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21.07.2009

LKA-Experte erläutert im Wörz-Prozess DNA-Spuren

BIRKENFELD/MANNHEIM. Die DNA von Harry Wörz ist eindeutig in den Fingerlingen, die in der Wohnung seiner Ex-Frau gesichert wurden. Das LKA schließt aber nicht aus, dass diese Spuren zufällig in die Vinylhandschuhe kamen.

Dr. Rasmus Förster vom Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart ist ein alter Bekannter in den Prozessen gegen den Bauzeichner Wörz. Am Dienstag erklärte der DNA-Experte dem Landgericht Mannheim, wie er kleinste genetische Spuren in den Fingerteilen erforschte. Am Ergebnis, das der 52-Jährige schon im ersten Wörz-Verfahren 1998 vorgestellt hatte, änderte sich nichts.

Auf den beiden abgerissenen Fingerteilen von Einmalhandschuhen ist jeweils außen der DNA-Abdruck von Andrea Z. zu finden – der Polizistin, die sich 1996 von Wörz getrennt hatte und die 1997 fast erdrosselt worden ist. Und im Inneren ist der angeklagte Gräfenhausener neben zum Teil unbekannten Personen ein „Hauptspurenverursacher“, sagte Förster.

Spuren des Polizisten Thomas H., der damals mit der Streifenkollegin zusammen war und den die Kripo anfangs neben Wörz als Tatverdächtigen behandelte, „sind in den Fingerlingen dagegen nicht enthalten“, sagte der Pforzheimer Rechtsanwalt Michael Schilpp, der die Familie des schwerstbehinderten Opfers vertritt.

Hautschüppchen für Hautschüppchen nahm LKA-Forscher Förster unter die Lupe. Die Teile sind winzig – und doch vermochte er „an der Grenze zur Nachweisbarkeit“ genetische Fingerabdrücke zu identifizieren. „Die Bewertung der DNA-Spuren ist dann allerdings die Aufgabe des Gerichts“, sagte Förster.

Das ließ sich die Strafkammer nicht zweimal sagen. „Die Schuppen können ja auch vom Kopf gefallen sein, durch Dritte ungewollt verschleppt oder sogar durch Gegenstände übertragen worden sein“, sagte der Vorsitzende Richter Rolf Glenz. „Das ist jedenfalls denkbar“, räumte der LKA-Ermittler ein. Für den Wissenschaftler haben „die beiden Fingerlinge allerdings etwas miteinander zu tun“. Die DNA-Struktur sei „bei beiden Teilen ähnlich“. „Und sie passen ins Bild des Tatablaufs“, so Förster.

Der LKA-Ermittler schloss auch nicht aus, dass „der Täter den Tatort drapieren wollte“, um mit den Fingerteilen falsche Spuren zu legen. Oder benutzte der Täter gar Vinylhandschuhe von Wörz, der bei einem Motorradunfall zwei Fingerkuppen verloren hatte und mit solchen Latexüberzügen oft seine kälteempfindlichen Hände schützte? „Vielleicht wusste jemand, dass wir beim LKA solche Spuren schon damals ermitteln konnten“, sagte Rasmus Förster.

In den Fingerlingen gebe es zudem unvollständige DNA-Merkmale: „Das könnten wir aber erst dann aufklären, wenn wir die zusätzlichen Personen kennen würden.“ Vor allem im Inneren der Fingerlinge gebe es viel DNA-Material. Der Täter, sollte er die Handschuhe bei der Tat benutzt haben, trug sie lange, und „Druck sowie Reibung“ bei der versuchten Tötung mit einem Wollschal könnten den Hautabrieb verstärkt haben.

Andere Beweise, die Kriminaltechniker am Tatort gesichert hatten, zeigen „äußerst komplexe Mischspuren“, sagte der LKA-Fachmann. Hinweise auf Harry Wörz seien weder an einer Damen-Jeans von Andrea Z., die im Flur lag, noch den Bettbezügen im Schlafzimmer zweifelsfrei zu belegen, sagte Förster.

Der Wörz-Prozess wird am Freitag, 31. Juli, um 9 Uhr im Landgericht Mannheim fortgesetzt.