



WIMSHEIM. Der Wimsheimer Carnevalsverein (WCV) Hurrassel brachte bei der Prunksitzung die Radsporthalle zum Beben. Mit närrischem Scharfsinn und spitzzüngigen Büttenreden glossierten die Narren das politische Geschehen.
Die Wimsheimer Narren nahmen die Dorfpolitik, aber auch die Ereignisse im Bund und im Land aufs Korn und sorgten für Show und Action. „Seid ihr bereit für die fünfte Jahreszeit?“, fragte WCV-Präsident Steffen Stüber immer wieder von der Bühne hinunter in die proppevolle Halle. Je später der Abend, desto lauter schallte ein begeistertes „Jaaaa“ durch den Saal. Für aufgeheizte Stimmung sorgte gleich zu Beginn die Guggemusik der Bü-hoi Cravallos, die die Besucher sofort von ihren Sitzen riss.
Wie man das Publikum aus den Stühlen holt, wusste auch Timo Meindl aus Tiefenbronn mit seinem Postboten-Blues, der die Stimmung in der Halle erneut zum Brodeln brachte. Der Briefträger, der die Post seiner Kunden genau zu kennen schien, egal ob diese mehrmals geblitzt wurden und sich so mehrere Knöllchen einfingen, eine Überweisung zur „Hämorriden-Sprechstunde geschickt bekamen oder eben wie Landtagsabgeordneter und FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke Beate-Uhse-Heftchen erhielten – der Briefträger ließ kein Fettnäpfchen und erst recht kein Briefgeheimnis aus. Und Rülke nahm es mit Humor.
Eine wertvolle CD über Wimsheims Finanzen wollte Richie (Richard Benzinger), der perfekt einen Italiener mimte, Bürgermeister Karlheinz Schühle verkaufen. „Als Bonus sind Geheimrezepte von den Landfrauen drauf, die ihre Frau nie verraten wollte“, versuchte er Wimsheims Ortsoberhaupt in gebrochenem Deutsch aus der Reserve zu locken und wandte sich dann an Rülke: „Ich bin über Frankreich gefahren. Die CD ist auch für den Landtag interessant, denn da sind auch die Schweizer Daten mit drauf“, rief dieser in italienischer Mafia-Manier zu.
Wimsheims Urgestein Sieglinde Mauch frotzelte über den TSV und wie das Wasser für den Sportplatz abgerechnet wird. Auch für Kanzlerin Merkel hatte sie einen Tipp parat: „Mal mit dem Kochlöffel rein schlagen .“ Den scheidenden Bürgermeister stellte sich die couragierte Frau derweil als Rentner vor.
Doch wenn es nach den „Chaoten“ geht, die eine Promi-Jury für die anstehende Bürgermeisterwahl bildeten, und potenzielle Bewerber wie Paris Hilton, Tiger Woods und Klinsi einfliegen ließen, dann soll der bisherige Schultes weitere acht Jahre regieren.
Ganz andere Sorgen hatte stattdessen der Tiefenbronner Günther Kohler, der als „Liesle vom Land“ sein Debüt in der Wimsheimer Bütt feierte und durch seinen Gesang, Gestik, Mimik und vor allem durch seine eigene Art des Erzählens wie er als „Liesle vom Land“ auf der Suche nach einem Mann ist, kein Auge trocken ließ.
Roland Holz philosophierte über die deutsche Sprache, kritisierte das Geschäft mit der Schweinegrippe und hätte das Geld lieber in Kinderkrippen gesteckt. Natürlich gehören zur Wimsheimer Prunksitzung nicht nur scharfe Reden, sondern tänzerische Augenweiden. Einen Farbtupfer setzte dabei die Häsgruppe „Zäpflestroll“, die in diesem Jahr ihr 11-jähriges Bestehen feiern. Trotz schwerer Masken und Häs hatten sie ihren Tanz mit akrobatischen Einlagen gespickt.
Für tänzerische Hingucker sorgten auch die Kleine und die Große Garde und vor allem die „Freixenets“, die mit einem peppigen Twist an die 1950er und 1960er-Jahre erinnerten. Und die Kleinsten, die Bambini, zeigten ohne Scheu das Kamel, das Cha-Cha-Cha tanzt und entzückten als kleine Bauchtänzerinnen.
Autor: pz-mitarbeiterin silke fux



