

ENGELSBRAND. „Was wird aus uns, wenn das Schwellenland China die Schwelle überschritten hat?“ Diese bange Frage stellt sich die westliche Welt nicht erst seit gestern. Der Engelsbrander Jürgen Jungnickel hat sie als Untertitel gewählt für sein zweites Buch, das jetzt mit dem Titel „Geheimnisvolles China“ erschienen ist.
Jungnickel ist mit der Denkweise der Chinesen aus eigenem Erleben vertraut. Er wurde 1940 im Nordosten Chinas geboren und hat seine Kindheit dort verbracht. 1945 kamen dann die Sowjets ins Land, die Familie musste sich als Gefangene der Roten Armee unter bescheidensten Verhältnissen durchs Leben schlagen. Jungnickel sagt von sich, in dieser Zeit habe er die Mentalität der Chinesen angenommen, als er mit seinen chinesischen Freunden durch die Gassen der Hafenstadt Dalian zog. Erst im Alter von zehn Jahren kehrte die Familie über abenteuerliche Wege nach Deutschland zurück. Als erfolgreicher Geschäftsmann bereiste Jungnickel auch während seines Berufslebens immer wieder den ostasiatischen Raum.
Ein Besuch in seiner Geburtsstadt Dalian bewegte Jungnickel dazu, seine Biografie niederzuschreiben, die 2008 erschienen ist. Jetzt setzt er sich mit dem Verhältnis zwischen Deutschland und China auseinander, will dabei aber den Versuch unternehmen, dies aus der Sichtweise der Chinesen zu tun. Und so macht Jungnickel von vornherein klar, dass die Vorstellungen der Chinesen von Recht und Freiheit nicht denjenigen von Europäern entsprechen. Er geht der Frage nach, ob die abendländischen Wertevorstellungen die einzig richtigen sein müssen und wieviel Toleranz im Umgang mit anderen Kulturen angebracht erscheint. Jungnickels Argumentationen geraten dabei auch zur kritischen Bestandsaufnahme und Abrechnung mit dem Zustand von Politik und Gesellschaft in Deutschland und der westlichen Welt. Die Rückschlüsse muss man sicher nicht teilen, sind es aber wert, sich damit offen auseinanderzusetzen. erl/pm
Jürgen Jungnickel, „Geheimnisvolles China“, Verlag des Biografiezentrums, ISBN 978-3-940210-45-6



