

KELTERN. Alles andere als zufrieden sind derzeit die Winzer mit der Witterung, dem Ertrag an den Stöcken und dem Reifezustand der Trauben. Rund 40 Winzer besprachen jetzt in den Dietlinger und Ellmendinger Reblagen die Situation.
Eigentlich waren die Winzer zusammengekommen, um aus berufenem Munde mehr zum Thema der biologischen Schädlingsbekämpfung zu erfahren. Aus aktuellem Anlass nahm aber auch die bevorstehende Weinlese breiten Raum ein.
Dabei prognostizierten die Fachleute eine Müller-Thurgau-Lese ab dem 20. September und die Riesling-Traubenlese etwa acht Tage später. Die Rotwein-Sorten sind in der Reife noch etwas zurück, so dass eine Lese voraussichtlich nicht vor dem 10. Oktober in Frage kommt.
Während bei den Weißweintrauben, nicht zuletzt durch die regnerischen Tage, die Gefahr von Fäulnisbildung besteht, ist man beim Reifezustand allgemein in einer gewissen Konfliktsituation. Bedingt durch die sich im Juni über rund vier Wochen hinziehende Weinblüte, ist der Reifezustand in den Rebzeilen recht unterschiedlich. Auch was die Menge anbelangt, geht man von einem Minderertrag von rund 15 bis 25 Prozent aus – je nach Sorte und weiterer Witterung. Auch damit wird deutlich, dass Hobby- und Ertragswinzer gleichermaßen bei der Arbeit im Weinberg oft ein Wechselbad der Gefühle erfahren, das von einem Spitzenjahrgang, wie im Jahr 2009 bis zu gewissen Rückschlagen in verregneten Jahren wie diesem reicht.
Schwerpunktthema war jetzt die Schädlingsbekämpfung, insbesondere des Sauerwurms, der bei der Nahrungssuche die Beeren ansticht und so eine schnelle Fäulnis bei den Trauben hervorruft. Um auf den Einsatz von Spritzmitteln verzichten zu können, ist der Einsatz von Pheromonfallen vorgesehen. Flächendeckend in den Rebzeilen ausgebracht, soll mit dieser Verwirrtechnik der Schädling biologisch bekämpft werden.
Die Methode rentiere sich, ist Walter Appenzeller überzeugt, Hobbywinzer und Grünen-Gemeinderat. Gleichzeitig merkte er aber auch an: „Das funktioniert nur, wenn alle mitmachen“. Ob sich alle heimischen Winzer dieser Auffassung anschließen, bleibt jedoch fraglich. Fest steht jedoch, dass auch damit das Risiko eines Ertragsverlusts weiter minimiert werden kann.
„Eine absolute Garantie für einen exzellenten Jahrgang wird es aber künftig nicht geben, zumindest nicht so lange, wie wir das Wetter nicht selbst bestimmen können“, lautete eine heitere Bemerkung bei der Weinbergbegehung. Am Schluss der Veranstaltung fiel unter den 20 noch anwesenden Winzern, die rund 80 Prozent der Kelterner Rebfläche bewirtschaften, der einstimmige Beschluss, dass mit weiteren Veranstaltungen die Voraussetzungen geschaffen werden sollen, um in Kelterner Weinbergen künftig weitestgehend gänzlich auf Insektizide verzichten zu können.
Autor: Theo ossmann



