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Das rechtsmedizinische Institut des Universitätsklinikums Heidelberg: Hinter diesen Mauern wurde die 33-jährige Frau obduziert. © Foto: PZ-Archiv, Dorn
Der Angeklagte (rechts) gestand die Tat. © Krivec
19.10.2016

Grunbacher Totschlagprozess: Massive Gewalt führte zum Tod

Karlsruhe/Engelsbrand-Grunbach. Zum Auftakt im Grunbacher Totschlagprozess vor zwei Wochen hat der heute 33-jährige Angeklagte dem Schwurgericht des Landgerichts Karlsruhe detaillierte Einblicke gegeben: Vor allem, wie es Anfang April zu dem Streit mit seiner Verlobten gekommen sei, die laut Anklage durch Schläge des Mannes an inneren Verletzungen gestorben ist. Am zweiten Prozesstag am Mittwoch gab es mehr Details aus dem Beziehungsleben der beiden und die Gefühlswelt des geständigen Mannes nach der Tat und vor seinem versuchten Selbstmord. Zudem hat die Rechtsmedizin ihre Obduktionsergebnisse offengelegt. Mit einem eindeutigen Ergebnis: Für die Verletzung, die zum Tod der Frau geführt hat, hätte der Mann stark zuschlagen müssen.

Bildergalerie: Prozessauftakt: Tötungsdelikt in Grunbach

Der Angeklagte (rechts) gestand die Tat.

Es seien zwar keine offenen Wunden an dem Leichnam festgestellt worden, schildert die Rechtsmedizinerin vor dem Schwurgericht, allerdings habe die Frau zahlreiche innere Blutungen am kompletten Körper gehabt.

Besonders schwer seien diese an der Leber und im Halsbereich gewesen, wo ein Bruch des Zungenbeinastes festgestellt wurde. Laut der Rechtsmedizinerin gilt jedoch ein Abriss des linken Leberlappens als Todesursache. „Damit so etwas passiert, ist massive Gewalt nötig.“ Der Expertin sind Fälle mit derselben Verletzung kaum bekannt. Chirurgen hätten damit alle ein bis zwei Jahre zu tun. Ursachen seien Verkehrsunfälle oder etwa ein Tritt eines Pferds in den Brustbereich.

Auf Nachfrage des Gerichts wollte die Sachverständige jedoch auch nicht ausschließen, dass eine Kombination zum Tod der Frau geführt habe. Der Angeklagte hatte in seiner Vernehmung angegeben, seine damalige Verlobte in der Tatnacht gegen eine Kommode geschleudert zu haben, woraufhin sie gegen das Bett gestoßen sei und sich anschließend vor Schmerzen gekrümmt habe. Nachdem er kurze Zeit später festgestellt habe, dass die 33-Jährige nicht mehr atme, soll er vergeblich versucht haben, sie eine halbe Stunde lang zu reanimieren.

„Dass die Leber durch den Sturz derart massiv verletzt wird, ist unwahrscheinlich“, so die Rechtsmedizinerin. „Vielleicht hat sich eine dadurch entstandene kleinere Verletzung durch die Reanimationsversuche aber verschlimmert.“ Dies setze jedoch auch voraus, dass der Angeklagte die Herz-Lungen-Massage zu tief durchgeführt habe.

Zwischen Liebe und Trennung

Zuvor hatte das Gericht um den Vorsitzenden Richter Leonhard Schmidt den Nachrichtenverkehr des Paares kurz vor der Tat und den Abschiedsbrief des Angeklagten verlesen. In den Kurzmitteilungen war abwechselnd von Liebe, Stress und Trennung die Rede. Die letzte Nachricht von ihr an ihn, am Abend vor der Tat: „Ich liebe dich.“

Stunden später verfasst der heute 33-Jährige vor seinem gescheiterten Selbstmord einen Brief: „Ich wollte das nicht. Aus Liebe ist so etwas passiert. Ich wollte nicht gehen, ohne die Wahrheit zu sagen.“ Fünf Tage später findet die Polizei den Mann schwer verletzt neben der toten Frau im gemeinsamen Haus.

Der Prozess wird am Dienstag, 25. Oktober, um 9 Uhr am Landgericht Karlsruhe fortgesetzt. An diesem Tag wird auch das Urteil erwartet.

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