




Immer zu Jahresbeginn werden Hundehalter daran erinnert, dass der Besitz ihres Vierbeiners nicht nur schöne Seiten hat: Die Hundesteuer wird mal wieder fällig, zum Jaulen. Und wie jedes Jahr fragen sich Herrchen und Frauchen: Warum werden wir eigentlich zur Kasse gebeten? Blechen fürs Bellen? Gebühren fürs Gassi-Gehen? Oder doch Knete für Kackhaufen? Weit gefehlt: All diese Vermutungen treffen nicht des Pudels Kern.
Immer zu Jahresbeginn werden Hundehalter daran erinnert, dass der Besitz ihres Vierbeiners nicht nur schöne Seiten hat: Die Hundesteuer wird mal wieder fällig, zum Jaulen. Und wie jedes Jahr fragen sich Herrchen und Frauchen: Warum werden wir eigentlich zur Kasse gebeten? Blechen fürs Bellen? Gebühren fürs Gassi-Gehen? Oder doch Knete für Kackhaufen? Weit gefehlt: All diese Vermutungen treffen nicht des Pudels Kern.
Im Prinzip ging es von Anfang an darum, eine stetig sprudelnde Finanzquelle für den Staat zu finden. In Deutschland wurde die Hundesteuer erstmals 1807 in der Stadt Offenbach erhoben. Die Einnahmen – jährlich ein Reichstaler – sollten zur Tilgung städtischer Kriegsschulden beitragen. 1809 folgte Sachsen-Coburg diesem Beispiel – allerdings mit anderer Begründung. Mit der Hundesteuer als Abschreckung sollte die Anzahl der Tiere verringert werden – und damit die Tollwutgefahr. Im Jahr 1810 schließlich führte Friedrich Wilhelm III eine Luxussteuer ein, die für Hunde und Pferde galt. Er meinte: Wer es sich leisten kann, Hunde zu halten, die ja keine Nutztiere sind, der hat auch noch genug Geld für einen Sonderbeitrag an das Staatssäckel übrig. 1829 erhielten dann Städte die offizielle Erlaubnis, Hundesteuer zu erheben. Und das tun sie bis heute.
Deutschlandweit dürfen die Kommunen Steuern auf Bello und Co. erheben, in Baden-Württemberg sind sie sogar dazu verpflichtet, wie Markus Rudisile betont. Der Leiter der Kommunalaufsicht beim Landratsamt weiß jedoch, dass die Gemeinden bei der Festsetzung einen Ermessensspielraum haben. Deshalb werden die Hundehalter im Enzkreis ganz unterschiedlich zur Kasse gebeten. Am günstigsten ist die Hundesteuer in Wimsheim, wo jährlich 48 Euro fällig werden. Genau das Doppelte müssen Hundebesitzer in Neulingen berappen: Mit 96 Euro pro Jahr ist die Gemeinde der Spitzenreiter im Enzkreis.
Nach Ansicht von Neulingens Bürgermeister Michael Schmidt ist diese Höhe „noch vertretbar“. Mit der Hundesteuer, die der Gemeinde jährlich 35000 Euro beschert, solle vor allem die Anzahl der Hunde in Schach gehalten werden – derzeit leben im Ort rund 250 Hunde. Der zweite oder gar dritte Hund kostet deshalb auch mehr. Und für Kampfhunde seien deutlich höhere Steuern fällig, um deren Zahl möglichst gering zu halten. In Wimsheim habe man auch die soziale Funktion des Hundes berücksichtigt, betont Kämmerer Anton Dekreon. „Schließlich wollen wir nicht das alte Mütterlein bestrafen, das einen kleinen Hund hat.“ So begnüge man sich mit der niedrigen Steuer, die für die 120 Wimsheimer Hunde 8000 Euro Einnahmen bringe.
