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Einiges einstecken musste Saskia Esken bei der Nominierungsveranstaltung im Sportheim des VfL Nagold.
Einiges einstecken musste Saskia Esken bei der Nominierungsveranstaltung im Sportheim des VfL Nagold.
19.10.2016

SPD Calw/Freudenstadt nominiert ihre Bundestagskandidatin

Saskia Esken ist erneut zur SPD-Bundestagskandidatin gewählt worden. Allerdings mit einem für Parteiverhältnisse eher mauen Ergebnis von gut 75 Prozent. Das kommt nicht von ungefähr: Die Abgeordnete sieht sich mit deutlicher Kritik aus den eigenen Reihen konfrontiert.

Hans Meier ist ein Mann der Basis. Er gehört zum SPD-Ortsverein Nagold, war früher dessen stellvertretender Vorsitzender. Und er wünscht sich, dass eben diese Region auch in Berlin eine Rolle spielt, dass sie eine echte Vertretung im Bundestag hat.

Und genau an diesem Punkt beginnen seine Probleme mit der amtierenden SPD-Abgeordneten Saskia Esken. Denn aus Sicht des Mannes aus Nagold fehlt es der Frau aus Bad Liebenzell an der Verwurzelung an der Basis und in der Region. „Ich erwarte da mehr Lobbyismus für den Kreis, ich erwarte, dass sie die Probleme des Kreises in Berlin löst.“ Doch genau das sei nicht der Fall gewesen, sagt Maier und macht das zum Beispiel an Themen der Infrastruktur fest. In der Debatte um die Abstufung der B 28 zwischen Herrenberg und Altensteig im Oberen Nagoldtal sei Esken nicht in Erscheinung getreten, auch bei der Debatte um die Gäubahn habe man sie praktisch nicht wahrgenommen – und wenn „dann im Windschatten von CDU-Mann Hans-Joachim Fuchtel“, konstatiert Maier: „Und das reicht einfach nicht.“ Auch beim Thema sozialer Wohnungsbau habe man da wenig von der SPD-Abgeordneten gehört. „Das ist einfach zu wenig. Dafür brauchen wir in der Region keinen Bundestagsabgeordneten der SPD“, macht er klar.

Offensichtlich sind es vor allem die Genossen aus dem Kreis Calw, bei denen es gärt. Der Kreis Freudenstadt sei ganz auf Linie von Esken, berichtet der ehemalige Ortsvereins-Vize bei der Nominierungsveranstaltung im Sportheim des VfL Nagold.

Von diesen Querelen ist bei der Versammlung lange nichts zu merken. Bei ihrer Rede erinnert die 55-Jährige an ihre Wurzeln. Heute ist die dreifache Mutter Bundestagsabgeordnete mit einem besonderen Faible für Bildungspolitik, wie die ehemalige stellvertretende Vorsitzende des baden-württembergischen Landeselternbeirates erklärt. Als staatlich geprüfte Informatikerin und Softwareentwicklerin habe sie den Posten der stellvertretenden digitalpolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

Am Ende wurde sie mit 37 Ja-Stimmen, zehn Nein und zwei Enthaltungen als Bundestagskandidatin der Calwer und Freudenstädter Sozialdemokraten wiedergewählt.