06. Mai 2008
Vorheriges Bild
Nächstes Bild
In ihrem Element:  Silke Lippok fühlt sich im Wasser pudelwohl und läuft zur Hochform auf.
In ihrem Element: Silke Lippok fühlt sich im Wasser pudelwohl und läuft zur Hochform auf.
© Breloer, dpa
Eine echte Frohnatur:  Silke Lippok ist selbst beim harten Training immer bester Laune.
Eine echte Frohnatur: Silke Lippok ist selbst beim harten Training immer bester Laune.
© PZ-Archiv
Vorheriges Bild
Nächstes Bild

Deutsche Meisterin: Silke Lippok schwimmt mit 14 Jahren allen davon

Ausgelassen jagen ein paar Jugendliche ihrem Ball auf dem Bolzplatz hinterher. Sie haben einfach nur Spaß. Nur wenige Meter davon entfernt geht es ganz anders zu: Im Schwimmbecken der Pforzheimer Fritz-Erler-Halle: Dort ziehen Athleten der SSG Pforzheim unermüdlich ihre Bahnen. Eine von ihnen ist Silke Lippok. Die 14-Jährige zählt zu den größten Talenten im deutschen Schwimmsport.

Anzeige

Silke Lippok

Silke Lippok kam im Alter von fünf Jahren
durch ihren älteren Bruder Nils
zum Schwimmsport. Seither ist
das Ausnahmetalent für die Schwimm-Sport-Gemeinschaft Pforzheim aktiv. Zu den Parade-
Disziplinen der 14-Jährigen gehören das Kraul- und das Schmetterling-Schwimmen. Neben unzähligen
badischen Altersklassen-Rekorden hält die 1,66 Meter große Schülerin über 50 Meter Freistil und 50 Meter Schmetterling auch den deutschen Altersklassenrekord.
Der bisher größte Erfolg von Silke Lippok war der Titelgewinn über 50 Schmetterling bei den offenen deutschen Meisterschaften in
Berlin.

Bahn für Bahn spult das Mädchen bei immens hoher Luftfeuchtigkeit ihr tägliches Trainingspensum ab. Fünf bis sechs Kilometer auf der 25-Meter-Strecke. Fünf- bis sechsmal die Woche. Das sind 120 Kilometer pro Monat – ungefähr 1400 Kilometer im Jahr. Das ist weiter als die Strecke von der Zugspitze bis zur dänischen Grenze. Eine Dimension, die dem sportlichen Treiben der Schülerin den Beigeschmack von harter Arbeit verleiht. In Fachkreisen oftmals auch mit „Kacheln zählen“ beschrieben.

Starke Wettkampf-Resultate

„Silke ist zweifelsfrei eines der größten Talente im deutschen Schwimmsport“, sagt Trainer Rudi Schulz. Seit fast zweieinhalb Jahren betreut der ehemalige Olympia-Stützpunkttrainer die AusnahmeAthletin. „Wenn sie auch in Zukunft so unbeschwert wie bisher trainieren kann, wird sie in ein bis zwei Jahren mit Sicherheit zur nationalen Spitze gehören.“ Ihre Wettkampf-Resultate belegen diese Prognose eindeutig. Mehr als 100 badische Altersklassen-Rekorde hat Silke Lippok aufgestellt. „Bei den offenen Bezirksmeisterschaften hat sie sogar die Männer hinter sich gelassen“, sagt Schulz.

Im Training ist die 14-Jährige mit großem Eifer bei der Sache. Schier unermüdlich zieht sie ihre Bahnen. Gleichmäßig in der Freistil-Technik. 25 Meter das Becken hoch – Wende – 25 Meter das Becken runter – Wende – immer und immer wieder. Als wäre sie eins mit dem Wasser.

Diese endlosen Bahnen haben sich letztlich aber bezahlt gemacht. Im April krönte Lippok ihre noch junge Laufbahn bei den offenen deutschen Meisterschaften in Berlin. Über 50 Meter Schmetterling schwamm die Schülerin sensationell zu Gold. Ihr erster nationaler Titel. „Das ist der absolute Wahnsinn, damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, jubelte sie. In 27,08 Sekunden verwies sie nicht nur die Konkurrenz auf die Plätze, sondern unterbot außerdem den deutschen Altersklassenrekord für 14-Jährige. Und den hatte keine geringere als Olympia-Siegerin Franziska van Almsick inne. Dabei war Lippoks Zielsetzung im Vorfeld eine ganz andere: „Bei den sieben Starts möchte ich einmal ins Finale der besten acht kommen.“

Und für ihre Ziele trainiert Silke Lippok hart. Während einer Pause am Beckenrand schaut sie auf ihren Übungsplan, der in eine Plastikfolie eingeschweißt ist. Jetzt sind die Starts an der Reihe – für die Rücken-Technik.

