
HEIMSHEIM. Tempo 30 gibt es in Heimsheim von April bis November, wenn der Umleitungsverkehr von der A 8 durch den Ort rollt. Den Wunsch, die Beschränkung dauerhaft einzurichten, hat das Land jedoch abgelehnt.
Die Stadt Heimsheim regte eine dauerhafte Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit statt der erlaubten 50 Kilometer pro Stunde auf höchstens 30 oder 40 Sachen an, nachdem auf der Durchgangsstraße ein neunjähriger Schüler der Ludwig-Uhland-Schule schwer verletzt worden war. Der Junge wollte an einem Fußgängerüberweg die Mönsheimer Straße überqueren. Ein Autofahrer, der seine vereiste Frontscheibe nicht richtig freigemacht hatte, erfasste den Schüler. Die neue Verkehrsministerin Tanja Gönner lehnte allerdings den Wunsch der Gemeinde ab, die Höchstgeschwindigkeit zu senken.
Zwei Fußgängerampeln, eine an der Pforzheimer Straße, die andere am See beim Überweg zur Schule, sowie eine Fußgängerinsel auf der Mönsheimer Straße erlaubten es den Schülern, sicher zur Schule zu kommen, schrieb Gönner dem FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Auch auf der Pforzheimer Straße gebe es Überwege für Fußgänger, so die Ministerin.
Landtagsabgeordneter Rülke ist enttäuscht, dass die Verkehrsministerin dem Heimsheimer Wunsch nicht gefolgt ist. Da bis zum November die Friolzheimer Ortsdurchfahrt während des Ausbaus der Autobahn dicht ist und zahlreiche Autofahrer während dieser Zeit auf der Umleitungsstrecke durch Heimsheim eh mit höchstens 30 Sachen unterwegs sein dürfen, hätte das Land die Erfahrungen als „Testfall betrachten können“, sagt Rülke. Er will sich trotz Tanja Gönners Ablehnung dafür einsetzen, am Ende des Jahres „eine zweite Bewertung vorzunehmen, ob sich nicht doch Tempo 30 bewähren wird.“ Rülke unterstützt auch die Gemeinde Keltern sowie eine örtliche Interessengemeinschaft, die in den Ortsteilen Dietlingen und Ellmendingen Tempo 30 anstreben. In Heimsheim setzt sich auch die Initiative für Kinder und Jugendliche (IKJ) für sichere Schul- und Kindergartenwege ein. Wie der Testbetrieb unter Tempo 30 ablaufen kann, weiß Bürgermeister Uwe Rupp ganz genau: „Die Stadt und die Verkehrsbehörden könnten über mehrere Monate den Durchgangsverkehr unter die Lupe nehmen.“ „Und wir könnten zudem Autofahrer und Fußgänger regelmäßig befragen“, sagt Rupp. „Am Ende hätten wir dann wirklich belastbare Erfahrungswerte auf dem Tisch“, so der Rathauschef.
Tempo 30 trage zunächst einmal dem erhöhten Verkehrsaufkommen in der Umleitungsphase Rechnung, argumentiert das Landesministerium. Die Verkehrsbehörden rechnen damit, dass viele Autofahrer Wartezeiten an der einspurigen und mit einer Ampel gesteuerten Behelfsbrücke am Friolzheimer Wohngebiet „Geissberg“ meiden und eher den Weg über Heimsheim nehmen werden. Außerdem müssen Fahrer von Lkw über 7,5 Tonnen nach Heimsheim und die Umleitung bei den Einkaufsmärkten hoch zum Betzenbuckel und weiter nach Friolzheim nehmen. Die langsame Fahrt mit höchstens 30 Sachen „wehrt in dieser Phase Gefahren für Schüler ab“, sagt Ministerin Gönner. Da auf der Mönsheimer Straße zudem das Halten eingeschränkt wird, wolle das Land mit der befristeten Geschwindigkeitsreduzierung verhindern, dass „sich Kraftfahrer zu erhöhtem Tempo verleiten lassen“. Die gesetzlichen Möglichkeiten erlaubten es indes nicht, nach der Umleitung Tempo 30 beizubehalten.
Autor: PZ-MITARBEITER RALF STEINERT



