

Kämpfelbach/Karlsruhe. Untersuchung nach Fund einer radioaktiven Zahncreme in Bilfingen. Hausgarten wird von Behörde unter die Lupe genommen.
Mulmig zumute war der Bilfingerin Tanja Ludwig. Schuld daran war die alte Doramad-Zahncreme, die ihr Hund Chico im Garten hinterm Haus ausgegraben hatte und die auch ihre Kinder in den Händen hielten (PZ-news berichtete). Am Anfang überwogen Neugier und Spannung. Dann wich der Spaßfaktor einer unangenehmen Anspannung, ja einem bösen Bauchgefühl.
Nach dem Bekanntwerden ihres außergewöhnlichen Fundes meldete sich das Regierungspräsidium Karlsruhe telefonisch bei ihr. Die aus der Zeit vor 1945 stammende Tube mit der Aufschrift „radioaktive Zahncreme“ sei zwar offensichtlich seinerzeit schon ausgedrückt und verbraucht worden, gleichwohl solle direkter Hautkontakt unbedingt vermieden werden. Bis Spezialisten der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) bei ihr einträfen, solle sie die Doramad-Tube in einem Plastikbeutelchen verschließen und der Behörde übergeben. Keinesfalls dürfe der Fund im Hausmüll entsorgt werden, so die Anweisung des Regierungspräsidiums.
Am Dienstagnachmittag war es bereits soweit. Der Grund: Kurz nach dem Telefonat hatte Tanja Ludwig noch mit anderen Dienststellen und Interessenten Kontakt. Dazu gehörte neben dem für Radioaktivität zuständigen Experten Dr. Reinhard Aures von der LUBW auch das Deutsche Hygiene-Museum (DHMD) in Dresden. Letzteres zeigte sich interessiert an dem Fund, nachdem Tanja Ludwig dort angerufen hatte. Eine Leserin wiederum hatte der Redaktion den Tipp gegeben, den man umgehend an die Bilfingerin weitervermittelt hatte. Der Leiter der DHMD-Pressestelle, Christoph Wingender, sagte, dass man im Prinzip sehr gut informiert sei über die früheren Aktivitäten, Radium-Strahlen für medizinische Therapien bei unterschiedlichen Krankheitsbildern oder für Präventionsmaßnahmen nutzbar zu machen. Auch die Doramad-Zahncreme mit Thorium-X-Faktor sei bekannt. Grundsätzlich bestehe also immer auch ein Interesse des Museums, an möglichst gut erhaltene Fundstücke heranzukommen, weil dieser Zivilisationsmüll dazu beitragen könne, die Geschichte der Hygiene anschaulich zu dokumentieren.
Bei der Untersuchung am Dienstag im Hausgarten wurden, wie der LUBW-Experte Aures erläuterte, Strahlenmessungen im Hausgarten vorgenommen. Mit weiteren Funden rechne er aber nicht, schon gar nicht mit einem strahlenverseuchten Garten. Gleichwohl komme das Fundstück zur weiteren Untersuchung ins Labor. Sollte die alte Doramad-Tube als unbedenklich eingestuft werden, entscheide aber nicht die LUBW über eine Freigabe ans Hygiene-Museum, sondern das Regierungspräsidium als zuständige Aufsichtsbehörde. Tanja Ludwig wiederum ist froh, dass sich nun Experten der Sache angenommen haben. Seit sie ein Apotheker vor dem Relikt gewarnt und auch das Regierungspräsium schicksalsschwangere Andeutungen gemacht habe, sei ihr nicht mehr ganz wohl beim Anblick des Fundstücks gewesen.
Der Hund habe das seltsame Teil direkt an der oberen Wurzel des Nußbaums ausgebuddelt. Und dessen Nüsse habe die ganze Familie über viele Jahre hinweg nichtsahnend verzehrt. Nicht auszudenken, wenn sich herausstellen sollte, dass davon eine gesundheitsschädliche Wirkung ausgegangen sei. Doch seit der Untersuchung durch Bernd Schäufele und Jochen Kringler vom Referat für Radioaktivität und Strahlenschutz der LUBW in Karlsruhe, kann seit Dienstnachmittag Entwarnung gegeben werden. Kringler auf Nachfrage: Mit dem Kontaminations-Messgerät habe man die Familienmitglieder und den Garten kreuz und quer abgesucht und keine Belastung feststellen können. Und auch Tanja Ludwig zeigte sich sichtlich erleichtert: Alle wohlauf und keine Gefahr. Das sei eine gute Nachricht.
Autor: Peter Marx





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