
NEUHAUSEN. Kreisbrandmeister Christian Spielvogel stand der Ärger ins Gesicht geschrieben, als er am Dienstagabend das St.-Wolfgangs-Zentrum im Neuhausener Teilort Hamberg verließ.
Wenige Minuten zuvor hatte der Gemeinderat gegen seine Empfehlung und gegen den Vorschlag der Verwaltung mehrheitlich der Anschaffung eines Staffellöschfahrzeugs (StLF) für rund 190000 Euro für die Feuerwehr zugestimmt. Dies, obwohl Spielvogel zuvor ausführlich erläutert hatte, dass zur Abrundung des Fahrzeugbestandes der Neuhausener Gesamtwehr für die Abteilung Hamberg der Kauf eines Löschgruppenfahrzeugs (LF 10) von Vorteil wäre.
Spielvogel, der sich vor der Sitzung sämtliche Fahrzeuge der Feuerwehr angesehen hatte, empfahl den Ratsmitgliedern, das rund 80000 Euro teurere Fahrzeug anzuschaffen. Dieses sei mit Allradantrieb ausgestattet und gewährleiste gerade bei schwierigen Geländeverhältnissen und schlechter Witterung einen schnellen und sicheren Einsatz.
Durch die erhöhte Kapazität des Wassertanks mit bis zu 1200 Litern könnte zudem die Brandbekämpfung besser gestaltet werden. Dritter Vorteil eines LF10 wäre, dass dieses Fahrzeug mit einer dreiteiligen Schiebeleiter ausgestattet sei, die eine Menschenrettung in Höhe von bis zu zwölf Metern erlaube. Die Steckleitern auf den StLF hätten indes nur eine Höhe von acht Metern, der Tank sei mit 600 bis 800 Litern nach seiner Einschätzung zu gering dimensioniert. Spielvogel glaubt zwar nicht, dass sich Neuhausen beim Kauf eines StLF auf einem illegalen Weg befindet , er appellierte aber an die Verantwortlichen, das Fahrzeug nicht nur mit dem Blick auf die gesetzlich minimalst nötige Ausstattung zu kaufen. Diese Mühen waren vergeblich. Auch der Hinweis des Bürgermeisters Oliver Korz, dass ein LF 10 in der 2010 erarbeiteten Feuerwehrkonzeption als sinnvoll ausgewiesen sei, verhallte ungehört
Neben Bürgermeister Oliver Korz hatte nur ein Gemeinderatsmitglied für den Kauf des rund 270000 Euro teuren LF 10 gestimmt. Elf Räte sprachen sich dagegen aus, vier enthielten sich der Stimme. Bei zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen stimmten dann, auf Antrag von CDU-Gemeinderat Sascha Jost, 13 Ratsmitglieder für den Kauf des Staffellöschfahrzeugs, das nach ihrer Einschätzung für die Gewährleistung der Sicherheit vollauf ausreicht.
Laut Spielvogel hat Neuhausen damit möglicherweise die Zuschüsse zum Kauf des Fahrzeugs verspielt. Er werde einen entsprechenden Antrag kritisch prüfen, könne diesem aber kaum zustimmen, wenn die Neuhausener Wehr damit künftig nicht in vollem Maße den formulierten Anforderungen gerecht werde.
Die Ratsmitglieder hatte vor allem gestört, dass der Vorschlag zum Kauf des LF 10 erst am Tag der Entscheidung von Seiten des Kreisbrandmeisters gekommen war, nachdem bislang auch Gesamtkommandant Klaus Buchinger das StLF für ausreichend erachtet hatte. Dieser sagte bei der Sitzung, die Situation möglicherweise falsch eingeschätzt zu haben: „Ich mache das alles ja auch nur ehrenamtlich.“ rec
Autor: rec




Leserkommentare (6)
Mehr KommentareArmes Neuhausen, Kreisbrandmeister Spielvogel, ein ausgewiesener und anerkannter Fachmann spricht eine Empfehlung aus fachlich fundierter Sicht aus welche einfach ignoriert wird. Empfehlung: Wenns brennt bitte bei den Gemeinderäten läuten und diese zur Bildung einer Eimerkette einladen. Ach so ich vergass, die haben das ja dann auch falsch eingeschätzt und machen alles nur ehrenamtlich. Hoffentlich schätzen die Bürger die Lage richtig ein und beugen richtig vor damit sie nicht auf die ...... mehr...
Gar so einfach würde ich mir die Sache aber nicht machen !! Da hält die lokale Feuerwehr, vertreten durch ihren Kommandanten, ein selbst schon komfortables Fahrzeug für 190 000 Euro für ausreichend. Dieses ist sicherlich jahrelang geplant und auch mit dem alten Kreisbrandmeister abgestimmt worden. Nun kommt dort ein "Neuer", fährt in die Gemeinde und fordert umgehend den Kauf einer um 80 000 Euro teureren Variante. Sicherlich grösser, stärker und aus Sicht eines Feuerwehrmannes deshalb auch ...... mehr...
Wenn sich der Kreisbrandmeister die Mühe macht, sämtliche Fahrzeuge der Gesamtwehr zu begutachten und dann das entsprechend notwendige Fahrzeug vorschlägt, kann man, denke ich, nicht von umgehend sprechen. Solche Entscheidungen trifft man nicht in 10 Minuten. Eine Preisdifferenz von 80.000 Euro entsteht bspw. durch ein größeres Fahrgestell (8t StLF vs 14t LF, zusätzlich Allrad), größerer Wassertank, zusätzliche Beladung (Schiebeleiter...). Selbst für einen Feuerwehrmann ist "größer ...... mehr...