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Symbolbild: dpa
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17.04.2017

GEW befürchtet Kürzung bei Klassen für Flüchtlinge

Enzkreis/Pforzheim. Flüchtlinge sollen rasch die deutsche Sprache lernen – das versuchen die Behörden mit Angeboten in Kindertagesstätten als Überbrückung bis zur Grundschule, Vorbereitungsklassen in Bildungseinrichtungen und Integrationsmanagern, wie die PZ berichtete.

Im Bereich des Schulamts für Pforzheim, den Enzkreis und den Landkreis Calw gebe es 151 Vorbereitungsklassen (VKL), so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Pforzheim-Enzkreis. „Doch diese VKL–Klassen werden eine einschneidende Änderung in der Stundenzuweisung im neuen Schuljahr erfahren“, sagt Joachim Eichhorn, Mitglied des Kreisvorstandsteams der GEW, zugleich Rektor der Nieferner Grund- und Werkrealschule.

„Bei den Vorbereitungsklassen wird es im kommenden Schuljahr in der Grundschulstufe nur noch 14 statt 18 Lehrerstunden (zwölf Stunden Deutsch und zwei Stunden Demokratieerziehung) und danach in der Sekundarstufe nur 16 statt 25 Stunden (14 Stunden Deutsch und zwei Stunden Demokratieerziehung) geben, so Eichhorn. „Das empfinden wir als eine Kürzung zulasten der Schwachen, auch wenn das Kultusministerium behauptet, dass die restlichen Stunden in einen Pool des Schulamtes fließen würden, den dieses dann verteilen dürfe, kritisiert Eichhorn.

Auch Regelklassen betroffen

Über weitere Verteilungskriterien sei aber noch nichts bekannt. Beim zu erwartenden Lehrermangel in allen Bereichen sei die Versuchung wohl da, aufreißende Löcher zum Beispiel in der Grundversorgung mit diesen Poolstunden zu stopfen, so die Bildungsgewerkschaft. „Flüchtlinge haben eine sehr kleine Lobby“, sagt Eichhorn – „die notwendige Förderung wird somit durch die Hintertüre gekürzt.“ Leidtragende seien aber nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch „die Regelklassen, in denen die nicht geförderten Kinder ab dem kommenden Schuljahr nun mehr Zeit verbringen werden“. Die GEW Pforzheim-Enzkreis werde die Zahl der auf die Vorbereitungsklassen real verteilten Lehrerstunden kritisch beobachten.

Je zwei Deutschstunden in Demokratieerziehung umzuwandeln, hält die GEW für überflüssig. „Das stellt alle Flüchtlingskinder unter den Verdacht, dass hier Defizite da wären.“ Demokratieverständnis sei aber in jedem Unterricht Pflichtaufgabe. Sinnvoller für eine Integration der Kinder wäre vielmehr die Einführung eines allgemeinen Ethikunterrichts ab der Klasse 1 – „aber der kommt trotz anderslautender Versprechungen der Landesregierung wohl nicht“, ärgert sich Eichhorn.