



Rektor Joachim Eichhorn einen Schultag lang auf Schritt und Tritt begleitet.Berufsbild im Wandel: Schulleiter ist Organisator und Bildungspolitiker.
Schulrektor verzweifelt gesucht: Offene Führungspositionen in der Region bleiben oft lange unbesetzt, vor allem an kleinen Schulen. Immer weniger Lehrer bewerben sich um die Leitungsstellen. Viel Stress, viel Bürokratie: Immer mehr Lehrer scheuen den Schritt in die Schulleitung, fragen sich, ob die höhere Bezahlung eine deutlich stärkere Belastung ausgleicht (die PZ berichtete). Hinzu kommt: Lehrer und Rektor zugleich zu sein, ist nicht einfach. Immerhin will die frühere Kollegenrunde nun als Chef geführt sein. Welche Anforderungen werden an Rektoren gestellt? Die „Pforzheimer Zeitung“ hat Joachim Eichhorn, den Rektor der Silahopp-Schule in Maulbronn, am Montag auf Schritt und Tritt begleitet.
7.30 Uhr: Joachim Eichhorn kommt am Montag in sein Büro, hat sich noch nicht hingesetzt, da klingelt schon das Telefon. Eine Mutter sagt ihm, dass ihr Kind krank ist. Der Rektor füllt einen Meldezettel für die Lehrerin aus. Das macht er in den nächsten Minuten noch mehrmals, die Grippe grassiert. Dann fährt er seinen seinen Computer hoch. „Elektronische Nachrichten überfliege ich, für Antworten habe ich zunächst keine Zeit.“ Konrektor Peter Krüger, der schon um 7 Uhr kommt, sagt ihm, eine Lehrerin habe sich krank gemeldet. Beide regeln, wer sie vertreten wird. Es ist richtig viel los, bevor der Unterricht beginnt.
Aber: Bei der Organisation des Schulalltags ist Eichhorn in seinem Element. Mit Krüger und Sekretärin Anita van Beers geht er Termine durch. Am Sonntag daheim vorbereitet: „Montagmorgens kriegen alle den Plan für die ganze Woche. Außerdem schreibe ich rein, was in der Woche darauf ansteht“, sagt Eichhorn.
Der Computer ist sein Helferlein. Er macht viel mit dem Rechner für die Schule: „Vorlagen, Präsentationen, Dia-Shows, Multimediaformate. “ Er hat ein elektronisches Archiv aufgebaut, auf das er in der Schule, aber auch zuhause zugreifen kann. „Die Arbeit eines Rektors ist intensiv, in der Woche komme ich locker auf 50 bis 60 Stunden“, sagt Eichhorn.
Die Leidenschaft für den Beruf, die Bildung junger Menschen trägt ihn. Er zeichnet verantwortlich für knapp 30 Lehrer und 300 Schüler. Er ist im Personalrat und in der Gewerkschaft aktiv. Er unterrichtet weiterhin Schüler, muss aber nicht mehr so oft in eine Klasse. Anrechnungsstunden heißt die heimliche Währung für Schulleiter. Ein kompliziertes Regelwerk. Pro Woche werden von Eichhorns 28 Deputatstunden acht für die Rektortätigkeit abgezweigt. Fünf weitere Anrechnungsstunden erhält er für sein Engagement im Personalrat. Grundschulrektoren hätten es besonders schwer, sagt Eichhorn: „Sie unterrichten wöchentlich 20 Stunden.“
Wie viel Zeit bleibt da noch für die Schulentwicklung? „Wir müssen vieles daheim machen“, sagt Eichhorn. Aber das wollen sich im Enzkreis und in Pforzheim immer weniger Lehrer zumuten, zumal das Gehalt nur um eine Stufe angehoben wird.
9 Uhr: Erneut wird es hektisch. Eichhorn regelt, wie das Unterrichtsmaterial der erkrankten Lehrerin zur Vertretung kommt. Dann setzt er sich an den Computer, um E-Mails zu lesen, zum Beantworten hat er aber keine Zeit. Die Firma, die das Mittagessen liefert, ruft an. Er muss weitere Termine vorbereiten. Kaum fängt er an, kommt Rainer Schork herein, der Schulleiter der beruflichen Georg-Kerschensteiner-Schule in Mühlacker. „Er informiert unsere Klassen 8 und 9 über die Angebote seiner kaufmännischen Schule“, sagt Eichhorn. Für die Neuntklässler der Silahopp-Schule sei es gar nicht so einfach, sich zu entscheiden, wie es weitergeht, so Eichhorn. Da Notenhürden gefallen sind, können Hauptschüler mit Abschlusszeugnis im kommenden Schuljahr sogar in die Wirtschaftsschule in Mühlacker gehen, erklärt Schork. Bisher benötigten sie dafür einen Schnitt von 3,0 aus den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik.
