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27.12.2010

Klinik-Chefs sehen Zweibettzimmer-Wunsch skeptisch

ENZKREIS. Die Bundesregierung will auch Kassenpatienten bei Krankenhausaufenthalten künftig nur noch komfortable Zweibettzimmer bieten. Geschäftsführer von Kliniken in Pforzheim und Region sehen diesen Vorschlag teilweise skeptisch.

Am Klinikum Pforzheim beobachtet Geschäftsführer Peter Mast die Diskussion die Reduzierung der Bettenzahl in den Zimmern mit Interesse – und mit Gelassenheit. „Noch haben wir einige Vierbett-Zimmer“, sagt er, „aber nach der Sanierung im Jahr 2013 wird es bei uns nur noch Einbett-, Zweibett- und Dreibettzimmer geben.“

Es sei ganz einfach möglich, aus den Dreibettzimmern Zweibettzimmer zu machen. „Da sind wir in einer glücklichen Lage“, sagt Mast. Andere Häuser, die vor fünf oder zehn Jahren saniert hätten, könnten ein größeres Problem bekommen. Wenn der Vorstoß durchkommt. Das aber hält der Pforzheimer Klinik-Geschäftsführer noch keinesfalls für ausgemacht. Die privaten Krankenversicherungen würden wohl auf die Barrikade gehen, vermutet er. Immerhin sei die Einbett- und Zweibettzimmer-Unterbringung ihrer Patienten das, womit sie für sich Werbung machten.

„Die Forderung würden wir natürlich unterstützen. Wir kennen den Wunsch aus Patientenumfragen, genauso wie den nach einer Nasszelle im Zimmer“, sagt Jürgen Scherle, Verwaltungsdirektor des Pforzheimer Krankenhauses Siloah. Allerdings sei die bauliche Umsetzung schwierig. Die Zuständigkeit liege hier beim Land, das Krankenhaus müsste erweitert werden. „Derzeit sind die Zimmer für drei Personen ausgelegt, Vierbettzimmer haben wir nicht“, so Scherle.

Von dem Vorstoß habe sie „mit Schrecken gehört“, sagt Dr. Andrea Grebe, medizinische Geschäftsführerin der Regionale Kliniken Holding (RKH), zu der auch die Enzkreis-Kliniken in Mühlacker und Neuenbürg gehören. Die Rechnung des CDU-Politikers Jens Spahn, dass kürzere Klinikaufenthalte zu mehr Platz in den Krankenhäusern führten und man deshalb nicht mehr als zwei Patienten in einem Zimmer unterbringen können müsste, gehe in der Praxis einfach nicht auf. „Ich lade Herrn Spahn gerne mal zu uns ein“, so Dr. Grebe. Dann sähe er schnell, dass es trotz vieler Drei-Bett-Zimmer keine leeren Räume gebe. „Ganz so einfach, wie er sich das vorstellt, ist die Situation nicht.“