


Erst mal kräftig schütteln, so richtig mit Schmackes – und siehe an: Die Flüssigkeit in der Flasche, die Rafael Merkle in der Hand hält, wird ganz langsam blau. Kurz zuvor war sie noch farblos. „Das liegt an den zehn Tropfen Methylenblau in der Lösung, die sich mit dem Sauerstoff in der Flasche verfärben“, sagt der Elfjährige. Er muss es wissen: Der Sechstklässler ist Mitglied der Chemie-AG am Gymnasium Neuenbürg und hat mit seinem Klassenkamerad Nicolas Hellebrand in seiner Altersklasse den ersten Preis beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in Altensteig gewonnen.
Ihr Versuch hat bewiesen, bei welchen Temperaturen chemische Reaktionen mit am besten funktionieren. Denn bei dem blauen Wunder in der Flasche bleibt es nicht: Je wärmer die Flüssigkeit ist, desto schneller verflüchtigt sich die Farbe wieder. „Bei kaltem Wasser hat es bis zu 20 Minuten gedauert, bei warmem Wasser war die Farbe ratzfatz wieder weg“, sagt Nicolas.
So ähnlich sei das beim Stoffwechsel der Eidechse oder einem anderen wechselwarmen Lebewesen. Natürlich wechselt das Tier nicht seine Farbe. Aber nach einem kurzen Bad in der Sonne kommt der Stoffwechsel der Eidechse in Schwung und sie bewegt sich schneller. Bei jeder Temperaturerhöhung von rund zehn Grad verdoppelt sich die Geschwindigkeit. Das zeigt Grad für Grad die Tabelle in der kleinen wissenschaftlichen Arbeit, die Nicolas und Rafael für den Wettbewerb in Schriftform einreichen mussten. Der Fachmann spricht bei der Entdeckung der beiden von der so genannten Reaktionsgeschwindigkeits-Temperatur-Regel.
Und Fachmänner haben die Jungs beim Wettbewerb jede Menge getroffen – in der Jury und bei den anderen 53 Teams. Darunter auch Konkurrenten aus der eigenen Schule: die Fünftklässler Luca Schöttle, Marcel Mijic und Jeremy Cavas. Sie sind auch in der Chemie-AG von Lehrerin Bianca Freivogel.
Drei Esslöffel Essig, die gleiche Menge Natron und Stärke, dazu noch anderthalb Esslöffel Agavensirup und nach Wunsch ein bisschen Rote Bete, Möhren oder Feldsalat – klingt zwar nicht gerade lecker, ist aber ein klasse Rezept. Genauer gesagt ein Erfolgsrezept, zumindest für Luca Schöttle. Die drei Gymnasiasten haben aus all den Zutaten ganz natürliche Wasserfarben gemixt und damit in ihrer Altersklasse beim Wettbewerb den zweiten Platz belegt.
Dabei war noch vor einem halben Jahr gar nicht klar, mit was sie experimentieren. Nur eins stand fest: Es sollte etwas mit Farben sein. „Wolle einfärben hat aber nicht geklappt und Minen für Buntstifte herzustellen, hat nicht so viel Spaß gemacht“, sagt Luca. Zusammen mit seinen beiden Freunden hat der Zehnjährige dann Woche für Woche getüftelt und verschiedene Zutaten ausprobiert, bis das Ergebnis so gut war, dass man es sogar essen könnte. „Unsere Wasserfarben sind aus Naturmaterialien und deshalb überhaupt nicht giftig“, ist Marcel überzeugt.
Das waren auch die Schüler, die sich am zweiten Wettbewerbstag von den Experimenten ein Bild machen konnten. Am Stand der Wasserfarben-Gruppe sogar ganz praktisch. „Die Leute konnten mit unseren Farben malen. Nach ein paar Stunden hatten wir fast keine mehr“, sagt Jeremy. Mit ihrem Preis – einen Experimentierkasten für jeden und 60 Euro für die Gruppe – wollen die drei künftig weiter tüfteln. „Wir müssen noch herausfinden, wie man die Farben haltbarer macht“, sagt Luca.
Während er und seine Freunde nun in Ruhe Zutaten mixen, fahren Nicolas und Rafael mit ihrem blauen Wunder am 29. und 30. April als Erstplatzierte zum Landeswettbewerb nach Balingen. Um sich für das Bundesfinale zu qualifizieren heißt es für die beiden dort: Kräftig schütteln. Carolin Kirstein
Mehr über den Wettbewerb unter www.jugend-forscht.de



