

Tanja Häcker zahlt 111,50 Euro im Monat, um in 40 Minuten von ihrem Wohnort Karlsruhe zu ihrer Arbeitsstätte in Pforzheim zu fahren. Meistens klappt das mit der Stadtbahnlinie S5 auch relativ gut, obwohl die Redakteurin der Filmproduktionsgesellschaft TV-BW häufige Verspätungen beklagt. In dieser Woche allerdings hat sie sich maßlos über den S-Bahnverkehr geärgert - und 120 Minuten plus eine Taxifahrt benötigt.
Der Grund: Eine Großbaustelle der Deutschen Bahn (DB) in Pfinztal-Söllingen. Das sei ja noch zu verstehen, so Tanja Häcker, nicht aber die mangelhafte Informationspolitik: "An meiner Haltestelle an der BGV in Karlsruhe gab es keinen Hinweis darauf, dass in Söllingen Endstation ist. Und in Söllingen musste man sich erst einmal zurechtfinden, um dem Schienenersatzverkehr auf die Spur zu kommen."
Heftige Kritik an den Bus- und Zugumleitungen übt auch der Verkehrsclub VCD. „Am Montag war der Fahrplan das Papier nicht wert, auf das er gedruckt war“, sagt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb aus Mühlacker. Er habe viele verzweifelte Reisende an den Bahnhöfen angetroffen. „Morgens sind mehrfach hintereinander Stadtbahnen der AVG einfach ausgefallen oder waren rund 30 Minuten verspätet. Mancher Fahrgast von Pforzheim nach Stuttgart verpasste deshalb zweimal den Anschluss und benötigte statt 30 Minuten über zwei Stunden“, so Lieb.
„Viele Züge fahren nicht pünktlich los, weil zum einen die Strecke nur eingleisig befahrbar ist und sich Verspätungen aufschaukeln“, räumt Reinhard Rothfuß als Betriebsleiter der AVG ein. Außerdem hätten die Stadtbahnen im normalen Fahrplan kurze Wendezeiten. In Mühlacker wirke sich das besonders stark aus. Wenn die Züge durch das Nadelöhr bei Söllingen Verspätungen haben, sei die vorgesehene Abfahrtzeit in Mühlacker dann nicht mehr zu erreichen, so Rothfuß. Die AVG habe „bereits nachgebessert und werde erneut aktiv, sollte es nötig sein“, sicherte der Betriebsleiter zu.
Das dürfte Tanja Häcker gerne hören. Als sie nämlich in Söllingen aus dem Zug steigen musste, gab es an der Bushaltestelle gleich die nächste Enttäuschung. "Die S-Bahn kam um 7.52 Uhr an. Auf dem Plan stand, dass der Schienenersatzverkehr um 7.48 Uhr fährt. Der nächste Bus sollte laut Plan aber erst um 11.37 Uhr kommen." Das habe auch bei den anderen Fahrgästen für großen Ärger und große Ratlosigkeit gesorgt. Fragende Gesichter, Schulterzucken, suchende Blicke - in Söllingen konnte selbst der überzeugteste Bahnfahrer den Spaß am öffentlichen Personennahverkehr verlieren.
Nur gut, dass es Handys gibt, dachte sich Tanja Häcker. Rechts und links neben ihr hatten die anderen Wartenden plötzlich auch eine Hand am Ohr - doch sprechen konnte keiner. Die auf dem Plan angegebene Servicenummer war zumindest am Montagmorgen von keinem Mitfahrenden erreichbar. Ans Telefon bekam Tanja Häcker jedoch ein Taxiunternehmen. Mit drei anderen wartenden Frauen teilte sie sich die Fahrt.
Das Chaos ist auch am Dienstagmorgen so weitergegangen. Einige Fahrgäste seien, so Tanja Häcker, zwischen Bushaltestelle und S-Bahnsteig hin und her gerannt, weil jemand einen Zug gehört haben wollte. Ein Fahrgast wurde von seinem Chef mit dem Auto abgeholt. Alle anderen mussten auf den Bus warten und hoffen, dass die Verspätungen nicht zu groß werden würden.
Autor: Ralf Steinert/Thomas Kurtz





Leserkommentare (3)
Mehr KommentareIch kann jedem nur raten, der derzeit irgendwie auf der genannten Strecke auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, mit dem Regionalexpress zu fahren. Der hat zwar auch dann und wann Verspätung, aber dort ist wenigstens klar, dass der Zug durchfährt, und man nicht auf den SEV angewiesen ist. Nichtsdesto trotz finde ich die Informationspolitk von kvv und bahn auch dieses Mal wieder nicht gelungen. Aber so richtig gewundert hat mich das nicht. Freut euch es ist bald wieder vorbei. mehr...
fährt der RE jetzt tatsächlich? ich persönlich wurde aus der informationspolitik nicht schlau lt. bahnauskunft im net ja....lt. aussage anderer informationsquellen hieß es...alles wird via bruchsal umgeleitet = nach einer kleineren odyseee am montag bin ich jetzt für diese woche auch auf mein auto umgestiegen....ist doch deutlich komfortabler.... natürlich muss so eine instandhaltung sein = keine frage ABER...die informationspolitik und die koordination ist schlecht...ungenügend... am montag in ...... mehr...
Die RE fahren, werden laut Bahnmitteilung nur am Wochenende umgeleitet. Bleiben zwar hie und da mal stehen, weil die Strecke nicht freigegeben ist, das hielt sich aber zumindest gestern und heute bei dem kurz nach sechs fahrenden Zug (Niefern 6:07, Pforzheim dann vermutlich etwa 6:15) einigermaßen im Rahmen. Klar, darauf dass man Anschlusszüge erreicht, sollte man besser nicht vertrauen. Aber das gilt ja auf dieser Strecke eigentlich immer... mehr...