

ENZKREIS/PFORZHEIM. Mehr Bürokratie und höhere Kosten kommen auf viele Turnvereine zu. Schuld daran ist die Gema: Sie hat die Pauschalverträge mit den drei Sportbünden im Land gekündigt und verlangt jetzt Einzelabrechnung.
Kurt Nonnenmacher, Vorsitzender des TV Eutingen und zugleich Rechtsanwalt, und seine Frau Gabriele sagen, was zurzeit viele Vereinsfunktionäre denken: „All jene, die sich die Förderung des Sports und des Ehrenamts auf die Fahne geschrieben haben und ihre Freizeit und Kraft in Sport- und Turnvereine einbringen, müssen ein weiteres Mal den Kopf schütteln oder die Faust in der Tasche ballen.“ Kurzfristig und überraschend habe die Gema die seit acht Jahren bestehenden Pauschalverträge über Musiknutzung gekündigt. In einem komplizierten Berechnungsverfahren halte die Gema nun die Hand auf, wenn eine zusätzliche Kursgebühr verlangt werde.
Angebote im Bereich Aerobic, Pilates und Yoga, bei denen Musik von einer CD, einem MP-Player oder einer Kassette abgespielt werden, sind von der Neuregelung betroffen. „Das eigentlich Schlimme sind noch nicht einmal die Gebühren selbst. Das wirklich Schlimme ist, dass ich jemand finden muss, der diese unsägliche Arbeit der Anmeldung, des Erfassens der Daten und der Abrechnung machen muss“, ärgert sich Kurt Nonnenmacher.
Damit befindet sich der Eutinger auf einer Linie mit Wolfgang Eitel. Der Schellbronner, der ebenfalls Mitglied des TV Eutingen ist, weiß als Geschäftsführer des Badischen Sportbundes Bescheid: „Ein großer Verwaltungsaufwand und eine finanzielle Mehrbelastung ist mit der Vertragskündigung verbunden.“ Das regelmäßige Training der Mitglieder sei zwar von Gema-Gebühren freigestellt, die seitherige günstige Zusatzvereinbarung im Land aber hinfällig. „Die Gebühren bringen einen Verein nicht um, aber alle Kurse müssen rechtzeitig der Gema angezeigt werden, selbst wenn nicht klar ist, ob sie überhaupt stattfinden. Auch eine spätere Nachkalkulation ist nötig, sonst ist unter Umständen die doppelte Strafgebühr fällig.“
Seine Frau Sonja Eitel, Vorsitzende des Turngaus Pforzheim/Enz, ergänzt: „Alles was den Bereich Gesundheit angeht, trifft nun die Vereine hart. So wird der Gesundheitssport teurer.“
Gespannt ist Walter Fritz, Abteilungsleiter Turnen im TSV Wurmbeg-Neubärental, welche Auswirkungen auf das Kinderturnen zu erwarten sind: „Da habe ich noch überhaupt keine Informationen.“ Wie das neue Abrechnungssystem zu handhaben sei, müsse man sehen: „Schließlich beginnen jetzt im September wieder die ersten Veranstaltungsreihen. Aber Musik läuft ja fast in jedem Turnkurs.“ Auch er kritisiert die Gema: „Das ist nicht gut.“ Nicht ganz so groß ist der Unmut der kulturell engagierten Vereine. „Mit der Rahmenvereinbarung unseres Verbandes fahren wir nicht schlecht“, sagt Stefan Lindermeir, Vorsitzender des Musikvereins Remchingen, schränkt jedoch sogleich ein: „Wir werden dennoch immer zur Kasse gebeten.“ Die Situation sei seit Jahren unverändert.
„Bei uns ist das Problem mit einem Rahmenvertrag des Deutschen Chorverbandes mit der Gema sehr gut gelöst“, meint Rolf Czudzowitz aus Mühlacker. Der Vorsitzende des Chorverbandes Enz, der den württembergischen Teil der Region von Oberriexingen, über Mühlacker, Wiernsheim, Birkenfeld, Straubenhardt bis nach Bad Wildbad erfasst, schildert die Situation so: „Alle Vereine sind gehalten, sämtliche Veranstaltungen vorab dem Schwäbischen Chorverband zu melden. Dort wird geprüft, ob das jeweilige Ereignis mit dem Vertrag abgegolten ist.“ Bei geselligen Events müssten die Vereine jedoch einen Teil der Kosten selbst bestreiten, räumt er ein.
Autor: bruno knöller



