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Still wacht der Gründer über die Rhododendren: Eine Statue des vor einigen Jahren verstorbenen Friedbert Jansen ziert den Park. Foto: Ries
Still wacht der Gründer über die Rhododendren: Eine Statue des vor einigen Jahren verstorbenen Friedbert Jansen ziert den Park. Foto: Ries
19.05.2017

Blütezeit der Riesengewächse

Zwischen Langensteinbach und Ittersbach ist derzeit ein kunterbuntes wie faszinierendes Spektakel zu sehen. Der einmalig schöne Rhododendronpark der Familie Jansen steht in voller Blüte. „Heimatstark“ war dort.

Fans von besonderen Ziergehölzen mit überreicher Blüte eilen Jahr für Jahr zwischen Anfang Mai und Mitte Juni nach Karlsbad, um sich im Park von Familie Jansen das Rhododendron-Blütenwunder anzusehen. Wo sonst, außer in der Stuttgarter Wilhelma, dem Blühenden Barock in Ludwigsburg oder der Insel Mainau, bekommen sie bis zu vier Meter hohe, dichte Pflanzen in dieser Vielfalt zu sehen. „Wir haben hier über 100 Sorten angebaut“, verrät Waltraud Jansen stolz. Sie hat den Park in den 1970er-Jahren zusammen mit ihrem Mann Friedbert ins Leben gerufen.

Die Geschichte, die hinter diesem zwölf Hektar großen, farbenreichen Paradies steckt, erzählt sie im angegliederten Café. Der Park sei aus einer Not heraus entstanden. „Auf unserem alten Gelände mit der 1957 gegründeten Baumschule reichte das Wasser nicht mehr aus“, erinnert sich Waltraud Jansen. Es blieb den Eheleuten nichts anderes übrig, als sich um eine neue Fläche für ihren Gartenbetrieb zu bemühen. Der neue Standort war eine Feuchtwiese, die musste zunächst durch Drainagen entwässert werden. Zurück blieb ein saurer Boden. „Der war anfangs aber zu fest“, erinnert sich Waltraud Jansen. Doch ihr Mann Friedbert, der ein großer Fan der Rhododendren gewesen sei und sich unbedingt einen eigenen Park anlegen wollte, ließ nichts unversucht und brachte zunächst großflächig Baumrinde zur Bodenlockerung aus. Kurz darauf setzte er die ersten Rhododendren. Dann stellten Jansens fest, dass die Pflanzen gelb wurden. „Ein Zeichen, dass Stickstoff fehlt“, weiß Waltraud Jansen heute: „Die Rinde verbrauchte zu viel davon, da blieb nichts mehr für die Pflanzen übrig.“ Mit dem fortschreitenden Zerfall der Baumrinde verbesserte sich das Bodenklima von selbst. Das zusätzliche Einbringen von Torf war nicht mehr nötig. Fortan wuchs der Park. Immer neue Sorten fanden eine Heimat und fühlen sich noch heute sehr wohl im halbschattigen Gelände, in dem auch Kiefern, Eiben, Tannen und Zypressen wachsen. „Ein Großteil der besonders großen Pflanzen ist aus den 1970er-Jahren, den Anfangsjahren“, bestätigt Waltraud Jansen und marschiert mitten in die blühende Farbexplosion, um ihre Lieblingssorte zu zeigen. Bei einem besonders schmucken Exemplar von Furnivall’s Daughter, einem Rhododendron mit kräftig-großer, hellrosa Blüte mit weinrotem Auge, macht sie halt. Hier tummeln sich Wildbienen und Hummeln, ein Eichhörnchen huscht auf den nächsten Baum.

Nebenbei erklärt sie, dass so ein Park über das Jahr viel Arbeit mache und gepflegt werden müsse. Zwischenzeitlich packt Sohn Ralf samt Familie mit an. „Im Frühjahr bringen wir die rund vier Kilometer Graswege, die durch das Gelände führen, in Ordnung. Da halten sich im Winter manchmal die Wildschweine auf“, erzählt Waltraud Jansen. Gleich nach der Blüte, die je nach Sorte von Anfang Mai bis Mitte Juni andauert, erfolge der Pflanzenrückschnitt: „Das ist wichtig, damit die Pflanzen von unten her gesund bleiben.“ Den Sommer über kommt die Sense zum Ausmähen zum Einsatz. Damit der farbenprächtige Park auch außerhalb der Rhododendronblüte etwas hermacht, pflanzen Jansens fortlaufend weitere Ziergehölze wie Flieder, duftende gelbe Azaleen, Magnolien, Hortensien und Forsythien sowie allerlei Stauden auf die noch freien Flächen. Der Park wächst so immer weiter. Und vielleicht, plaudert Waltraud Jansen aus, kommt eines Tages noch ein Rosengarten hinzu. „Der Hügel ist schon angelegt“, setzt sie schmunzelnd nach und zeigt in Richtung des kleinen angelegten Sees gleich gegenüber dem Café. Und ihr Mann wacht still über alles: Friedbert Jansen ist vor einigen Jahren verstorben, aber trotzdem ist er noch immer anwesend. Eine Skulptur zeigt ihn auf den Spaten gestützt vor seinem Anwesen.

Der Eintritt in den Rhododendronpark Jansen (Taubenbrunnwiesen 1, Karlsbad) kostet 2,50 Euro. Es ist ein großer Parkplatz eingerichtet. Kaffee und Kuchen gibt es im Mai im Café. Die Öffnungszeiten zur Blütezeit sind von Montag bis Samstag 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

An den Karlsbader Rhododendrontagen an diesem Wochenende, 20. und 21. Mai, findet ergänzend ein Rahmenprogramm in Marktatmosphäre statt.