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14. Mai 2009

Richter im Wörz-Prozess haben Karlsruher Polizei im Visier

BIRKENFELD/MANNHEIM. Die Richter im Wörz-Prozess bleiben ihrer Linie treu, bei jeder Unstimmigkeit nachzuhaken. Sie prüfen widersprüchliche Aussagen der Karlsruher Polizei bei der Festnahme eines tatverdächtigen Kollegen.

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Das Landgericht Mannheim lud am Donnerstag kurzfristig zwei Polizeibeamte aus Karlsruhe vor, die in dem zwölfjährigen Kriminalfall noch nie ausgesagt hatten. Was die Beamten vor der Festnahme des Polizisten Thomas H. in Pfinztal genau gemacht haben, ist für die Richter noch unklar. Hat die Karlsruher Kripo das Auto des Kollegen unter die Lupe genommen? Die Beamten sollten prüfen, ob der Liebhaber der Polizistin Andrea Z., die ein Täter 1997 in Birkenfeld töten wollte, sein Fahrzeug benutzt hat. Außerdem will das Gericht wissen, warum sich die Festnahme des Polizisten verzögerte. Thomas H. galt zunächst wie Wörz als Tatverdächtiger, seine Ehefrau gab ihm jedoch ein Alibi.

In den bisherigen Wörz-Verfahren schien noch alles klar. Offenbar hatten die Karlsruher Beamten darauf verzichtet, das Anwesen des Kollegen Thomas H. zu betreten. Sie befürchteten anscheinend, bei der Observierung bemerkt zu werden, weil ein Bewegungsmelder am Haus die Hofbeleuchtung anschalten könnte.

Doch diesen automatischen Schalter gab es nicht, wie Thomas H. selbst bestätigte. Ein Beamter des Karlsruher Kriminaldauerdienstes sagte nun, er habe frühmorgens den Auftrag erhalten, das Auto des tatverdächtigen Polizisten auf Restwärme zu untersuchen. „Das Auto war kalt, aber es war kein Tau drauf, auch keine Feuchtigkeit“, sagte der Ermittler. Auch der damalige Polizeiführer vom Dienst in Karlsruhe, der noch sein persönliches Notizbuch von 1997 hatte, ging davon aus, dass der Kollege Motorhaube und Auspuff geprüft habe: „Das ist Routine bei einer Observation.“ Die Beamten vor Ort seien sich allerdings nicht sicher gewesen, ob das Fahrzeug in der Tatnacht wirklich bewegt worden sei.

Auf das SEK gewartet?

Widersprüchlich ist für das Gericht auch, warum die Karlsruher Polizei Thomas H. nicht um 4.02 Uhr festnahm, wie das eine Mitteilung der Pforzheimer Polizei nahelegte. Auf das Sondereinsatzkommando (SEK) habe Karlsruhe jedenfalls nicht gewartet, sagte der Leitungspolizist: „Ich habe dreimal von Pforzheim eine Entscheidung verlangt, ob wir Thomas H. festnehmen sollen.“ „Nein“, habe es geheißen, die Kripo sei noch nicht da. Der Pforzheimer Beamte sagte dagegen, Karlsruhe habe zur Sicherheit das SEK angefordert, weil nicht auszuschließen sei, dass Thomas H. noch eine Waffe hat.

Das Landgericht ermittelt jetzt die Namen aller Beamten, die bei der Festnahme dabei waren. „Es ist ausgesprochen sonderbar, dass einige Beamten in den Akten nicht benannt worden sind“, sagte Richterin Beck, wie der Vorsitzende Richter Glenz sichtlich erstaunt war über die Dokumentation der Karlsruher Polizei.

Autor: ralf steinert

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