

Schömberg bleibt auch nach der Glückswoche ein Ort, wo Menschen Glücksmomente erleben. Für Yvonne und Horst Howald gilt das auf jeden Fall, aber auch für Gudrun Günter. Vater und Tochter haben sich vor wenigen Wochen nach 23 Jahren Trennung erstmals wieder gesehen.
Und die erste, die kurz nach diesem bewegenden Moment im Leben der beiden davon erfuhr, war die Mitinhaberin des Schömberger Ladengeschäfts „Bett – Tisch – Bad“. Sie und ihr Mann Wolfgang sind für Horst Howald schon seit Jahren in Schömberg die erste Anlaufstelle, wenn er zusammen mit seiner Lebensgefährtin in der Schwarzwaldgemeinde samstags zum Frühstück ins Café Talblick geht. Aus der reinen Kundenbeziehung sei im Laufe der Zeit mehr geworden, beschreibt Horst Howald.
Das war auch der Grund, weshalb der 65-Jährige mit seiner Tochter nach dem ersten Treffen zu Hause bei sich in Pforzheim dann bei Gudrun Günter vorbeischaute und seine Tochter vorstellte. „Nachdem die beiden mir ihre Geschichte erzählt haben, war ich tief bewegt. Sonst meint man ja immer, dass so ein Glück nur im Film passiert“, erklärt Gudrun Günter. Schließlich, fügt sie an, hätten sich beide bis vor drei Jahren theoretisch in Pforzheim über den Weg laufen können. Nach dem Tod ihrer Mutter war Yvonne Howald 2007 zu ihrem Partner nach Obersasbach im Ortenaukreis gezogen.
„Nach der Scheidung habe ich mit allen Mitteln versucht, Kontakt mit meiner Tochter aufzunehmen“, erzählt Horst Howald. Doch seine Exfrau habe den Kontakt zu der damals Neunjährigen abgeblockt. Irgendwann habe er aufgegeben. Alles was ihm von Yvonne blieb, war ein Fotoalbum. „Mein wohlgehüteter Schatz“, sagt der 65-Jährige.
Dem Glück auf die Sprünge half im Herbst 2009 der Kauf eines Laptops. Horst Howald ließ sich von Freunden und Verwandten im Umgang mit dem Computer einweisen und war bald auch im Internet unterwegs. Er erfuhr von der Internetgemeinschaft „Wer kennt wen“. Der Mann von Howalds Cousine ermunterte ihn, darüber nach seiner Tochter zu suchen. „Ich habe den Namen eingegeben und es erschienen 20 mit der richtigen Schreibweise in verschiedenen Orten. Ich habe einfach den ersten versucht und rief dort an. Nach einigen Fragen war klar, dass sie meine Tochter sein musste“, erzählt Howald. Dass es danach aber zu einem ersten Treffen kam, haben Tochter und Vater dem Partner von Yvonne Howald zu verdanken.
„Manfred hat mich dazu ermuntert.“ Er habe ihr verdeutlicht, dass sie sich und ihrem Vater eine Chance geben solle. Und ich bin so froh darüber“, erzählt die 33-Jährige, die in Wilferdingen als Kindergartenleiterin arbeitet. Sie habe nach den Jahren ohne Kontakt nicht gewusst, wie ihr Vater zu ihr stehe. Doch nach dem ersten Treffen seien diese Bedenken verflogen gewesen. „Wir lagen uns bei der Begrüßung mit Freudentränen in den Armen und hatten uns so viel zu erzählen“, sagen beide unisono und strahlen übers ganze Gesicht. Es folgten Telefonate, E-Mails und ein weiteres Treffen. „Wir haben festgestellt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben, von der Liebe zur Musik bis zum Wandern“, freut sich Yvonne Howald.
Gestern trafen sich Vater und Tochter zum dritten Mal, zuerst zum Frühstück in Pforzheim und danach bei Gudrun und Wolfgang Günter in Schömberg. Dort blätterten sie gemeinsam in dem alten Fotoalbum und hielten auch gleich mit der Kamera die neuen glücklichen Momente in ihrem Leben fest. Viola Krauss



