03. Februar 2012

Karlsruher SC

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Fußball: Kritik an Gesichtsscannern wird laut
KSC-Fans protestieren am 31. Juli 2011 mit aufgemalten Gesichtern auf Papptellern gegen einen geplanten Einsatz von Gesichtsscannern. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wollte zum Pokalspiel des Karlsruher SC gegen Alemannia Aachen einen Feldversuch durchführen.
© dpa
Die Fußball-Bundesliga ist so populär wie nie.
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Fußball: Kritik an Gesichtsscannern wird laut

Berlin/Schwerin (dpa) - Schwere Krawalle in Fußballstadien, prügelnde Randalierer, Angriffe gegen Polizisten: Immer neue Schockszenen haben Politik und Sportverbände längst auf den Plan gerufen. Der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier (CDU) will nun eine harte Linie im Kampf gegen Gewalt rund um den Fußball. Sein Vorschlag: Mit Hilfe von Gesichtsscannern am Stadioneingang sollen notorische Krawallmacher aus den Arenen ferngehalten werden. Liga, Fan-Vertreter und Polizei aber laufen Sturm gegen die Pläne.

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«Alle Zuschauer vor einem Spiel zu scannen - das ist aus meiner Sicht weder zumutbar für die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fußball-Fans noch praktikabel für die Vereine», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Rückblick: Im Herbst hatten schwere Ausschreitungen bei den DFB-Pokal-Partien Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden und Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Kaiserslautern eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Politik und Sport suchten den Schulterschluss. Eine neu installierte Task Force soll einen «Zehn-Punkte-Plan» von DFB, DFL und Innenministerium umsetzen. Dazu zählt etwa ein besserer Dialog zwischen Fangruppen - darunter auch den Ultras - und der Polizei und ein stärkeres Engagement bei der Fanarbeit, um Gewalt vorzubeugen.

Wirklich in den Griff scheinen die Verantwortlichen das Problem aber nicht zu bekommen: Zu Jahresbeginn waren erneut schlimme Bilder von Krawallen rivalisierender Fan-Gruppen bei einem Hallenturnier in Hamburg durch die Republik gegangen - der Veranstaltungschef sprach von «Krieg».

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier - seit Jahresbeginn auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz - ist nun in die Offensive gegangen. Er schlägt vor, dass künftig am Stadioneingang prügelnde und zündelnde Fußballfans aussortiert werden - mit Hilfe moderner Gesichtserkennungs-Technik. «Es geht nicht um die Erfassung aller Besucher eines Fußballspiels. Die Bilder sollen mit Daten schon erfasster Straftäter abgeglichen werden, um sie so fernzuhalten», sagte Caffier am Donnerstag in Schwerin der dpa. «Gewaltchaoten und Pyromanen kommen doch heute oft auch dann noch in die Stadien, selbst wenn ihnen der Zutritt verboten wurde. Mir geht es allein darum, dieses Gefahrenpotenzial durch den Einsatz moderner Technik zu verringern, zum Nutzen der übergroßen Mehrheit der Besucher.»

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich steht dem Vorschlag seines Unions-Kollegen mit einiger Skepsis gegenüber. «Man muss sich gut überlegen, ob das nicht eine Umdrehung zu viel ist», sagte der CSU-Politiker in einem Interview der Zeitung «Münchner Merkur» (Freitag). «Gesichtsscanner wären schon eine neue Stufe.»

Eine von Caffier eingesetzte Arbeitsgruppe prüft derzeit, ob der Einsatz von Gesichtsscannern am Stadioneinlass technisch und rechtlich möglich ist. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie sei offen, der Datenschutzbeauftragte des Landes einbezogen. Sollte das Ergebnis positiv sein, strebt Caffier einen Feldversuch in Rostock an - dort war es in der Vergangenheit trotz massiver Polizeipräsenz häufiger zu Fan-Ausschreitungen mit Verletzten gekommen.

Die Technik jedenfalls ist nach Aussage von Experten inzwischen ziemlich ausgereift und zunehmend treffsicher geworden. Kameras schicken die Bilder über das Internet an eine Datenbank, wo die Aufnahmen mit den Fotos von auffällig gewordenen Personen verglichen werden - anhand bestimmter Gesichtsmerkmale wie Augenabstand oder Mundpartie.

Das aber dürfte Datenschützer auf den Plan rufen. Und auch in der Liga, bei der Polizei und in der Politik gibt es scharfe Kritik am Gesichtsscanner-Vorstoß. Die Vorschläge Caffiers hätten eine «neue negative Qualität, sagte Rauball.

Auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut fand in der «Bild»-Zeitung deutliche Worte: «Es ist Irrsinn, ein Sicherheitssystem aufzubauen, das nur über totale Überwachung funktioniert, insbesondere wenn eine Rechtsgrundlage fehlt.» Das Problem der Fußball-Chaoten sei - insbesondere in der 4. oder 5. Liga - damit nicht zu lösen.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker kritisierte: «Gesichtsscanner in Fußballstadien, bei denen das Gesicht jedes kleinen Kindes und jedes langjährigen Fußballfans aufgezeichnet und gespeichert werden müsste, sind ein vollkommen wahnsinniger Vorstoß.» Caffier habe «feuchte Überwachungsträume». Und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fan-Projekte sprach von «purem Populismus». Sprecher Matthias Stein sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»: «Das wäre ein Schritt auf dem Weg zu einem Polizei- und Überwachungsstaat.»

Versuch beim KSC gescheitert

Ein Feldversuch von Gesichtsscannern scheiterte schon einmal. Im vergangenen Sommer wollte das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zum Pokalspiel des Karlsruher SC gegen Alemannia Aachen einen Test durchführen. Nach starken Protesten von Fans und der ungeklärten rechtlichen Grundlage hat sich das Vorhaben aber verschoben. KSC-Fans wehrten sich hinterher mit einer besonderen Aktion im Stadion

03.02.2012

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