

BIRKENFELD/PFORZHEIM. Das Video einer nachgestellten Geiselerschießung, mutmaßlich in Birkenfeld gedreht, steht seit eineinhalb Jahren auf der Internet-Plattform „YouTube“. Jetzt beschäftigt der Film die Polizei.
Die jungen Filmer haben ihren 27-Sekunden-Clip selbst als „Comedy“ eingestuft, als sie ihn im April 2007 auf „YouTube“ veröffentlichten. Ihr Publikum haut ihnen das um die Ohren. Denn zu sehen sind zwei als Terroristen verkleidete junge Leute, die einem Jugendlichen Waffen an die Schläfe halten. Auf der Tonspur ist nur unartikulierter Jubel-Lärm zu hören. Irgendwann drücken die Vermummten ab, die Spielzeugmaschinenpistolen knattern und das grinsende vorgebliche Opfer sinkt nach vorn. Zum Abschluss hält ein Vermummter seine MP ins Objektiv und feuert aufs Publikum.
Ein Zuseher war so schockiert, dass er jetzt die Polizei eingeschaltet hat. Wie Polizeisprecher Wolfgang Schick sagt, hat der Posten Birkenfeld Ermittlungen aufgenommen. Denn bei dem Video könnte es sich nach Einschätzung Schicks um eine Straftat im Sinne des Paragrafen 131 des Strafgesetzbuchs handeln. Darin geht es um den Schutz vor verherrlichenden oder verharmlosenden Gewaltdarstellungen, um den Schutz des öffentlichen Friedens, der Menschenwürde, der körperlichen Unversehrtheit und um den Jugendschutz. Die Kommentare, die Nutzer der Video-Plattform zu dem Clip ins Netz gestellt haben, sind eindeutig. „Habt ihr nicht von euren Eltern gelernt, dass man über so was keine Witze macht?“, empört sich einer. Der Zorn über das Video führt in einigen Fällen zu heftigen Beleidigungen der Hobby-Filmer.
Zwei Betrachter schreiben auch über ihre Sorge um den Ruf Birkenfelds. Nur ein Internetnutzer scheint aus anderen Gründen enttäuscht zu sein und schreibt: „Mann, da ist ja mein Ego-Shooter besser“. Gewaltdarstellungen im Internet, oft aufgenommen mit Handys, beschäftigen die Polizeidirektion Pforzheim immer wieder, meint Wolfgang Schick. Allerdings müsse in jedem Fall geprüft werden, was strafwürdig sei und was nicht. Auswüchse seien „sehr selten“.
Der Polizeisprecher geht aber von einer Dunkelziffer aus: „Nicht immer kommt es zur Anzeige“, sagt er. Allerdings meint er auch, dass ein Durchgreifen der Ermittlungsbehörden in harten Fällen vorbeugen kann. „Das wirkt auf andere“, so Schick.
Autor: alexander heilemann



