

Schlapphut auf dem Kopf und Maßband in der Hand – so stapft Rolf Drodofsky um die Cheops-Pyramide in Gizeh. Er will selbst herausfinden, wie groß die „Große Pyramide“ tatsächlich ist. Die Maße braucht der Wurmberger für seine Arbeit, wie er sagt. Andere bezeichnen es eher als Leidenschaft: Seine Liebe zu Ägypten und dessen Jahrtausende alte Geschichte.
Dass Wissenschaftler altertümliche Funde oft nur zu 80 Prozent genau datieren können, stört Drodofsky nicht. Vielmehr lassen sie dem Hobby-Ägyptologen Raum für Spekulationen, eigene Berechnungen und jede Menge Fantasie. „Das macht das Ganze doch so aufregend“, sagt der 48-jährige, für den die Irrungen und Wirrungen der alten Ägypter und ihren Machthabern spannender sind als jeder Krimi.
Immer wieder ergänzt Drodofsky seine Liste mit den Regierungszeiten der Pharaonen handschriftlich. Derzeit lernt er Ägyptisch-Arabisch: „Das ist echtes Kauderwelsch.“ Nebenbei versucht er sich im Hieroglyphenlesen, die alten Schriftzeichen.
Seit seiner Jugend schlage sein Herz für das Land der Mumien und die Mythen um sie herum: „Dabei war Geschichte in der Schule überhaupt nicht mein Ding.“ Nur die alten Ägypter haben es ihm angetan.
Drodofsky hat viel über sie gelesen und lange gespart auf seine erste Reise in den Orient: Vor sechs Jahren war es endlich soweit. Nilkreuzfahrt mit Rundreise – das volle Programm. Seitdem hat ihn das Land nicht mehr losgelassen. Fünfmal waren er und seine Familie bislang in Ägypten – von Alexandria bis zum Assuan-Staudamm, von der Sphinx bis zur Siwa-Oase. „Auf der Sinai-Halbinsel war ich noch nicht, da ist mir das Risiko von Anschlägen zu hoch.“
Aber allein zum Baden ist ihm Ägypten viel zu Schade. Der Wurmberger ist scharf auf die Altertümer: Bei 40 Grad im Schatten steigt er Grabkammern hinab, marschiert durch Ausgrabungsstätten oder besichtigt alte Tempel. Immer abseits des Touristenrummels. Mit seinem Freund und Reiseführer Hussein hat der Wurmberger von den 124 Pyramiden etwa 60 gesehen. Der Mix aus 1001 Nacht, der Ruhe und Herzlichkeit der Einheimischen und der Landschaft, die die Geschichte so lebendig macht – das fasziniert Drodofsky an seinem Traumland.
Der 48-Jährige hat kürzlich am Kepler-Gymnasium Pforzheim und an der Wiernsheimer Grundschule Bilder und einige seiner Ausgrabungsgegenstande gezeigt. Viermal im Jahr richtet Drodofsky in seiner Gaststätte, dem „Adler“ in Wurmberg, einen Stammtisch für Ägypten-Fans aus. „Oft gebe ich Freunden auch kostenlos Tipps für ihre Reise, welche Touren sie machen können, welche Sitten und Gebräuche zu beachten sind“, sagt der Hobby-Ägyptologe. Die Reisenden danken es dem leidenschaftlichen Wasserpfeifen-Raucher mit frischem Tabak und ägyptischem Pfeffer. Der landet dann in der Steaksoße.
Derzeit plant Drodofsky seinen Tripp im kommenden Jahr. Schließlich gibt es wieder neue Funde zu sehen. So sitzt der Hobby-Ägyptologe über seinem Atlas und markiert darin interessante Stellen. Gerne will er Interessierte mitnehmen. Sein allergrößter Traum wäre es aber, irgendwann nach Ägypten auszuwandern. Das sei derzeit finanziell nicht möglich. Der Wurmberger nimmt es leicht: „Ägypten gibt es seit über 5000 Jahren, das läuft mir nicht davon.“



