



Die meisten, die am Donnerstagabend im Hof der Wilhelm-Ganzhorn-Schule in Conweiler sitzen, kennen den Mann am Rednerpult vor der Rutsche des Spielplatzes nur aus dem Fernsehen. Dass der Mann im blau gestreiften Hemd mit den locker hochgeschlagenen Manschetten ein Politik-Star ist, früherer Bundesfinanzminister und aktuell Teil der SPD-Führungstroika, das merkt man erst nach seiner Rede. Vor allem die SPD-Mitglieder unter den Zuhörern wollen sich mit Peer Steinbrück fotografieren lassen. Ortsvereine, Organisatoren des Sommerempfangs, Jusos. Distanz ist nicht zu spüren.
Steinbrück sei ein Redner, den man versteht, sagt ein älterer Besucher ohne Parteibuch: „Der spricht über schwierige Sachen, aber er braucht keine Fremdworte“, meint der Rentner. Die schwierigen Sachen – sie drehen sich beim Sommerempfang der SPD-Bundestagsabgeordneten Katja Mast um die „Zukunft Deutschland – Stabile Währung, stabile Wirtschaft und gute Arbeit“. Um Euro-Krise, Haushaltsdisziplin, Wirtschaftsförderung und einen so sperrigen Begriff wie die „Finanzmarkttransaktionssteuer“. Kaum ist das Wort gesagt, erklärt Steinbrück: „Das müssen Sie sich vorstellen, wie eine Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte.“
Der Redner Steinbrück nimmt sein Publikum mit. Emotional wirbt er dafür, für den Euro zu kämpfen. Zum einen, weil die Währung mit der Europäischen Union für Frieden stehe. „Ich gehöre zur ersten Generation, die nicht in einem europäischen Krieg verheizt worden ist“, sagt er und erinnert die Straubenhardter an ihre eigenen Gedenktafeln für Kriegsgefallene.
Was Straubenhardts Bürgermeister Willi Rutschmann in seinem Grußwort über die Wirtschaftskraft seiner Gemeinde mit ihren rund 5000 Arbeitsplätzen sagt, greift der Gast auf, um zu veranschaulichen, was der Euro den Unternehmen bringt.„Gerade den mittelständisch geführten, wie bei Ihnen“, so Steinbrück. Preistransparenz, keine Wechselkursrisiken, teils günstigere Konditionen bei der Refinanzierung, nennt er als Beispiele.
Der Parteipolitiker klingt durch, wenn er die Anstrengungen der schwarz-gelben Bundesregierung zur Eurorettung beschreibt – dabei gehe es nur um Refinanzierung der Schulden und die Sparkeule. Bisherige Maßnahmen seien „zu spät, zu wenig und zu ungefähr.“
Wie Katja Mast zuvor, wirbt er für Wirtschaftsförderung als wichtigem Baustein für den Weg aus der Misere. Er betont die Bedeutung des produzierenden Gewerbes und schlägt den Bogen zur Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn. Kommunen bräuchten für ihre Aufgaben deutlich mehr Geld. Und die Voraussetzungen für Energiewende, Warentransport und Datenleitungen koste ebenfalls viel. Ehrlicherweise müsse man sagen: Ohne höhere Steuern sei das nicht zu schaffen. Konkret nannte er als Beispiel einen höheren Spitzensteuersatz.
Der Beifall kommt in solchen Momenten schnell im Schulhof. Was bei den Zuhörern hängen bleibt, sind vor allem Steinbrücks „klare Worte“, wie der Kelterner Dieter König sagt. „Steinbrück vermittelt Geradlinigkeit“, meinen der Oberderdinger Hermann Nagel und der Ispringer Hans-Peter Huber: „Das ist etwas, was Politik braucht.“ Alle drei sind Gemeinderäte für die SPD. Sie gehören zu den 95 Prozent unter den Politikern, die laut Steinbrück ihre Arbeit ehrenamtlich machen. Sie verdienten Respekt, meinte er. Wenn Bürger die große Politik kritisieren, könne er das oft nachvollziehen. Wenn aber verächtlich über Parteien geredet werde, „da kriegen sie mich am Hals.“ Gerade auch wegen der vielen kommunalpolitisch engagierten Menschen.
Autor: Alexander Heilemann







Leserkommentare (77)
Mehr KommentareSchöne Bilder unsererer Volksver*ter, die uns nächste Woche (eben noch schnell vor der Sommerpause) via ESM ans Messer liefern (wenn nicht doch noch das Bundesverfassungsgericht in allerletzter Sekunde das Vorhaben stoppt) P.S.: Die einzigsten (Demokraten!) die diesen Wahnsinn via Verfassungsklage zu stoppen versuchen sind die Linken.... wo bleibt die SPD beim Ausverkauf des Volksvermögens via ESM? Machen Sie sich die Mühe und Lesen Sie bspw. die Kommentare im Handelsblatt gegen den ESM ... ...... mehr...
[FONT=courier new]Wenn diese Type später Kanzlerkandidat der Sozen wird, dann "züchten" die sich einen adäquaten Schröder-Nachfolger heran. Der berühmte "kleine Mann" hat dann bei dieser Partei weiterhin nichts zu lachen und somit keinen nachvollziehbaren Grund, die Sozen zu wählen. Frau Kraft könnte neuen und vor allem frischen Wind in die inzwischen doch sehr abgewrackte SPD bringen.[/FONT] mehr...
Steinbrück wäre mir als Kanzler weitaus lieber als Trittin. Hoffe nur, dass die alte DDR-Systempartei nicht mitzubestimmen hat, wer im Herbst 2013 Schäff wird. mehr...