


Wenn man, wie ich, auf einer Weltreise ist, muss man sich bei aller Freude mit verschiedenen Problemen herumschlagen. Ein offensichtliches ist die Sprachbarriere. Sobald man aus Deutschland raus ist, hilft auch das beste Hochdeutsch nichts mehr. Außer vielleicht, es verschlägt uns zu den Nachbarn in die Schweiz oder Österreich – und selbst dort ist Hochdeutsch keine Garantie, verstanden zu werden.
Hier in Australien geht ohne Englisch gar nichts. Mit meinem guten Schulenglisch, habe ich die meiste Zeit keine Probleme. Aber manchmal gibt es einfach Worte, die in verschiedenden Ländern und Gegenden verschiedene Bedeutungen haben. „Down Under“ ist einer dieser Begriffe Fußball. Die naheliegende Übersetzung „Football“ bedeutet in Sydney Rugby und zwar in der Variante League. Erzählt einem jemand etwas weiter südlich, dass er „Football“ spielt, spielt er tatsächlich Fußball. Die in Sydney und Melbourne übliche Bezeichnung „Soccer“ kennt man hier nicht. In Melbourne gibt es außerdem noch eine andere Sportart, die die Einheimischen als „Football“ oder kurz „Footy“ bezeichnen. Diese, die allerdings nicht wirklich etwas mit unserer europäischen Variante gemeinsam hat, heißt Australian Football.
Melbourne ist für einen Stadionbesuch genau die richtige Adresse, denn allein hier gibt es sechs Aussie-Football-Teams – unter anderem die Melbourne Demons –, die in der Australian Football League AFL gegen Mannschaften aus ganz Australien antreten.
Um das Spiel zu sehen, muss ich in den Melbourne Cricket Ground. Denn Footy ist der Ersatz für Cricket in der Wintersaison, und so ist das Cricket-Stadion die Heimspielstätte der Dämonen. Im Stadion fällt mir gleich der erste offensichtliche Unterschied ins Auge: das Spielfeld. Es ist nämlich oval und mit bis zu 185 Meter an der längsten Stelle fast doppelt so lang wie ein Fußballfeld.
Dafür stehen sich pro Team allerdings auch 15 Spieler gegenüber, deren Ziel es ist den elliptischen Ball durch die vier aufgestellten Stangen des Gegners zu schießen. Trifft man dabei durch die beiden mittleren Pfosten erhält man für das erzielte „Tor“ sechs Punkte. Befördert eine Mannschaft den Ball durch die äußeren Lücken oder wirft ihn zwischen die Pfosten gibt das einen Punkt. Zum Mitspieler kann man den Ball entweder mit der Faust schlagen oder per Kick befördern. Fängt ein Spieler einen Kick, kann er pausieren und erhält einen Freistoß. Mit dem Ball in der Hand darf ein Spieler bis zu 15 Meter laufen, dann muss er prellen. Abspielen ist aber definitiv die bessere Variante, denn prellen ist mit so einem „Ei“ nicht gerade einfach. Das klingt alles etwas kompliziert, sagen Sie. Aber es waren doch nur die allerwichtigsten Grundregeln. Aber ich gestehe: Ich benötigte das erste der 30-minütigen Viertel, um zu verstehen, was auf dem Spielfeld passiert. Danach aber ist es wirklich eine Freude, diesen Sportler zuzusehen.
Das Spiel ist schnell und abwechslungsreich. Action fehlt definitiv auch nicht. Vor allem die Sprungduelle um den Ball – die sogenannten Marks – beeindrucken mich. Manchmal scheinen die Spieler für mehrere Sekunden in der Luft zu schweben. Mich hat jetzt auf jeden Fall das Aussie-Football-Fieber gepackt und es juckt mich in den Fingern, das mal auszuprobieren. Einfach auf den Platz rennen und mitspielen. Zäune, die Fans und das Spielfeld trennen, gibt es nicht. Die Anzeigetafel bringt mich aber ziemlich schnell von dieser zugegeben blöden Idee ab, denn immer wieder wird eingeblendet, dass mich das 7000 Dollar Strafe kosten würde. Und das ist definitiv nicht in meinem Weltreise-Budget drin.
Also bleibe ich lieber bei den Fans. Das ist gut für die Stimmung und für den Geldbeutel. Erstere ist wirklich gut. Das einzige Problem der „Dämonen“-Anhänger ist, dass sie in einem Stadion sitzen, das knapp 100.000 Menschen fast. Da wirken auch 25000 Menschen lächerlich wenig. Trotzdem war das Ganze ein super Erlebnis und ich würde mich jetzt auf jeden Fall zu den Aussie-Football-Fans zählen. Einfach ein wirklich beeindruckender Sport. Außerdem habe ich mir ganz neben bei ein paar schöne Übungen für mein nächstes „Football“-Training daheim abschauen können. Ich meine natürlich Soccer. Also Fußball. Naja, Sie verstehen schon.
Autor: Peter Hettler | Melbourne









