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31.07.2009

Richter befragen Kinder im Wörz-Prozess

BIRKENFELD/MANNHEIM. Die beiden Kinder des Polizisten Thomas H. haben kaum noch Erinnerungen an den Tag, als Kripobeamte nach Harry Wörz auch ihren Vater festnahmen. Die Ermittler verdächtigten am 29. April 1997 neben dem Bauzeichner aus Gräfenhausen zunächst auch ihren Kollegen eines Verbrechens.

Der Polizist, der sich in die Ex-Frau von Wörz verliebt hatte und die vor zwölf Jahren nachts fast erdrosselt worden war, stand damals unter großer Anspannung – er konnte sich nicht zwischen seiner Familie und der Geliebten entscheiden. Dem Landgericht Mannheim sollten die heute 25-jährige Tochter und der 22-jährige Sohn des Polizisten aus Pfinztal schildern, wie stark sich ihre Eltern bereits zerstritten hatten.

Der Vorsitzende Richter Rolf Glenz und Beisitzerin Petra Beck versuchten von den beiden Kindern auch zu erfahren, ob sich Thomas H. nachts noch auf den Weg nach Birkenfeld zu Andrea Z. gemacht hat. „Er wollte abends nochmal wegfahren“, sagte seine Tochter, er sei dann aber im Haus in Pfinztal geblieben.

Sie wisse jedoch nicht mehr, wann sie eingeschlafen sei. Ihr Zimmer war auf der Straßenseite: „Manchmal bin ich aufgewacht, habe die Autos auf der Straße gehört.“ Doch hat sie auch in der Tatnacht mitbekommen, ob ihr Vater spätabends noch ins Auto stieg? „Ich habe kein Auto wegfahren gehört“, sagte sie, wisse aber nicht mehr, ob sie das hören konnte. Meist kippte sie das Fenster zum Hof, in dem die Fahrzeuge der Eltern standen. Manchmal schloss sie es.

Heftige Auseinandersetzungen

Ihrem Bruder, der damals erst zehn war, fiel es noch schwerer, sich zu erinnern. Im Haus von Thomas H. und seiner Frau gab es in den Wochen vor der Tat mehrere heftige Auseinandersetzungen. „Einmal hat mein Vater in Rage eine Wohnungstür eingetreten“, sagte der Sohn. Daniela H. glaubte, die Ehe wäre gescheitert, bis ihr Mann am Tag vor der Tat überraschend zu ihr zurückkehrte.

Nachdem die Pforzheimer Polizei dem Gericht neue Bilder vorgelegt hatte, wo Harry Wörz damals sein Fahrzeug abgestellt hatte, befragte die Kammer gestern nochmals zwei Polizisten, die am Tag nach der Tat das Auto an der Kettelsbachstraße in Gräfenhausen unter die Lupe nahmen. „Ist Ihnen aufgefallen, dass das Fahrzeug weiter weg von der Bordsteinkante steht?“, fragte Glenz. „Es stand ein bisschen weit in der Straße“, antwortete ein Beamter. Warum aber tauchte „diese Auffälligkeit“, so Glenz, dann in keinem Vermerk auf? „Es stand nicht so weit vom Straßenrand weg, dass es mir aufgefallen wäre“, sagte der Polizist. Er musste damals nur prüfen, ob das Auto Startprobleme hatte. Er habe den Zündschlüssel gedreht, und das Auto sei sofort angesprungen.

200 Meter entfernt geparkt

Harry Wörz gab immer an, er habe in dieser Zeit oft 200 Meter entfernt von seiner Wohnung geparkt, um das störanfällige Auto zu starten. Für den Pforzheimer Rechtsanwalt Michael Schilpp, der die Familie des Opfers vertritt und der in Wörz den Täter sieht, ist die Stellung des Fahrzeugs hingegen ein Hinweis, dass der Gräfenhausener „nachts in aller Eile ankam und nicht mehr die Zeit hatte, sauber einzuparken“.

Der Wörz-Prozess wird am

Mittwoch, 12. August, um 9 Uhr

im Landgericht Mannheim fortgesetzt.