Der deutsche Fan-Jubel blieb im EM-Halbfinale gegen Italien aus. Bei den Public Viewings wurde es mit zunehmender Spieldauer immer ruhiger. © dpa
28.06.2012

Bedrückte Stille beim Public Viewing in Pforzheim

Die schwarz-rot-goldene Fußballparty ist vorbei: Punkt 22:38 Uhr am Donnerstagabend war die Fußball-EM für Deutschland zu Ende. Mit hängenden Köpfen und gedrückter Stimmung verließen Millionen deutsche Fans die Fanmeilen, Fußballfeste und Public-Viewing-Kneipen. Das war in Pforzheim nicht anders. Zu sehen war das auch in der ARD - das Erste zeigte nämlich in einem TV-Nachbericht Szenen aus dem Pforzheimer Enzauenpark.

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Dort wollten ein paar Tausend Zuschauer einen Sieg gegen die Italiener im Ezzauenpark sehen. Doch bald ließ die gute Stimmung nach. Nicht anders war es in der Hochschule Pforzheim. Das Gegenteil war der Fall im italienischen Kulturzentrum, wo ausgelassene Feierstimmung herrschte. Das spiegelte sich auch im Autokorso wieder, in dem man auffallend viele hupende Fiat, Lancia und Alfa Romeo sah. Und mitten in der Stadt wurden sogar um einen Ferrari herum Freudentänze aufgeführt.

Bildergalerie: EM-Halbfinale: Autokorso in Pforzheim

Italien ließ den Traum vom ersten Titel nach 16 Jahren für die deutsche Nationalmannschaft schon im EM-Halbfinale platzen: 1:2 für die «Squadra Azzurra» im Fußballklassiker in Warschau.

Bildergalerie: Deutschland - Italien: Public Viewing im Enzauenpark - 1

Auf den großen deutschen Fanfesten herrschte gedrückte Stimmung. Dabei hatte alles mit freudiger Partyatmosphäre begonnen: Hunderttausende waren bereits am frühen Abend bei lauem Sommerwetter auf die größte Fanmeile Deutschlands in Berlin geschlendert - eine Stunde vor Spielbeginn war der Fan-Park bereits rappelvoll. Hier wie auch sonst wo hatten etliche Besucher wieder große Deutschland-Fahnen dabei, viele Frauen waren schwarz-rot-gold geschminkt.

Bildergalerie: Deutschland - Italien: Public Viewing im Enzauenpark - 2

Entsetzen um 21:06 Uhr: Mario Balotelli schießt das 1:0 für Italien. Ungläubige Stille 17 Minuten später - wieder Balotelli, 2:0. Kaum einer der Hunderttausenden in Berlin, der mehr als 50.000 in Hamburg oder der 35.000 im Münchner Olympiastadion hatte daran geglaubt, dass Deutschland verlieren könnte. In der Halbzeitpause erregte Diskussionen über das Spiel und die Erkenntnis bei vielen: «Das wird ganz, ganz schwer.»

Bildergalerie: EM-Halbfinale: Trauer bei den Fans an der Hochschule Pforzheim

Immer wieder erstickte Jubelschreie bei den zahlreichen vergebenen Chancen der deutschen Elf in der zweiten Hälfte. Dann Hoffnung: Der Anschlusstreffer von Mesut Özil zum 1:2 in der 92. Minute. Doch die Schlussoffensive reicht nicht - mit dem Abpfiff ist allen klar: Es ist vorbei, kein großes Finale am Sonntag, kein großer Empfang auf der Hauptstadt-Fanmeile für das deutsche Team.

Bildergalerie: Jubel bei italienischen Fans im Centro Kulturale Italiano

So ungefähr verlief auch der Abend im Regensburger BMW-Werk: Die Bänder wurden angehalten, etwa 2500 Mitarbeiter durften das Spiel auf drei Leinwänden in den Hallen verfolgen - geschminkt in schwarz-rot-gold, mit riesigen Hüten auf den Köpfen oder sogar mit Vuvuzelas. Anfangs herrschte ausgelassene Fußballstimmung, später machte sich jedoch Ernüchterung breit.

Bildergalerie: EM-Halbfinale: Public Viewing in Wurmberg

Doch wo schwarz-rot-gold trauerte, herrschte grün-weiß-roter Jubel: Viele der 500.000 Italiener in Deutschland feierten den Sieg ihres Teams ausgiebig. In Köln, einer deutschen Italien-Hochburg, verwandelte sich direkt nach der 2:0-Führung die von italienischen Restaurants gesäumte Zugstraße in ein grün-weiß-rotes Fahnenmeer. Mehrere hundert italienische Fans feierten hier den Sieg ihres Teams - und hatten ein tröstendes Wort für ihre deutschen Freunde und Nachbarn. Aber auch in München oder Wolfsburg, wo ebenfalls viele Tifosi leben, sollte gefeiert werden - mit Wein, Jubelgesängen und Autokorsos.

Bildergalerie: EM-Halbfinale: Deutschland 1:2 Italien - 1

Bis zu 30 Millionen Menschen dürften das Spiel wieder am Fernseher zu Hause verfolgt haben, mehr als fünf Millionen beim Public Viewing. Abseits von Fußball-Kneipen und Fanfesten waren viele Straßen in Deutschland am Donnerstagabend wie leer gefegt. Nur vereinzelt sah man Autos oder Passanten.

Ein ähnliches Bild im Stiefelstaat: Viele Millionen in dem fußballverrückten Land schauten das Match. Auf der riesigen Piazza del Popolo in Rom feierten 10 000 Tifosi nach einem heißen Public Viewing - immerhin hatte es tagsüber etwa 35 Grad. Rudelgucken gab es auch vor Einkaufszentren sowie in ungezählten Bars und Pubs, die natürlich mit Italien-Fahnen geschmückt waren. Nach dem Spiel stand den Italienern eine lange und laute Nacht bevor: Überall im Land brausten Autokorsos durch die Städte. dpa/tok

rollxxx
29.06.2012
Bedrückte Stille beim Public Viewing in Pforzheim

Das letzte worauf Deutsche noch stolz sind. Erbärmlich. mehr...

FarAway
29.06.2012
Bedrückte Stille beim Public Viewing in Pforzheim

*Klugscheißmodusan* Beim Public Viewing sollte immer bedrückte Stille herrschen, das ist eine öffentliche Leichenschau! *klugscheißmodusaus* mehr...