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09.07.2009

Speicheltest im Wörz-Umfeld noch offen

BIRKENFELD/MANNHEIM. Die Richter im Harry-Wörz-Prozess haben einen genauen Fahrplan im Kopf, wie sie zu einem Urteil über den angeklagten Bauzeichner aus Gräfenhausen kommen. Und da der Vorsitzende Richter Rolf Glenz sowie seine Kollegin Petra Beck die Aufzeichnungen über die versuchte Tötung der einstigen Frau von Wörz vor zwölf Jahren so genau studiert haben, dass Anklagevertreter und Verteidiger immer wieder erstaunt sind, gibt das Landgericht Mannheim auch nach 18 Verhandlungstagen den Ton an.

Am Donnerstag hat die 3. Strafkammer im Schnelldurchgang die Familienangehörigen von Wörz, die von seiner Unschuld überzeugt sind, befragt. „Mir reicht das“, sagte Glenz, nachdem die Mutter von Wörz, sein Vater und sein Stiefvater sowie seine Schwester Vorgänge beschrieben hatten, die der Angeklagte stets als Indizien genannt hatte, die für ihn sprechen würden.

Auto am Hang abgestellt

Musste Wörz in Gräfenhausen sein Fahrzeug an einem Hang parken, der 200 Meter von seiner Wohnung entfernt ist, weil er Startprobleme befürchtete? Ja, sagten die Familienangehörigen. Am Abend vor der Tat am 29. April 1997 hatte Wörz sein Auto an der Kettelsbachstraße abgestellt. Die Ermittler der Kripo glauben, dass Wörz sein Fahrzeug nur deshalb nicht vor seiner Wohnung abstellte, weil die Polizisten, die unmittelbar nach der Tat nach Gräfenhausen eilten, sonst sofort gemerkt hätten, ob der Motor noch warm ist und der Bauzeichner eben der Mann gewesen wäre, der aus der Tatwohnung in Birkenfeld flüchten musste.

Zwischen Wörz und seiner früheren Ehefrau Andrea Z. habe es nach der Trennung keinen Streit über das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn gegeben, sagten seine Mutter sowie sein Stiefvater. Wörz habe nur ein erweitertes Besuchsrecht angestrebt, damit der damals Zweijährige alle 14 Tage auch über Nacht bleiben dürfe. „Das hat Andrea jedoch abgelehnt“, so die Mutter, „sie wollte nicht, dass der Bub hin- und hergezogen wird.“ Als die Ex-Frau von Wörz wieder in den Polizeidienst einstieg, betreuten die Mütter von Andrea Z. und Wörz das Kind tageweise im Wechsel.

Offen ist bisher, wie das Landgericht mit den zwei Beweisanträgen umgeht, die Staatsanwalt Philipp Zinkgräf und der Nebenkläger, Rechtsanwalt Michael Schilpp aus Pforzheim, gestellt haben. Zinkgräf will aufklären, ob in dem Fingerling, den Kriminaltechniker neben dem Opfer fanden und der nach Ansicht des Landeskriminalamtes (LKA) DNA-Spuren des Angeklagten enthielt, Haare der beiden Tierfelle sind, die Andrea Z. in der Wohnung ausgelegt hatte.

Schilpp hat einen Speicheltest unter Familienangehörigen und Freunden von Wörz beantragt. Der Anwalt will herausfinden, ob DNA-Spuren am Tatort möglicherweise aus dem Umfeld des Angeklagten kommen. Richter Rolf Glenz hat die betroffenen Zeugen jeweils gebeten, dem Gericht mitzuteilen, ob sie bereit wären, eine Speichelprobe abzugeben. Die Kammer hat aber offengelassen, ob sie diesen Test dann auch anordnet.

Der Wörz-Prozess wird am Freitag, 10. Juli, im Landgericht Mannheim fortgesetzt.