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04.12.2009

Einbruchsopfer: Mühsamer Weg zurück zur Normalität

Es ist dieser unbändige, abgrundtiefe Hass. Diese aufgestaute Wut, ganz tief in ihr drin. Und die Angst, die sie manchmal überfällt. Wenn sie ein Schauer überkommt und ihr regelrecht schlecht wird. Diese Gefühle wird die 42-jährige Christa (Name geändert) einfach nicht mehr los, seit vor einem Jahr in das Haus der Familie eingebrochen wurde. Seit die Täter jeden einzelnen Raum, jeden Schrank, jede Schublade durchwühlt haben.

„Diese Veränderungen sind das Allerschlimmste. Man wird da zu etwas gedrängt, was man gar nicht ist – und man ist machtlos dagegen“, erzählt sie und spricht von ihren Rachegelüsten, von den verzweifelten Bemühungen, mehr Sicherheit zu schaffen und dem mühsamen Weg zurück in die Normalität.

„Es sah wüst aus“

An den Einbruch erinnert sie sich, als wäre es gestern gewesen. Sie war mit ihrem Mann und den drei Kindern übers Wochenende weggefahren. Auf dem Heimweg erreichte sie die Hiobsbotschaft der Polizei: In ihr Haus sei eingebrochen worden, genauso wie in zwei weitere Häuser in direkter Nachbarschaft. Christa und ihre Familie leben im Neubaugebiet einer Enzkreis-Gemeinde, in einer ruhigen Straße am Ortsrand. Der erste Eindruck, der sich ihr im Haus bot, war verheerend. Die Täter hatten alle Orchideen von der Fensterbank gefegt, Scherben und Erde übersäten den Boden. Alles war durchwühlt: „Es sah wüst aus.“ Allerdings zog sich die Spur der Verwüstung nur bis in eine Höhe von 1,50 Meter. Deshalb geht die Polizei davon aus, dass es sich um Kinder handelte. Die erwachsenen Täter hatten vermutlich das Fenster aufgehebelt und warteten dann vor dem Haus.

Ihre Beute: Schmuck und Bargeld. Besonders der Verlust der Schmuckstücke ist für Christa nur schwer zu verschmerzen. „Es waren Erinnerungsstücke dabei, die einem niemand ersetzen kann.“ Zum Beispiel die Verlobungsringe, oder der Diamantring zur Geburt der Söhne, oder der Taufring der Tochter. Noch heute kommt es vor, dass sie ein Kostüm anzieht und nach dem Schmuck greifen will, den sie immer dazu getragen hat. „Und dann fällt mir ein: Ach, das ist ja auch weg. Man wird immer wieder damit konfrontiert und kann gar nicht zur Ruhe kommen.“

Besonders in der ersten Zeit nach dem Einbruch war das vollkommen unmöglich. Sie war unentwegt damit beschäftigt, das Haus zu putzen und die gesamte Wäsche zu waschen. Alles, was mit den Eindringlingen in Berührung gekommen sein könnte, wurde penibel gereinigt. Handwerker reparierten die Schäden – und danach wurde Christa nur noch von einem Gedanken beherrscht: Sie wollte das Haus sicherer machen. Denn die Hausfrau hatte Angst. Wenn morgens der Mann zur Arbeit und die Kinder in die Schule aufgebrochen waren, blieb sie allein zurück. Und schon das Öffnen der Fenster, um die Zimmer zu lüften, wurde zur Nervenprobe.

Also holte sie sich Ratschläge von Sicherheitsexperten und Handwerkern. Nach und nach wurden die Rollläden einbruchsicher gemacht, auf dem Grundstück höhere Zäune und Türen eingebaut und ein Gitter vor das Souterrain-Fenster gesetzt. Am liebsten hätte sie den Zaun um das Grundstück unter Starkstrom gesetzt. „Damit keiner mehr ungestraft hier reinkommen kann.“

Ihr Nervenkostüm wurde sehr dünn in dieser Zeit. Bei einer eigentlich harmlosen Auseinandersetzung im Verein brach sie plötzlich in Tränen aus. „Man muss aufpassen, sich nicht zerfressen zu lassen.“ Deshalb ist sie froh, dass ihr Mann und die Kinder „nicht so hysterisch wie ich“ auf das Geschehen reagiert haben. Sie arbeitet an sich, die unangenehmen Gefühle endgültig hinter sich zu lassen. Das gelingt ihr immer öfter. Aber es reicht schon eine Meldung über einen Einbruch und sie sind wieder da: Die Wut, die Angst und dieser unbändige Hass.