

KELTERN-DIETLINGEN. Mit einer spannenden Gesprächsrunde haben einmal mehr die Macher vom Kelterner Forum überrascht: Dem Thema „FAIRgabe“ statt „Geiz ist geil“ stellten sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kirche.
Eigentlich sollten „Soziale und ökologische Kriterien bei der öffentlichen Auftragsvergabe“ im Mittelpunkt des Podiumsgesprächs im katholischen Gemeindehaus in Dietlingen stehen. Doch schnell zeigte sich, dass das Thema viel komplexer als gedacht ist, da mehr die Herkunft von Leistungen und Produkten hinterfragt werden muss.
Ausreichend Diskussionsstoff bietet allein schon die neue „Verwaltungsvorschrift der Ministerien zur Vermeidung des Erwerbs von Produkten aus Kinderarbeit bei der Vergabe öffentlicher Aufträge“, die Festlegungen in Sachen Menschenrechte und Umweltschutz enthält. „Der Verbraucher hat eine größere Macht als die Politik“, gesteht der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum ein, ist aber überzeugt, dass die Bürger diese Möglichkeit noch nicht ausreichend zu nutzen wissen. „Deshalb ist die Politik verpflichtet, die Rahmenbedingungen zu schaffen“, mahnt Uwe Kleinert vom Netzwerk CorA an, das sich für einen fairen Handel engagiert. Mittlerweile gäbe es zwar eine Vielzahl von europaweit ratifizierten Gesetzen, trotzdem werden, so Kleinert, nach wie vor Produkte importiert, die nicht den Vorgaben entsprechen. „Es ist uns gar nicht möglich, nur fair hergestellte Erzeugnisse zu kaufen, da sie gar nicht zur Verfügung stehen“, so Uwe Kleinert mit Blick auf Bekleidung, Kinderspielzeug oder Kaffee.
„Wie soll ich ermitteln, aus welchem Bergwerk das Material für unsere Gehäuse kommt?“, hinterfragt Erich Franke. Schon heute investiert der Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens Afusoft eine Reihe von Fördermitteln, um das Tun und die Produkte seiner Lieferanten nachvollziehen zu können. „Aber in Korea hören die Kontrollmöglichkeiten auf“, so Erich Franke.
Mit dieser Problematik ist auch Bürgermeister Ulrich Pfeifer befasst. Zwar ermöglichen die modifizierten Schwellenwerte den Kommunen einen größeren Spielraum bei der Auftragsvergabe, da die Arbeiten nicht mehr zwingend an den billigsten Anbieter zu vergeben sind. „Aber kann ich meinem örtlichen Unternehmer abverlangen, den Herkunftsnachweis für den Urnengrabfeld-Granit zu erbringen?“. Auch bei den geplanten Photovoltaikanlagen blieben viele Fragen nach der Herkunft der Materialien unbeantwortet.
Das Kelterner Forum wird getragen von der Evangelischen Kirchengemeinde Dietlingen, dem Evangelischen Kirchengemeindeverband Ellmendingen/Dietenhausen/Weiler und der Katholischen Kirchengemeinde Keltern.
Autor: michael block



