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28.12.2009

"Das Wir-Gefühl suchen wir vergeblich" - Offener Brief an KSC-Präsident Metzger

Sehr geehrter Herr Metzger, erinnern Sie sich noch an die Schlagworte Ihrer Kandidatur? Von einem neuen Wir-Gefühl war da sinngemäß die Rede, von einem Einbringen aller Fans ins Vereinsleben. Zu beidem sowie zur Außendarstellung haben wir, User der Internetportals transfermarkt.de, uns ein paar Gedanken gemacht.

Wir möchten Sie bitten, die aufkommenden Fragen aus Ihrer Sicht zu beantworten, nur so kann ein dem Wohl des KSC zuträglicher Austausch entstehen. Das angekündigte Wir-Gefühl suchen wir noch vergeblich. In Zeitungen beklagen sich Spieler über Missstände, über die Internetpräsenz des KSC erheben derweil Sie Anklage gegen Trainer Markus Schupp und Ex-Manager Rolf Dohmen. Überall, aus allen Ecken schießt jeder gegen jeden, verliert dabei vollkommen das Ziel beider Blöcke (Sie werden nicht bestreiten, dass diese existieren) aus den Augen, das letztendlich auch nur das Wohl unser aller Vereins ist. Ein Wir-Gefühl finden wir hier nirgendwo.

Längst wird nur noch gegeneinander gearbeitet - wieso? Warum gibt es nicht mal einen runden Tisch zwischen altem und neuem Präsidium? Warum bleiben die Kompetenzen ungenutzt, warum werfen sich beide Seiten nur noch Vorwürfe an den Kopf? Ist Ihnen allen der KSC egal? Und nein, es scheitert nicht an der Unlust der anderen Seite - es scheitert an dem, der nicht alles versucht, diese Unlust zu vertreiben. Gelingt es ihm, dann wird aus demjenigen ein Politiker - das wird ihm aber nie gelingen, wenn er dafür keine Opfer bringt. Man sollte bei der Abwägung der Opfer nie vergessen, um welchen Verein es geht - und welche Opfer dessen Fans Jahr für Jahr, Woche für Woche bringen. Meinen Sie, die schlafen ruhig, wenn sie sehen, wie ihr Verein sich scheinbar unaufhaltsam selbst zerstört? Ruhiger wird deren Schlaf auch durch die Außendarstellung nicht. Der KSC gibt ein Bild ab, das derzeit bundesweit beispiellos ist. Nirgendwo sonst werden wie oben bereits erwähnt einem Trainer über die eigene Internetseite Repressalien angedroht, nirgendwo sonst findet sich für einen Manager, der lange Jahre im Dienst des Vereins stand, kein Wort des Dankes. Nirgendwo sonst werden Abmahnungen - über deren Berechtigung sicherlich nicht Einigkeit herrschen muss - im besetzten Stadion besprochen! Glauben Sie uns, es gibt Schöneres, als überall bemitleidet oder verspottet zu werden, ob seiner KSC-Leidenschaft.

Die Politik des Gegeneinanders wird auch in den Medien schamlos betrieben, wirklich dringende Fragen wie die des Sponsoring, der Rolle des Verwaltungsrat und der Personalpolitik (seien es die Dohmen-Nachfolger, ein Assistenz-Trainer oder mögliche Kaderverstärkungen in der Winterpause) bleiben gänzlich unbeantwortet, obwohl sie Fans von Flensburg bis Lörrach auf der Seele brennen, nein, stattdessen werden lieber wieder die Schlammkanonen ausgepackt - von beiden Seiten! Warum wird hier nicht einfach ein klärendes Interview mit den BNN geführt, in dem diese Fragen beantwortet werden? Oder wären Sie zumindest bereit, die Fragen der Fans direkt zu beantworten? Es ist sonst kein Treiben böser Kräfte sondern bloße Logik, dass Gerüchte entstehen. An dieser Stelle möchten wir noch unserem Trainer, Herrn Schupp, das vollste Vertrauen aussprechen. Was dieser Mann aus den äußerst beschränkten Mitteln und bei schlimmen Rahmenbedingungen (Stichwort: Co-Trainer) macht, verdient höchsten Respekt, den er aus der Mannschaft ja auch erfährt. Eine Handschrift ist zu erkennen, es gibt derzeit nichts, was aus sportlicher Sicht zu kritisieren wäre - und nur diesen Maßstab legen wir an einem Trainer an.

Es wäre nett von Ihnen, wenn Sie dieses Lob weitergeben; es wäre derweil aber noch besser, Sie sprächen es ihm selbst aus. Sie verstehen wohl, dass wir Sorge haben, Markus Schupp wird ein Opfer im Krieg der Eitelkeiten. Es gibt viele Baustellen derweil beim KSC, die sich nur gemeinsam und mit höchster Konzentration in einem stabilen Umfeld lösen lassen. Sie sind als Präsident dafür zuständig, dieses Klima - auch unter persönlichem Verlust, zum Wohle des KSC - wiederherzustellen. Wir Fans, die allesamt nicht Anhänger dieses Vereins wurden, weil er tollen Fußball spielt, tun uns äußerst schwer, sich bei diesem Klima der Angst noch mit dem Verein identifizieren zu können. Wenn diese Möglichkeit zur emotionalen Bindung schwächer und schwächer wird und schließlich gar nicht mehr gegeben ist - dann ist unser aller Verein KSC tot. Sie haben diese Mail in vielfacher Ausführung erhalten. Sie wurde abgesandt von Ihnen Geneigten, Ihnen Abgeneigten, Neutralen, Jungen, Alten, Supporters, Nicht-Supporters, Mitgliedern, Nicht-Mitgliedern, Sitzplatzgästen, Stehplatzgästen, Gegengeradengästen usw. Noch gelingt es, all diese im Guten zu vereinigen, für ihren Verein.

Wir hoffen, Sie erkennen dies und handeln, solange das noch möglich ist. Sie wissen, wie schnell der Wind drehen kann. Wir hoffen, Sie wissen unsere Form der Einbringung zu schätzen und nehmen sich der Fragen an - wir würden Ihre Beantwortung in gleichem Maße honorieren. Schlussendlich wünschen wir Ihnen, Ihrer Familie und unserem Verein alle Gute, ein frohes Weihnachtsfest und ein hoffentlich geruhsameres Jahr 2010 - es liegt in Ihrer Hand.