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Große Ehre für kleine Radsportler:  Rudolf Scharping höchstpersönlich überreichte in Dietlingen die Pokale an die Nachwuchsfahrer.
Große Ehre für kleine Radsportler: Rudolf Scharping höchstpersönlich überreichte in Dietlingen die Pokale an die Nachwuchsfahrer.
© Müller

BDR-Präsident Rudolf Scharping zeichnet junge Radfahrer aus

DIETLINGEN. Er ist fast so plötzlich auf der Bildfläche aufgetaucht wie ein Politiker bei einem streng geheimen Spontanbesuch im Irak oder in Afghanistan. Die gepanzerte Limousine und der Personenschutz aber fehlten. Dieses Leben hat der einstige SPD-Spitzenpolitiker und Verteidigungsminister Rudolf Scharping schon längst hinter sich gelassen.

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Das Warten auf Scharping in Dietlingen dauerte lange. Sehr lange. Selbst Minuten vor Beginn der Siegerehrung beim GVS-Erdgas-Schüler-Cup war noch völlig offen, ob er nun kommt oder nicht.

Rudolf Scharping kam. Mit politischer Gelassenheit zeigte der im März bei einer Kampfabstimmung in Leipzig wiedergewählte Präsident des Bundes deutscher Radfahrer (BDR) keinerlei Berührungsängste mit dem Publikum. Dankesreden, Ehrungsmarathon, das umfangreiche Rahmenprogramm in der Dietlinger Speiterling-Halle – alles ließ der Mann aus dem Westerwald ebenso klaglos über sich ergehen wie die unzähligen Foto-Wünsche des Radsport-Nachwuchses.

So manch jungem Pedaleur mögen die Knie weich geworden sein, als er von Scharping höchstpersönlich seinen Pokal in Empfang nehmen durfte. „Ich habe sehr gerne mit Vereinen zu tun und lege großen Wert auf Basisarbeit“, verriet der 61-Jährige, ehe Moderator Bastian König (Freiburg) über Mikrofon hinzufügte: „Sie sind in zwölf Jahren Erdgas-Schüler-Cup der erste Präsident, der sich hier bei uns sehen lässt.“

Keine Frage, der ehemalige SPD-Spitzenkandidat ist sich seiner Ausstrahlung bewusst. Und die setzt er ein, so gut er kann. Besonders, wenn es um das leidige Thema Doping im Radsport geht. Schon öfter wurde Scharping vorgeworfen, er neige zur Verharmlosung. Doch auch im fünften Jahr seiner Amtszeit bleibt er bei seiner Linie. „Die Doping-Diskussion in Deutschland ist auf dem Rücken des Radsports ausgetragen worden“, erklärte der BDR-Präsident auch in Dietlingen. „Man ist quasi in unserem Windschatten mitgefahren. Und ich bin nicht dafür, Sportler in den Boden zu stampfen, nur weil sie mal einen Fehler gemacht haben.“

2009 sieht er sogar als Jahr der Stabilisierung für den Radsport, auch wenn es noch Schwierigkeiten zu überwinden gebe. „Die Mitgliederzahlen sind stabil geblieben. Die Zahl der aktiven Fahrer ist auf 1,3 Millionen gewachsen und Deutschland ist führend in der Doping-Prävention“, rechnet Scharping Positives vor. Außerdem glaubt er, dass es nicht mehr lange dauert, bis sich der Radsport von seiner schwersten Krise erholt hat. „Vorausgesetzt, bei den Profi-Fahrern passiert nichts Gravierendes mehr“, schränkt er jedoch ein.

Auch beim Badischen Radsport-Verband und beim RSV Schwalbe Ellmendingen ist man überzeugt, in Rudolf Scharping den richtigen Mann zu haben. Allein die Kontakte des Politprofis, der seit einiger Zeit eine internationale Strategie-Beratungsfirma betreibt, sind im wahrsten Sinn des Wortes Gold wert. Als Mittelbeschaffer wie als Türöffner gibt er eine glänzende Figur ab. Nicht umsonst hat der Badische Radsportverband (BRSV) seine erneute Kandidatur vorbehaltlos unterstützt. „Wir wollten keine Palastrevolution, sondern Kontinuität“, bekennt deshalb der badische Verbandschef Klaus Schubert.

Ähnlich wie der Pforzheimer sieht das auch Karl-Heinz Kaiser: „Ein Ehrenamtlicher hätte diese Krise – vor allem gegenüber der Presse – nie so durchgestanden wie er“, ist sich der Macher vom RSV Schwalbe sicher.

Die Beteiligten liegen auf gleicher Wellenlänge und sind sich darin einig, dass der Radsport nur mit guter Basisarbeit aus der Talsohle kommt. So wird es wohl auch nicht allzu lange dauern, bis Scharping wieder beim Erdgas-Schüler-Cup durch seine Anwesenheit glänzt. Gleich im nächsten Jahr ist das aber kaum zu erwarten, wenn die Siegerehrung im Science-Center Heilbronn stattfindet. Denn speziell mit dem Württembergischen Verband, der seine Wiederwahl zu torpedieren versuchte, steht der 61-Jährige noch ein bisschen auf Kriegsfuß.

Autor: PZ-Mitarbeiter Peter Hepfer

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