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20.08.2010

Riesenslalom auf einer kaputten Straße

Auf der einen Seite wird mit Hochdruck die moderne Autobahn zwischen Wimsheim und Heimsheim gebaut. Auf der anderen Seite allerdings geht die Landesstraße zwischen Heimsheim und Friolzheim regelrecht kaputt – unter dem Umleitungsverkehr, der während des Ausbaus der A8 dort nötig ist, bricht die Strecke zusammen.

Vor allem die schweren Laster haben die Straße an zahlreichen Stellen richtig verdrückt. „Die Lkws drücken die Straße runter“, sagt Heinrich Elwert, der Leiter der Straßenmeisterei des Enzkreises. Mehrere Straßenbankette sind außerdem gebrochen.

Das Landratsamt Enzkreis musste jetzt die Notbremse ziehen. Die Verkehrsbehörde hat die Höchstgeschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde gesenkt. Die Straßenmeisterei hat viele Schilder aufgestellt, um Autofahrer vor den Straßenschäden zu warnen. Und eine Unmenge von Warnbaken sollen Fahrer davor bewahren, in die tiefen Schlaglöcher oder die abgerutschten Bankette zu geraten.

Dabei hat die Straßenmeisterei im Frühjahr – in letzter Sekunde vor dem einsetzenden Umleitungsverkehr – die Strecke mit hohem Aufwand ausgebessert. 100 000 Euro hat Elwert damals extra vom Regierungspräsidium, dem Bauherrn für den Neubau der A8, dafür erhalten. Die Landesstraße werde für die Umleitung ertüchtigt, sagte das RP.

Das war im April. Vier Monate später ist alles anders. „Wir konnten mit diesem zusätzlichen Geld 2200 Quadratmeter Flicken reparieren“, so Elwert. Aber eben nur oberflächlich. So schön die Sonderzuwendung des RP zunächst erschien, so reichte sie doch nur, die gröbsten Löcher zu stopfen. „Eigentlich hätten wir bei jeder Schwachstelle den Untergrund ausfräsen müssen“, sagt Elwert.

Jetzt hat der Enzkreis den Schwarzen Peter. Das Kreisverkehrsamt ist für die Sicherheit der Landesstraße verantwortlich. Die Straßenmeisterei hat jedoch kein Geld für weitere Sanierungen. „Wir müssten jetzt eigentlich sofort 13 Stellen auf der Strecke ausbessern“, so Elwert, doch der Etat sei bereits ausgereizt. Und ob das Regierungspräsidium noch einmal dafür Mittel lockermacht, steht in den Sternen. „Auch dort ist alles Geld verplant“, sagt Heinrich Elwert.

So rächt sich ein Versäumnis, vor dem Kenner der Landesstraße bei Heimsheim und Friolzheim gewarnt haben. Das Land hätte die marode Straße lange vor dem Autobahnausbau erneuern sollen. Das aber wurde bisher immer wieder verschoben. Büßen müssen es die Autofahrer. Pendler rollen täglich auf einer holprigen und gefährlichen Straße. „Ein Gefühl wie beim Riesenslalom“, sagt Ralf Rapp aus Tiefenbronn. „Eine Zumutung.“ Ende November endet die Umleitungszeit. Im Winter wird die kaputte Straße aber richtig gefährlich. „Wenn das so bleibt, müssen wir einen Traktor kaufen“, sagt Rapp voll bitterer Ironie.