

In Schömberg kehrt keine Ruhe ein: Gestern hat Kur-Manager Till Weigl per Pressemitteilung bekannt gegeben, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wird. Ende März wird er Schömberg verlassen – nach nur zwei Jahren an der Spitze der Kurverwaltung. Der 29-Jährige hatte den Posten übernommen, nachdem seinem Vorgänger Torsten Zink von der Gemeinde gekündigt worden war.
Damals freute sich Bürgermeisterin Bettina Mettler, dass Schömberg wieder in ruhigeres Fahrwasser komme. Mit Weigl sei die Kontinuität in der Arbeit gewährleistet, meinte sie.
Diese Einschätzung hat sich nicht bewahrheitet. Weigl, der aus Essen nach Schömberg zog, hat den Gemeinderat am Dienstagabend in nichtöffentlicher Sitzung über seinen Schritt informiert. Gestern folgte die offizielle Mitteilung, in der er betont, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. Aber er wolle sich an einem anderen Ort „persönlich und beruflich weiter entwickeln“. Man solle seinen Schlussstrich nicht als Entscheidung gegen Schömberg verstehen, fügt er noch an. Weitere Erklärungen gab es nicht, denn der Kur-Manager war gestern nicht zu erreichen. Er sei erst am Montag wieder im Büro, hieß es in der Kurverwaltung. Bürgermeisterin Bettina Mettler wollte zu den Gründen für Weigls Kündigung gestern keine Stellungnahme abgeben. „Wenn Herr Weigel etwas dazu sagen möchte, kann er das natürlich gerne tun. Uns anderen steht das nicht zu“, sagte sie. Schließlich sei es die Entscheidung des Kur-Managers gewesen. Die Gemeindeverwaltung habe Weigls Kündigung völlig überraschend getroffen. Nun müsse der Gemeinderat entscheiden ob und wie die Stelle erneut besetzt werde.
Im Gemeinderat sei bedauert worden, dass es nach nur zwei Jahren schon wieder einen Wechsel auf dem Chefposten der Kurverwaltung gibt, so CDU-Fraktionschef Joachim Zillinger. „Das ist kein leichter Job, das ist klar.“ Weigl habe viel Energie und Zeit in seine Arbeit investiert. Vielleicht habe er mehr Anerkennung erwartet. Nun müsse die Gemeinde einen Nachfolger suchen, so Zillinger. Seiner Ansicht nach muss man bei der neuen Stelle aber auch den Veränderungen Rechnung tragen. Schließlich werde gerade über einen touristischen Zusammenschluss auf Kreisebene nachgedacht. Außerdem müssten künftig eindeutige Schwerpunkte gesetzt werden. „Man kann nicht 1000 verschiedene Sachen gleichzeitig machen. Das geht nicht.“ Seiner Ansicht nach ist das Kurhaus bisher viel zu kurz gekommen: Ein Konzept für die optimale Nutzung des teuer renovierten Gebäudes sei überfällig.
UWV-Gemeinderat Bernhard Blaich vermutet, dass Weigl zu wenig Freiheiten hatte. „Er hat nicht die Chance gehabt, die er verdient hätte.“ Der Einzelhandel sei gut mit ihm ausgekommen, betont der Chef des gleichnamigen Schuhhauses. „Es ist sein Verdienst, dass die Weihnachtsaktionen zum ersten Mal so gut funktioniert haben.“ Er bedauere Weigls Rückzug sehr. Mittlerweile dränge sich der Eindruck auf, dass der Posten des Schömberger Kur-Chefs einem Schleudersitz gleiche. Zu einer Neubesetzung der Stelle äußert er sich zurückhaltend. Zunächst müsse man mögliche Zusammenschlüsse abwarten.
Sein Bedauern äußert auch Christoph Eck, der Vorsitzende des Vereins Tourismus, Handel und Gewerbe. „Till Weigl wollte mehr tun, als er konnte“, meint der THG-Chef. Die Kündigung sei kein gutes Signal: „Es kommt ja keine Ruhe in den Ort.“ Dadurch werde es immer schwieriger, einen geeigneten Nachfolger zu finden. „Die Außenwirkung ist fatal.“ In jüngster Zeit hat es Kritik gegeben, weil Weigl in einem Radio-Interview betonte, er wolle mehr um Tagesgäste werben. Die Hoteliers sahen die Übernachtungszahlen in Gefahr. Als die Bürgermeisterin Weigls Linie unterstützte, kam es zum Eklat. Dennoch hofft Eck, dass die Stelle möglichst schnell neu besetzt wird. Eine lange Diskussion schade dem Ort.
Sorgen um Schömberg macht sich auch Weigls Vorvorgänger Bernd Suppus. Der frühere Schömberger Kur-Chef war 26 Jahre im Amt und betont: „Der ständige Wechsel tut der Arbeit nicht gut.“
Autor: Sabine Mayer-Reichard



