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27. Juni 2012
Langes Warten auf den Arzt: Macht eine Praxis zu, bedeutet das vor allem für ältere Menschen eine Einschränkung der Lebensqualität.
Langes Warten auf den Arzt: Macht eine Praxis zu, bedeutet das vor allem für ältere Menschen eine Einschränkung der Lebensqualität.

Mediziner-Mangel: Warten, bis der Arzt kommt

Für viele Arztpraxen auf dem Land finden sich keine Interessenten. Immer mehr Kommunen locken mit Dienstwagen oder günstigen Mieten.

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ENZKREIS. Ein Dienstwagen, moderne Praxisräume oder günstige Miete: Gemeinden lassen sich einiges einfallen, um Ärzte aufs Land zu locken. Denn der Nachwuchs in Weiß macht einen Bogen um die Dörfer: Immer mehr Praxen sind schwer an den Doktor zu bringen, wenn der alte Hausarzt sich zur Ruhe setzt.

In Friolzheim weiß Bürgermeister Michael Seiß ein Lied davon zu singen. Vor einem halben Jahr hat der alte Hausarzt, der die Menschen im Ort fast 40 Jahre lang versorgt hat, seine Praxis geschlossen. Einen Nachfolger fand er nicht – und auch der Bürgermeister bemüht sich seither vergebens, einen Arzt nach Friolzheim zu holen. Dabei tut man einiges. Der Bürgermeister ist im Kontakt mit Apotheken, Pflegeheimen und der Kassenärztlichen Vereinigung. Außerdem hat der Gemeinderat beschlossen, im neuen Gebäude am Marktplatz Räume für eine Praxis einzuplanen. „Wir werden niederlassungswillige Ärzte selbstverständlich unterstützen“, sagt Seiß. Das sei zwar eigentlich nicht die Aufgabe einer Kommune – aber sehr wichtig für die Bürger.

Auch in Bad Wildbad ist die Ärzteversorgung ein Thema, wie Bürgermeister Klaus Mack bestätigt. Die Stadt sei in Sachen Gesundheit gut aufgestellt – und das solle auch so bleiben. Deshalb macht sich der Gesundheitsausschuss, in dem auch Ärzte sitzen, Gedanken über Zukunftsmodelle. Eine Idee: Man richtet einen Fond ein, in den Ärzte, Kliniken und die Kommune Geld einzahlen. Mit den Mitteln könne eine große Praxis mit mehreren angestellten Ärzten gegründet werden. So wären die Ärzte wirtschaftlich abgesichert und hätten klar begrenzte Arbeitszeiten. „Gerade für Frauen, die Beruf und Familie verbinden wollen, ist das ein großer Vorteil“, weiß Mack. Er kennt aber auch den Knackpunkt dieser Überlegungen: Eigentlich sei es nicht die Aufgabe der Kommune, für die Arztversorgung zu sorgen. Und daher stelle sich die Frage, ob die Stadt öffentliche Mittel in eine Praxis investieren darf.

Für StraubenhardtsBürgermeister Willi Rutschmann ist die Antwort klar: Ärzte mit finanziellen Anreizen zu locken, sei nicht Sache der Gemeinde. Dieser Weg komme nicht in Frage, damit sich wieder Ärzte in Feldrennach und Ottenhausen niederlassen. „Es wird außerdem überschätzt, dass Ärzte wegen so etwas kommen“, ist er überzeugt. Er stehe in Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung, um mögliche Interessenten auf Straubenhardt aufmerksam zu machen. Ob das reicht, bleibt abzuwarten.

In Königsbach-Stein hat eine Anzeige im Internet tatsächlich gereicht: Dr. Alaa Al Dalbozi hat vor einem Jahr die Praxis des alten Hausarztes in Stein übernommen und fühlt sich sehr wohl auf dem Land. „Es ist ruhig hier, ideal für die Kinder und nicht weit zur Stadt“, zählt der 43-Jährige, der früher eine Praxis in Wuppertal hatte, die Vorteile auf. Er kennt die Gründe, die junge Kollegen davon abhalten, eine Praxis zu übernehmen: Die Bürokratie werde immer schlimmer und man gehe ein Existenz-Risiko ein. Andererseits mache der Beruf aber großen Spaß – und zwar gerade auf dem Land, wie Al Dalbozi betont. „Hier bekommt man von den Menschen viel mehr Anerkennung als in der Stadt.“

Autor: Sabine Mayer-Reichard

27.06.2012

Leserkommentare (3)

Mehr Kommentare
1
Rollator2000 | 27.06.2012 | 22:20

Die Leute sollen mal weniger zum Arzt gehen. Und schon gar nicht wegen jedem Pups. Am liebsten, wenn man dieses überteuerte Hausarztpraxis-System abschaffen könnte und dafür Gesundheitszentren (Kliniken) ausbaut wie in noch normal tickenden Nationen dieser Welt. Dann wäre auch dieses Überweisungs-Geraffel unnötig. mehr...

2
Tiffany | 28.06.2012 | 09:34

Wo bleibt denn dann die Menschlichkeit? In sogenannten Gesundheitszentren ist man doch nur noch eine Nummer, total unpersönlich! Außerdem gehts dort zu wie am Bahnhof! Da lob ich mir lieber den "Dorfarzt", der meine Krankengeschichte kennt und vor allem meinen Namen! Der sich vielleicht auch noch bissel mehr Zeit nimmt und keine Massenabfertigung. mehr...

3
BadnerBube | 28.06.2012 | 12:18

Ein "Dorfarzt" muss alles wissen, alles tun, immer bereit sein und das für ein relativ geringes Einkommen. Und das Ansehen des Arztes im Dorf ist auch nicht mehr das was es mal war. Da kann ich mir schon vorstellen dass das Interesse an einer solchen Position nicht gerade groß ist. mehr...

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