

TIEFENBRONN/ENZKREIS. Das Suchtpräventionsnetzwerk „looping“ will, dass Vereine eine größere Rolle übernehmen, um Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit Alkohol zu vermitteln. Tiefenbronn macht damit ernst.
Gegen Alkoholexzesse von Jugendlichen kämpfen die Suchtpräventions-Experten für Pforzheim und den Enzkreis ausdauernd an. Zuletzt haben sie vor allem die Vereine als Partner in diesem Kampf in den Blick genommen. „Vereine haben eine unglaublich wichtige Vorbildfunktion“, sagt Martina Usländer von „looping“. Das heißt: Dort wird Jugendlichen der Umgang mit Alkohol vorgelebt. Im Guten wie im Schlechten. In Tiefenbronn ist ihre Initiative auf fruchtbaren Boden gefallen. Noch in diesem Jahr will Bürgermeister Friedrich Karl Sämann sich am runden Tisch mit den Vereinen zusammensetzen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Bei einem Vorständetreffen am Montag sind die Weichen dafür gestellt worden. Mit der Tiefenbronner Musik und der katholischen Bücherei Mühlhausen haben zwei Vereine spontan erklärt, mitzumachen. Martina Usländers Vortrag habe aber die ganze Runde für das Thema sensibilisiert, glaubt Bürgermeister Sämann. „Einige waren berührt, als gezeigt wurde, was abgeht.“
Was abgeht, das hat vor kurzem erst eine Statistik verdeutlicht, wonach immer mehr 13- bis 19-Jährige nach so genanntem Komasaufen im Krankenhaus landen. Gerade auch in Pforzheimer Kliniken. In Tiefenbronn wollte Martina Usländer den Vereinsvorständen klar machen, dass es ihr nicht um völlige Askese geht, sondern um die Verantwortung für junge Menschen, „die schneller an Sucht erkranken als Erwachsene“, wie sie sagt.
Sämann denkt auch an Fälle wie zuletzt in Straubenhardt als ein Treffpunkt von jungen Leuten, an dem oft viel Alkohol fließt, zum Schauplatz einer Massenschlägerei wurde. Ein krasses Beispiel. „Aber Alkohol und Gewalt sind vielerorts ein Riesenproblem“, so der Bürgermeister: „Tiefenbronn ist da auch kein weißer Fleck auf der Landkarte.“ Schwerpunkte für gezielte Gegenmaßnahmen sieht er beim großen Straßenfest in der Gemeinde und bei der Fasnet.
In Tiefenbronn ist es auch in der Vergangenheit schon etwas getan worden. Bei der 900-Jahr-Feier hätten Security-Kontrollen mitgebrachten Alkohol aus dem Verkehr gezogen, so Sämann. Und in der vergangenen Fasnets-Kampagne, sagt er, „hat der Carnevalsverein eine Ballermannparty abgesetzt und eine Fußballparty daraus gemacht.“ Eine gute Sache sei das gewesen. Auch weil man schon allein den Namen „Ballermannparty“ mit Sauferei verbunden hätte, meint der Bürgermeister.
Martina Usländer hofft auf große Teilnahme am runden Tisch. Vereine könnten sich aber auch einzeln von ihr beraten lassen, sagt sie. Oder sie könnten beides tun.
Autor: alexander heilemann