Silahopp-Schüler können aber auch die Klasse 10 der beiden neuartigen Werkrealschulen in Mühlacker besuchen und dort einen mittleren Abschluss anstreben. Oder mit dem Hauptschulabschluss einen Beruf erlernen.
Viele neue Wege: Da regt sich in Eichhorn der Bildungspolitiker. Als Mitglied im Teamvorstand der regionalen GEW beschäftigt er sich intensiv mit der Schulpolitik. Dass für die Achse mit Maulbronn, Knittlingen und Mühlacker die Kommunen vor sich hinwerkeln müssen, weil keine übergreifende Steuerung für Bildungsziele da ist, ärgert ihn. Denn die Hauptschulen drohen auszubluten.
„Da muss ein Schulleiter Flagge zeigen“, ist Eichhorn überzeugt. Doch es gibt Risiken. Hohe Erwartungen von allen Seiten erzeugen Druck. Ein konfliktträchtiger Job: „Da sind Forderungen von Eltern, die wir umzusetzen versuchen, aber auch Ziele des Kultusministeriums und des Schulamts, viele Gespräche mit Lehrern, und zum Berufsbild Rektor gehört auch die Beurteilung von Kollegen in anderen Schulen.“ Mauern hilft nicht, Eichhorn will „offen, ehrlich und wahrhaftig sein“. „Authentisch.“
10.30 Uhr: Repräsentationsaufgaben gehören ebenfalls zum Rektordasein. Eichhorn und Konrektor Krüger marschieren mit dem Grundschulchor ins Maulbronner Rathaus. Die Kinder singen für Bürgermeister Andreas Felchle, der seinen 50. Geburtstag feiert. Eichhorn und Lehrerin Sibylle Kolb-Bächle überreichen dem Rathauschef ein Kunstwerk, das die Schüler gebastelt haben.
11.20 Uhr: Zurück vom kleinen Ausflug ins Rathaus, geht Eichhorn zur vierten Klasse in den Unterricht. Er vertritt die erkrankte Lehrerin. Auf die Schnelle hat er die Stunde vorbereitet.
12.10 Uhr: Sekretärin Anita van Beers legt Eichhorn die Unterschriftenmappe auf den Tisch. Die E-Mails konnte er immer noch nicht beantworten. Gespräche mit den Lehrerkollegen muss er an diesem Montag kurz halten, viel wird zwischen Tür und Angel geregelt.
13.15 Uhr: Es gibt Ärger mit einem Schüler. Eichhorn spricht mit dem Sünder, zeigt ihm den Ordner mit der Aufschrift „Böse Schüler“, den er eigentlich gar nicht mehr herausziehen wolle. Der Bub schluckt. „Solchen Ärger möchte ich sofort aus der Welt schaffen“, nimmt sich Eichhorn vor.
13.30 Uhr: In der Silahopp-Schule wird es ruhig. Nun treffen sich Lehrer im PC-Raum zu einer Fortbildung über das PC-Programm Excel. Eigentlich will Eichhorn auch hin. Aber er muss jetzt aufholen – und vorbereiten. In ein paar Tagen beginnt das Mittags- und Nachmittagsangebot in der Grundschule. Ein Renner. 80 Anmeldungen fürs Mittagessen montags und donnerstags. Die Sitzung mit den Elternbeiräten der Schule steht bevor. Die Schülermitverantwortung tagt auch bald.
14 Uhr: Die erkrankte Lehrerin ruft an. Eichhorn bespricht mit ihr, wie ihre Stunden fortgesetzt werden, wann sie wieder kommt.
14.30 Uhr: Seit sieben Stunden ist Eichhorn nun in seiner Schule. Zwei Kaffees, ein süßes Stückchen und keine Pause. Wenn er demnächst heimfährt, macht er an seinem privaten Computer weiter, schreibt Ideen auf, wie man die Hauptschulen erhalten kann: „Wir haben Kinder, die eine besondere Förderung brauchen. Das geht nur mit kleinen Klassen, wie wir sie haben.“ Joachim Eichhorn ist gerne Rektor der Maulbronner Grund- und Hauptschule. Doch für ihn steht auch fest: „Wir müssen die Schulleitung noch viel attraktiver machen, damit sich wieder mehr Kollegen bewerben.“
Autor: Ralf steinertEnzkreis/Maulbronn




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