

So voll hatten Gottesdienstbesucher in Ottenhausen ihre Nikolauskirche vermutlich noch nie erlebt. Zur Verabschiedung ihres Pfarrers Georg A. Maile und seiner Familie strömten die Massen in die Kirche. Nach knapp 20 Jahren endete Mailes Amtszeit. Am 5. September wird er nach Bad Schussenried umziehen und dort eine Pfarrstelle übernehmen (PZ berichtete).
„Barack Obama ist der 44. Präsident Amerikas und ich war der 45. Pfarrer in Ottenhausen“, meinte Maile und stellte bei seinem letzten Gottesdienst seinen Humor unter Beweis. „Ich hinterlasse keine Lücke, sondern eine gut aufgestellte Gemeinde mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern. Und ich hinterlasse gemeinsame Spuren und Geschichten mit ihnen!“ An diese gemeinsamen Erlebnisse konnten sich seine Gemeindeglieder insbesondere während des Orgelstücks „Memory“ erinnern, mit dem Maile – ebenso wie bei dem von ihm gesungenen Lied „Wonderful world“ – einmal mehr bewies, dass er bei seiner Liedauswahl immer wieder unkonventionelle Wege geht.
Die Selig-Worte der Bergpredigt in den Mittelpunkt stellend, gab Maile seiner Gemeinde abschließend seine „goldene Lebensregel“ mit in die Zukunft: „Alles, was Ihr möchtet, das Euch die Menschen tun, das tut Ihr ihnen auch!“
Dass die Menschen ihren Pfarrer nur ungern gehen lassen, wurde anschließend deutlich. „Alle Leute sind traurig, ich habe mit vielen gesprochen“, sagte Mike Armbruster beim Händeschütteln vor dem Gemeindehaus, wo die Gäste zum Ständerling erwartet wurden. „Warum tun sie uns das an“, fragte Sieglinde Hartung sichtlich bewegt und Inge Armbruster ergänzte: „Ich habe schon meine Tränen vergossen!“
Dafür, dass die Stimmung nicht allzu melancholisch wurde, sorgte der sangesfreudige Pfarrer selbst. Zwischen sämtlichen Grußworten stimmte er spontane Liedeinlagen an, die von „Havenu shalom alechem“ über „La Paloma“ bis hin zu „Weiße Rosen aus Athen“ reichten. Dazu stellte er aus dem Publikum auch gleich einen kleinen Chor zusammen.
„Sie waren der heimliche Bürgermeister von Ottenhausen“, befand sein „Amtskollege“ Willi Rutschmann. Mit seiner aufgeschlossenen Art und den Kontakten zur katholischen Kirche sowie zur Afrikapräsenz habe Maile „Schwung in die Gemeinde gebracht“. Pfarrer David Gerlach aus Conweiler und Pfarrer Traugott Maisenbacher (Arnbach/Niebelsbach) überreichten ein Bild sämtlicher Pfarrer aus dem Neuenbürger Kirchenbezirk. „Wir sind wirklich traurig, so einen Kollegen zu verlieren.“ Besonders für seine Beerdigungen habe Maile eine „Goldmedaille“ verdient, aber auch dafür, dass er einer der wenigen Pfarrer gewesen war, die „Zeit gehabt hätten“.
Solch eine Kollegialität fände man nicht unbedingt. „Ohne Dich fehlt im Bezirk etwas Farbe! Wir sind deutlich ärmer“, befand Maisenbacher. Nahezu eineinhalb Stunden dauerte das Vortragen der zahlreichen Grußworte seitens kirchlicher Organisationen aber auch der örtlichen Vertreter. So sprach Frank Layher stellvertretend für die örtlichen Vereine von Mailes unkomplizierter Art, neue Wege zu beschreiten: „Es geht nicht nur ein Pfarrer, sondern ein Freund.“ Und Arno Weiss vom Turnverein Ottenhausen ergänzte: „Der Mann passte zu uns.“ Die Vertreter des Kindergartens dankten für seine „immer spontanen und spannenden Ideen.“
Ob Gottesdienste im Grünen, Grillfeste im Pfarrgarten, Laternenumzüge oder Fußballspiele in Gummistiefeln oder mit dem Besen: „Egal was wir angestellt haben, er war immer mit dabei“, bestätigte Bruder Martin, sein langjähriger Weggefährte von der Afrikapräsenz. Anhand einer Bild-Zusammenfassung der vergangenen fast 20 Jahre in Ottenhausen führte die Gemeinde Maile das gemeinsam Erlebte nochmals vor Augen.
Autor: Regina Ganzhorn Straubenhardt-Ottenhausen






