

Manchmal funktioniert Glück anders als man es sich gemeinhin vorstellt. Das erfuhren diejenigen, die Claudia Schreibers Lesung aus ihrem Buch „Emmas Glück“ im Lesesaal des Schömberger Kurhauses in gemütlicher Runde lauschten.
Saukomisch und deftig, bizarr, schonungslos genau, traurig und weise. So lässt sich die Liebesgeschichte, die ganz anders endet als erwartet, vielleicht am ehesten in aller Kürze beschreiben. Und so lernten die Zuhörer auch das Buch und seine Hauptfiguren kennen: Da ist Emma, die gerne feuchte Erde unter den nackten Füßen spürt, ihre Schweine liebt und sie trotzdem schlachtet und mit milchverkleckertem Nachthemd den Räumungsbescheid für ihren Bauernhof vom Dorfpolizisten entgegennimmt. Und da gibt es Max, der sich bis zu r Krebsdiagnose nicht wirklich getraut hat, zu leben, und den schon der Glanz einer polierten Türklinke glücklich macht.
Claudia Schreiber griff sich zentrale Szenen aus dem 2003 erschienen Buch heraus und ließ die Besucher so mit der Geschichte vertraut, ja regelrecht per Du werden. Die gebürtige Nordhessin sparte auch bei Nebenbemerkungen, Anekdoten und Erklärungen zum Buch nicht mit ihrem ganz eigenen Humor und ihrem unverstellten Blick auf das pralle Leben. Aber auch feine Zwischentöne mussten die Besucher nicht missen. Mundwinkel kräuselndes Vergnügen, Ekel und atemloses Erschrecken zeichneten die gelesenen Kapitel in die Besuchergesichter. Und der Wechsel von Traurigkeit in ein vorsichtiges Begreifen der etwas anderen Sicht aufs Glück, als Claudia Schreiber entgegen ihren sonstigen Gepflogenheiten das Ende des Buches las.
Bereitwillig und humorvoll beantwortete sie Fragen zum wahren Anteil an dem Roman und warum sie ein Buch ohne ein typisches Happy End geschrieben hat.
Mit einem Kapitel aus ihrem Buch „Moskau ist anders“ und einem Appetithappen aus dem ebenfalls während der Glückswoche präsentierten Buch „Oben Himmel, unten Gras“ klang der Abend nach reichlich Applaus bei angeregten Gesprächen aus. Viola Krauss