Also: Ganz Deutschland einig Hundesteuerland? Nein, es gibt auch Kommunen, die ganz bewusst auf diese Einnahmequelle verzichten – wenn auch nicht gerade viele. Eines dieser seltenen Exemplare ist Eschborn. In dem 20000-Einwohner-Ort in Hessen hat man die Hundesteuer in den 90er Jahren abgeschafft, wie Ralf Wagner von der Pressestelle des Rathauses berichtet. „Es hat sich einfach nicht gelohnt. Der Verwaltungsaufwand war höher als die Einnahmen“, erzählt er. Außerdem sei die Gemeinde finanziell gut gesattelt: Man könne sich den Verzicht leisten. Die Anzahl der Hunde hat sich seit der Abschaffung übrigens nicht erhöht, ergänzt er. „Wir haben nach wie vor mehr Menschen als Hunde.“
Ein weiteres Hundeparadies war Hörstel in Nordrhein-Westfalen. Viele Jahrzehnte lang konnte man es sich leisten, auf diese Einnahmequelle zu verzichten, so Kämmerer Wilhelm Peters. Vorstöße wurden regelmäßig mit der Begründung abgelehnt, die Hundesteuer sei ungerecht – es gebe ja auch keine Katzensteuer. Aber dann kam die Finanzkrise und mit ihr riesige Löcher im Haushalt. Deshalb wurde im vergangenen Jahr die Hundesteuer auch in Hörstel eingeführt. Die 36 Euro für den Ersthund bringen immerhin 90000 Euro aufs städtische Konto. Inzwischen habe die Gemeinde die Krise überwunden, so Peters. Aber die Hundesteuer werde wohl trotzdem bleiben.
Es hat immer wieder Klagen gegen die Hundesteuer gegeben. Die Beschwerden, dass Katzen- oder Pferdebesitzer schließlich auch nicht zur Kasse gebeten werden, überzeugten die Gerichte aber nicht. Bisher zogen die Gegner immer den Kürzeren. Die Hundesteuer – eine unendliche Geschichte? Das muss nicht sein, wie ein Blick zu unseren Nachbarn zeigt. In Europa haben sich schon zahlreiche Länder von dieser Einnahmequelle verabschiedet. In Dänemark wurde sie schon 1972 abgeschafft, es folgten Frankreich (1979), England (1990) und Schweden (1995). Mittlerweile wurde auch in Belgien, Spanien, Italien, Griechenland, Ungarn und Kroatien die Hundesteuer ersatzlos gestrichen. Über negative Auswirkungen ist nichts bekannt. In Deutschland stehen dagegen andere Überlegungen auf der Tagesordnung. Inzwischen wird in etlichen Kommunen geprüft, ob man eine Katzen- oder Pferdesteuer einführen könnte. Frei nach dem Motto: Geld für den Gaul und Kohle für die Katz.
Autor: Sabine Mayer-Reichard




Leserkommentare (20)
Mehr KommentareIrgendwann wird auch eine Art Wohnwertsteuer erhoben, die sich nach Luftreinheit, Fensterfläche, Internetqualität, Waren- u. Dienstleistungsangebot und Straßennetz errechnet. Hoffentlich habe ich da keinen Schreibtischtäter auf dumme Gedanken gebracht. :-))) mehr...
Auch hier gilt wieder einmal der alte Spruch "Typisch deutsch". Egal auf welcher politischen Ebene gibt es nur noch drei Überlegungen: 1) Wie können wir den Bürgern noch mehr Geld aus der Tasche ziehen 2) Was können wir noch verbieten 3) Wie können wir dies unter den Begriffen "Bürgernähe" und "alternativlos" verkaufen. mehr...
Wenn für Hunde Steuern bezahlt werden müssen, müßte dann nicht auch für jedes Reitpferd Steuern velangt werden?? ! Ein Reitpferd ist zudem eher ein gewisser Luxus als ein Hund. Prerde scheißen noch größere Haufen in die Landschaft/auf Wege als Hunde! Zudem werden durch Reitpferde die benutzten öffentlichen Wege zumindest teilweise doch erheblich beschädigt. Die verschissenen Wege fallen der Allgemeinheit zur Last. Auch die Kosten für die Beseitigung der Beschädigungen an den Wegen fallen der ...... mehr...