloärsch

Dillweißenstein: d’ Halbherre oder Gruppenschaicher oder Ratze

Dürrmenz: d’ Schnecke

Dürrn: d’ Dieldabbe oder

d’ Dodebritscher

Eisingen: d’ Scholwehopfer

Ellmendingen: dia Grauße oder d’ Graußköpf oder d’ Dachstüwle

Engelsbrand: d’ Landle

Enzberg: d’ Biebser

Ersingen: d’ Molige oder d’ Kreizkepf

Eutingen: d’ Saunäwel

Feldrennach: d’ Käslaiwle

Freudenstein: d’ Kropfjoggel

Friolzheim: d’ Schbähoke oder

d’ Matzebacher

Göbrichen: d’ Hirsch

Gräfenhausen: d’ Klemmer oder

d’ Schdorcheschdupfler oder

d’ Bandschdombe

Großglattbach: d’ Göggler oder

d’ Gogoge

Grunbach: d’ Kessler oder d’ Zoge

Hamberg: d’ Schnitzhäfe

Heimsheim: d’ Schlegler oder

d’ Krautdorsche

Hohenklingen: d’ Bobbel oder

d’ Kropfkeitel

Hohenwart: d’ Bachel oder

d’ Bietschenkel oder d’ Waldaposchdel

Huchenfeld: d’ Keiwel

Illingen: d’ Schdrohbriggler

Iptingen: d’ Mondrahägler

Ispringen: d’ Russe

Kapfenhardt: d’ Ölmichel, d’ Öldommele

Kieselbronn: d’ Geißeschenner

Knittlingen: d’ Dachtraufschwowe oder d’ Krautscheißer

Königsbach: d’ Hobbele

Langenalb: d’ Grabbe oder d’ Eierkuche

Langenbrand: d’ Schnaiträppler

Lehningen: d’ Guguge

Lienzingen: d’ Schnecke oder

d’ Hommelslauser

Lomersheim: d’ Geißraufe

Maulbronn: d’ Kloschterkätzle

Mönsheim: d’ Buchele

Mühlacker: d’ Hondsbeitel

Mühlhausen/Enz: d’ Mehlscheißer

Mühlhausen/Würm: d’ Bandle

Neuenbürg: d’ Pflaschderscheißer oder d’ Dussemer

Neuhausen: d’ Hau-Hüet

Niebelsbach: d’ Bengelscheißer

Niefern: d’ Klammhoge

Nöttingen: d’ Siebsaicher

Nußbaum: d’ Bachkerb

Oberlengenhardt: d’ Zompfeler

Ölbronn: d’ Kädderle

Öschelbronn: d’ Schmerärsch

Ötisheim: d’ Bachel

Ottenhausen: d’ Ufelöcher

Pfinzweiler: d’ Pfenzer

Pforzheim: Seckel (keine Beleidigung) und Halbseckel (Beleidigung)

Pinache: d’ Schnecke, d’ Barrugele

Salmbach: d’ Ratze

Schellbronn: d’ Bietschelle oder

d’ Waldaposchdel oder d’ Hobbele oder Scherenschleifer

Schmie: d’ Lubbel

Schützingen: d’ Hondleshenker

Schwann: d’ Schwardemageschdupfler

Serres: d’ Heahner

Singen: d’ Bäre oder d’ Bäretreiwer

Stein: d’ Salzwecke

Steinegg: d’ Glubber, d’ Glubberle,

d’ Gluggerle

Sternenfels: d’ Sandhase

Tiefenbronn: d’ Schmellehopfer oder d’ Geber

Waldrennach: d’ Horeb und d’ Krebsler

Weiler: d’ Honigschlecker oder

d’ Reisbreifresser

Wiernsheim: d’ Grabbe

Wilferdingen: d’ Schnokeschießer

Wimsheim: d’ Dannezapfe

Würm: d’ Schnecke

Wurmberg: d’ Schlaiftrög

Zaisersweiher: d’ Guguge. mir

Autor: Miriam Fuchs und Maximilian Lutz

04.08.2012

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Leserkommentare (3)

Mehr Kommentare
1
gwh | 22.07.2012 | 10:54

Der Artikel: " VON SECKELN UND KRAUTSCHEISSERN" verwundert: bei der Recherche zu diesem Thema hätten sowohl die Volontäre der PZ als auch der Kreisarchivar, Herr Konstantin HUBER, auf das Buch: Heinz, G.: MUNDART DER PFORZHEIMER SEGGL, Pforzheim 1984, zurückgreifen können; dort wird auf den Seiten 191-205 ausführlich auf die Necknamen rund um Pforzheim und die der Enzkreis-Nachbarorte eingegangen. Es ist sonderbar, daß Herr HUBER, der sein Necknamenwissen unter anderem aus " eigenen ...... mehr...

2
Jööte | 24.07.2012 | 09:49

Ja, so ist das leider "Aus den Augen, aus dem Sinn!", nur eben irritierend und deprimierend. Geht mir ähnlich! mehr...

3
zombiekiller | 24.07.2012 | 17:57

Da gibt es auch noch die "Keibl" Wer kennt die ? mehr...

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