Kraftvoll stößt sie sich mit ihren Beinen von der Wand ab. Ihr Körper taucht rückwärts ins Wasser ein. Mit dem Kopf voraus. Gleitphase. Mit wellenförmigen, delphinartigen Bewegungen nimmt sie Tempo auf. Nach zehn bis 15 Metern kommt sie wieder an die Oberfläche. Nun folgen noch die ersten Züge in der Schwimmtechnik. Dann beginnt die Prozedur von Neuem.

Obwohl die 14-Jährige sehr viel trainiert, ist sie laut Trainer Schulz stets mit großem Engagement bei der Sache: „Silke ist immer die Erste, die ins Wasser geht, und die Letzte, die wieder herauskommt. Sie ist etwas ganz Besonderes.“ Für ein Mädchen ihrer Altersstufe ist ein Trainingspensum in diesem Umfang absolut ungewöhnlich. Für die Schwimmerin selbst ist es völlig normal: „Ich bin vor jedem Training motiviert, weil es einfach Spaß macht.“ Und trotzdem bleibt Silke Lippok noch reichlich Zeit für andere Dinge. „Mit Freunden treffen oder mal ins Kino gehen ist immer drin.“

Nahziel Junioren-WM in Mexiko

Ohne Reibungen verläuft auch das Zusammenspiel zwischen Sport und Schule. „Meine Noten sind ganz gut – meine schulischen Leistungen haben bisher noch nicht gelitten“, erklärt die bescheidene und symphatische Schülerin des Pforzheimer Theodor-Heuss-Gymnasiums. „Und wenn ich mal auf Wettkämpfen bin, haben die Lehrer Verständnis.“

Und welche Ziele verbindet Silke Lippok mit dem Schwimmsport? Das verrät der Teenager nicht: „Wie weit ich wirklich damit kommen will, weiß ich noch nicht genau.“ Ein Nahziel hat sie aber schon ausgegeben: die Junioren-Weltmeisterschaften in Mexiko in diesem Jahr.

Kein Wechsel nötig

Ihr Trainingspensum spult Silke Lippok größtenteils in Pforzheim ab. Vier bis fünf Mal pro Woche ist die 14-Jährige in der Fritz-Erler-Halle im Becken – nur einmal trainiert sie in der Konrad-Adenauer-Schule auf dem Buckenberg. Die Bedingungen sind jedoch alles andere als optimal, weil es in Pforzheim keine Schwimmhalle mit einem 50-Meter-Becken gibt. Nach Karlsruhe auszuweichen wäre zwar möglich, für die SSG Pforzheim aber einfach viel zu teuer.

Momentan sieht Trainer Rudi Schulz noch keine Notwendigkeit seine Schwimmerin in einem Verein mit besseren Möglichkeiten, wie zum Beispiel im Landesleistungszentrum in Heidelberg, unterzubringen: „Die Bedingungen hier in Pforzheim sind insofern doch ideal, weil sich Silke ständig weiterentwickelt hat – ihre Leistungen stagnieren nicht. Hier sind ihre Freunde und in Stefan Stolp hat sie einen Trainingspartner auf gleichem Niveau.“ Coach Schulz sieht momentan keinen Sinn darin, Lippoks Umfeld zu verändern: „Das wäre zu früh und der falsche Weg – sie ist momentan erst bei 80 Prozent ihrer Möglichkeiten.“

Schulz ist sich allerdings bewusst, dass dieser Schritt in der Zukunft auf jeden Fall kommen muss: „Irgendwann benötigt sie einfach Sporthilfe oder die Unterstützung durch den Deutschen Schwimmverband.“

Autor: Jerôme Nell

21.10.2010
Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Top Adressen
Anzeige
Top Angebote


Vor dem Anpfiff 2014/2015

Hier finden Sie die
komplette Sonderbeilage
der Pforzheimer Zeitung
zum Lokalfußball.

» Zum Download «













Anzeige
Regional Finder
Ispringen
Kämpfelbach
Eisingen
Königsbach-Stein
Remchingen
Keltern
Straubenhardt
Birkenfeld
Neuenbürg
Engelsbrand
Unterreichenbach
Schömberg
Neuhausen
Tiefenbronn
Heimsheim
Friolzheim
Wimsheim
Mönsheim
Wiernsheim
Wurmberg
Niefern-Öschelbronn
Kieselbronn
Neulingen
Ölbronn-Dürrn
Ötisheim
Mühlacker
Illingen
Maulbronn
Sternenfels
Knittlingen
Oberderdingen
Pforzheim
PZ lesen per E-Paper

zum Log-In                       zur Startseite

Umfrage
Welches Spiel wollen Sie im Video sehen?
PZ-news auf Facebook


Webcam
Do, 21.08.2014 23:58
Aktuelle Videos
Anzeige